Motorwelt

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Ein Lebensabschnitt oder Liebe fürs Leben?

Auch Autos plagt im Alter so manches Zipperlein, das schnell teuer werden kann. Wann haben Investitionen noch Sinn, wann ist eine Trennung besser?
04.09.2021, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Angie Harms

Auch Autos plagt im Alter so manches Zipperlein, das schnell teuer werden kann. Wann haben Investitionen noch Sinn, wann ist eine Trennung besser?

Irgendwann gelangen selbst die zuverlässigsten Autos an diesen Punkt, an dem nicht nur der übliche Verschleiß zum Kostenfaktor wird. Dann stellen die ersten Zipperlein und außerplanmäßigen Werkstattbesuche Nerven und Brieftasche auf Geduldsprobe. Das kann die einst große Liebe allmählich schwinden lassen. Etwa, wenn ein Turbolader ersetzt werden muss. Solche Reparaturen gehen meist ins Geld. Wer diese Kosten vermeiden will, muss rechtzeitig verkaufen. Bloß, wann ist rechtzeitig?

Pauschal lasse sich diese Frage nicht beantworten, sagt Carsten Kürten, der in Köln sowohl komplette Restaurierungen von Klassikern ebenso anbietet wie einen Reparaturservice für Alltagsfahrzeuge. „Die Laufleistung, bei der man allmählich darüber nachdenken sollte, zu verkaufen, kann zum Beispiel je nach Fahrzeuggattung, Hersteller oder Motorisierung stark variieren.“

Wo bei einem Kleinwagen erste Schäden schon bei 80.000 oder 90.000 Kilometer auftauchen können, absolviere eine große Diesel-Limousine eines Premiumherstellers vielleicht sogar 200.000 Kilometer problemlos. Und auch die Art und Weise, wie und wo ein Auto eingesetzt werde, spiele eine wichtige Rolle bei der Alterung. „Wenn ich vornehmlich mit 120 km/h auf der Autobahn unterwegs bin, sind die gefahrenen Kilometer auf dem Tacho uninteressant im Vergleich zu einem Auto, das ausschließlich im Stadtverkehr, auf schlechten Straßen und im Stop-and-go-Modus, bewegt wird“, sagt Kürten.

Auch für Constantin Hack vom Auto Club Europa (ACE) gibt es keine festgeschriebene Regel für den richtige Zeitpunkt: „Wir können keine definitive Alters- oder Kilometergrenze nennen, bei der Halten teurer wird als Verkaufen oder umgekehrt.“ Im Grunde sei das Ganze „eine Art Lottospiel“, nicht zuletzt, weil selbst Fahrzeuge einer Baureihe schon durch ganz unterschiedliche (Un-)Zuverlässigkeit aufgefallen seien. „Wenn überhaupt, kann man vielleicht den klassischen Fünf-Jahreszyklus als Richtschnur heranziehen“, bestätigt Kürten. In den ersten drei Jahren erfahre ein Neuwagen bekanntlich den höchsten Wertverlust, dann aber flache die Kurve bis zum fünften oder sechsten Jahr immer mehr ab, so dass es nun sinnvoll sei, eine Entscheidung für oder gegen einen Verkauf zu treffen.

Bisweilen wird daneben auch die 100.000-Kilometer-Grenze genannt. „Die aber ist ein rein psychologischer Richtwert“, sagt Hack. „Das sieht man schon da­ran, dass ich für ein Auto weniger erlöse, wenn ich es mit einem
Tachostand von 103.000 statt mit einem von 97.000 Kilometer verkaufen möchte.“ Daher rät er auch dazu, sich möglichst vor der 100.000er Marke zu entscheiden, ob man verkaufen wolle.

Wer sich gegen einen Verkauf entscheidet, sollte allerdings damit rechnen, zunächst einmal durch „ein Tal der Tränen“ zu müssen, frei nach dem Motto „es muss erst schlechter werden, bevor es besser wird“, gibt Kürten zu bedenken. „Die eine oder andere Reparatur wird zwangsläufig bald anfallen, so dass einem kaum eine andere Wahl bleibt, als tief in die Tasche zu greifen.“ Dann allerdings könne man meist erst einmal wieder sorgenfrei fahren, so der Kfz-Fachmann.

Allerdings kann man auch auf der ganzen Linie Pech haben. So erzählt der Kölner von einer Kundin mit einem zehn Jahre alten, 170.000 Kilometer gefahrenen BMW-Kombi der 5er-Reihe. „Bei diesem Fahrzeug ist die Kurbelwelle an der Riemenscheibe abgebrochen – ein so ungewöhn­licher Schaden, dass man wohl von einem Einzelfall sprechen kann“, so der Experte.

„Für Austauschmotor und Arbeitslohn würden jetzt mehr als 10.000 Euro anfallen.“ Und auch wenn er Autos gern erhalte, habe er der Kundin von einer Reparatur abgeraten.

In ein Auto mit 170.000 Kilometern, das einen Zeitwert von vielleicht noch 13.000 oder 14.000 Euro habe, eine solche Summe zu stecken, verbiete sich. Man hätte dann zwar ein Fahrzeug mit einem brandneuen Motor, angesichts einer solchen Laufleistung müsse man aber jederzeit damit rechnen, dass bald auch bei Getriebe oder Fahrwerk kostspielige Probleme auftauchen.

Allerdings reicht ein Aspekt zuweilen deutlich über das eigene Portemonnaie hinaus. „Ein Fahrzeug, das kaum mehr Wertverlust ausweist, ist nicht nur gut für die eigene Kasse, sondern auch für die Umwelt“, so Hack. Jedes Fahrzeug, das neu produziert werde, verschlinge auch viele Rohstoffe. „Schon deshalb ist es gut, dass es mittlerweile keine Abwrackprämie mehr gibt“, sagt er. „Viele der Autos, die sonst verschrottet werden würden, dürfen nun weiterleben.“

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