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Gewinne aus Stadtwerken bröckeln
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Energiewende belastet Kommunen

Silke Looden 25.04.2017 1 Kommentar

Die Energiewende könnte die übliche Querfinanzierung von Bädern und Bussen durch Stadtwerke laut Studie ins Wanken bringen.
Die Energiewende könnte die übliche Querfinanzierung von Bädern und Bussen durch Stadtwerke laut Studie ins Wanken bringen. (dpa)

Betroffen sind demnach vor allem Städte und Gemeinden mit eigenen Stadtwerken. Gründe sind laut Studie die sinkenden Einnahmen aus dem konventionellen Energiegeschäft und die steigenden Ausgaben für Erneuerbare Energien. In der Folge könnte die übliche Querfinanzierung von Schwimmbädern und Öffentlichem Nahverkehr ins Wanken geraten, so die Prognose. In der Region um Bremen gestaltet sich die Lage jedoch sehr unterschiedlich.

Das Leipziger Kompetenzzentrum für Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge hatte bundesweit 24 Kommunen mit mehr als 20 000 Einwohnern zum Einfluss der Energiewende auf die öffentlichen Haushalte befragt. Die Analyse ergab, dass die Verschuldung in den Energieerzeuger-Regionen größer ist als in den Verbrauchsregionen. Die Hälfte der Kommunen mit eigenen Stadtwerken rechnet demnach bis 2020 mit höheren Defiziten aufgrund der Energiewende. Bei der Elektrizitätsversorgung liegt der Anteil der Kommunen mit Mehrausgaben gar bei 64 Prozent. Bislang hatten viele Kommunen Defizite der Bäderbetriebe und des Öffentlichen Personennahverkehrs durch Überschüsse ihrer Stadtwerke auffangen können. „Die prognostizierten Gewinneinbußen der Stadtwerke werden in zahlreichen Kommunen zwangsläufig zu Haushalts- und Leistungskürzungen führen“, meint der Leiter des BDO-Branchencenters Energiewirtschaft, André Horn. Er empfiehlt den Kommunen, in der Energiewirtschaft zu kooperieren.

Fusionen als Zukunftschance

Die Stadtwerke Osterholz haben bereits vor fünf Jahren mit den Gemeindewerken Ritterhude und Lilienthal fusioniert. Das sei rückblickend ein Gewinn gewesen, meint denn auch der Bürgermeister der Stadt Osterholz-Scharmbeck, Torsten Rohde. Die Geschäftsführung habe die Zeichen der Zeit erkannt und es bislang geschafft, rechtzeitig gegenzusteuern. „Wir sind zufrieden mit der Rendite“, so Rohde. Der Jahresüberschuss der Stadtwerke betrug zuletzt 4,4 Millionen Euro, zwei Millionen gehen an die Stadt Osterholz-Scharmbeck, je 500 000 Euro an die Gemeinden Lilienthal und Ritterhude. Dass die Osterholzer Stadtwerke bisher so gut durch die Energiewende gekommen seien, liege vor allem daran, dass sie selbst keine Kohlekraftwerke betreiben, erklärt Geschäftsführer Christian Meyer-Hammerström. „Die Erneuerbaren Energien drängen die Fossilen aus dem Markt.“ Das führe zum Preisverfall für den Strom der Kohlekraftwerke. So verdiene der Energiekonzern RWE Medienberichten zufolge bereits heute mit 40 Prozent seiner konventionellen Kraftwerke keinen Cent mehr.

Bei den Stadtwerken Delmenhorst bröselt bereits das Gasgeschäft. Deshalb schaut sich der Energieversorger nach neuen Geschäftsfeldern um. So wollten die Stadtwerke Delmenhorst das Gasnetz der Gemeinde Ganderkesee übernehmen, scheiterten aber am Altkonzessionär EWE. Die Stadtwerke klagten. Nun soll eine außergerichtliche Einigung erzielt werden. In Delmenhorst hatten sich die Stadtwerke zunächst erfolgreich um die Stromkonzession beworben. Wegen Rechtsunsicherheiten will die Stadt das Verfahren jedoch in diesem Jahr erneut auf den Weg bringen. So wird das Minus der Stadtwerkegruppe Delmenhorst in diesem Jahr voraussichtlich 265 000 Euro betragen. Dabei werden die Stadtwerke selbst laut Geschäftsführer Hans-Ulrich Salmen voraussichtlich einen beträchtlichen Gewinn von vier Millionen Euro einfahren. Damit muss allerdings das Verlustgeschäft der Graft­therme genauso aufgefangen werden wie der Verlust von Delbus. Das Erlebnisschwimmbad machte zuletzt 2,5 Millionen Euro im Jahr Verlust, der Busverkehr wird in diesem Jahr voraussichtlich ein Minus von 2,6 Millionen Euro einfahren.

Die Stadtwerke Achim indes stöhnen nicht über die Energiewende. Sie produzieren nur zehn Prozent ihres Stroms selbst. Dabei setzen sie auf Erneuerbare Energien und betreiben ein Blockheizkraftwerk sowie zwei Photovoltaikanlagen. Den übrigen Strom müssen die Achimer allerdings wie die Osterholzer am Markt einkaufen. „Es ist schwierig, den Kunden klar zu machen, dass es zu Preissteigerungen aufgrund der politisch beschlossenen Umlagen zur Finanzierung der Energiewende kommt. Da muss die Stadt Achim dann genauso mehr zahlen wie jeder andere Kunde auch“, erklärt Vorstandssprecher Sven Feht.

Der niedersächsische Städte- und Gemeindebund wollte sich auf Nachfrage nicht zu den möglichen Auswirkungen der Energiewende auf die kommunalen Finanzen äußern. Das  Thema betreffe nur die großen Städte mit eigenen Stadtwerken, erklärte der Beigeordnete für Energiewirtschaft, Joachim Vollmer.


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Leserkommentare
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
onkelhenry am 19.10.2019 17:00
Hallo @Suzi ....

Was Sie da immer so verstehen ;-)

Das erklärt auch, warum Sie so oft falsch liegen!

Ja zu ...
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