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Gut, aber nicht perfekt

Als umweltschonende Alternative zu Klarsicht- und Alufolie erfreuen sich Bienenwachstücher zunehmender Beliebtheit. Aber unbedenklich sind die Abdeckungen keineswegs.
22.07.2021, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Christian Mayr
Gut, aber nicht perfekt

Tücher aus Bienenwachs können auch schick aussehen. Universell einsetzbar sind sie jedoch nicht.

Franziska Gabbert/dpa-tmn

Um Müll zu vermeiden, greifen Verbraucher heutzutage gern zu Bienenwachstüchern. Sie gelten als ökologische Alternative zu Aluminium- und Frischhaltefolien. Mehrfach verwendbar, umgeben sie Pausenbrote und decken im Kühlschrank Schüsseln mit Nahrungsmitteln ab. Allerdings sind Bienenwachstücher nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Darauf hat jüngst das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hingewiesen.

Im Allgemeinen bestehen die ökologischen Alternativen aus Stofftüchern, Bienenwachs, Öl und gelegentlich Harz. Und genau aus diesen Bestandteilen können unbeabsichtigt Stoffe auf die verpackten Lebensmittel übergehen. Dies gilt laut BfR besonders für fetthaltige Nahrungsmittel wie Kuchen, Käse und Wurst. Das Bundesinstitut rät daher von einer Verwendung für diese Lebensmittel ab. Bei Obst und Gemüse sieht das BfR hingegen keine Probleme. Schadstoffe, die unter Umständen in der verpackten Nahrung landen, sind beispielsweise Mineralölbestandteile. Diese sind enthalten, wenn das Bienenwachs aus Kostengründen mit Paraffin gemischt wird. Ein Stoff sollte auf keinen Fall in den Bienenwachstüchern enthalten sein: Jojobaöl. Es zerstört in Tierversuchen Darmzellen Eine Übertragung ist bei Kontakt mit fettiger Nahrung sehr wahrscheinlich.

Wer Bienenwachstücher selbst herstellen möchte, sollte laut BfR unbedingt auf die Lebensmitteltauglichkeit der Bestandteile achten. So müssen die verwendeten Stofftücher für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet sein. Aus gefärbten Textilien können sich im schlimmsten Fall krebserregende Bestandteile der Farbe lösen. Das Bienenwachs sollte ebenfalls den Anforderungen eines Lebensmittelzusatzstoffs entsprechen, damit es keine Pestizide oder Bienenarzneimittel enthält.

Ein weiteres Problem ist die Säuberung der Tücher. Da Bienenwachs bei mehr als 60 Grad schmilzt, können sie nicht hygienisch gereinigt werden. Daher sollten Bienenwachstücher nicht mit rohen, tierischen Lebensmitteln in Kontakt kommen. Andernfalls ist die Übertragung von Keimen möglich, wenn das nächste Nahrungsmittel darin eingeschlagen wird. Das Übertragungsrisiko bei pflanzlichen Lebensmitteln ist laut BfR geringer, aber nicht auszuschließen. Nichtsdestotrotz bleiben die Bienenwachstücher eine gute Alternative zu den bisher üblichen Einwegprodukten, wenn Verbraucher die Hinweise beachten.

Auch die anderen Produkte haben ihre lebensmitteltechnischen Tücken – vom Müll einmal abgesehen. Saure oder salzige Lebensmittel sollten laut BfR nicht mit unbeschichteter Alufolie in Kontakt kommen. Tun sie dies doch, löst sich das Aluminium aus der Folie – und wird über die Speisen aufgenommen. In hohen Mengen wirkt es vor allem auf das Gehirn, die Knochen und das blutbildende System toxisch. Die Experten des Bundesinstituts empfehlen, möglichst auf das Element zu verzichten.

Letztendlich ist jedoch entscheidend, welche Lebensmittel worin aufbewahrt werden und wie mit den jeweiligen Materialien umgegangen wird. Zudem gibt es noch die gute alte Mehrwegdose aus Edelstahl oder Glas – in der Anschaffung etwas kostspieliger, dafür aber extrem lange einsetzbar.

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