Werder Bremen

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Neuanfang mit großem Optimismus, aber vielen Unbekannten

Diese Zweite Liga ist die stärkste seit Bestehen – landauf, landab ist diese Meinung einhelliger Tenor. Die Mission sofortiger Wiederaufstieg macht das für den SV Werder ­Bremen nicht wirklich einfacher.
22.07.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Markwort
Neuanfang mit großem Optimismus, aber vielen Unbekannten

Ein Kommen und Gehen: Vor Trainer Markus Anfang liegen ungewisse Wochen. Wer weiß, was sich bis zum Deadline Day am 31. August alles noch tut.

Carmen Jaspersen/dpa

Diese Zweite Liga ist die stärkste seit Bestehen – landauf, landab ist diese Meinung einhelliger Tenor. Was die Mission sofortiger Wiederaufstieg für den SV Werder ­Bremen nicht wirklich einfacher werden lässt, zumal neben der Tatsache, dass mit dem Erzrivalen Hamburger SV, dem FC Schalke 04, dem Auftaktgegner Hannover 96 (Sonnabend, 24. Juli, 20.30 Uhr), Fortuna Düsseldorf und Altmeister 1. FC Nürnberg zahlreiche ambitionierte Konkurrenten im Weg stehen. Zudem müssen noch einige Unbekannte geklärt werden – das gilt sowohl auf Funktionärsebene als auch für den Kader.

Werder Bremen - Hertha BSC

Niemand weiß, was ihn erwartet. Dennoch, in Bremen hält man zum SV Werder.

Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Während die Frage, wer im neuen Aufsichtsrat, in der Geschäftsführung oder im Präsidium sitzen wird, erst Anfang September geklärt werden dürfte, macht der neue Trainer Markus Anfang auch die Tatsache das Leben nicht eben einfacher, dass das Transferfenster noch bis zum 31. August geöffnet ist – und ihm somit aller Voraussicht nach noch eine rege Fluktuation die konkrete Kaderplanung inklusive erster Elf erschweren dürfte. Doch vor allen Dingen fehlt Werder ein wichtiges Utensil, um die sofortige Rückkehr in die Erste Bundesliga zu bewerkstelligen: das Geld.

„15 bis 20 Transfers“

Mehrere Stammspieler müssen vermutlich über den Saisonstart hinaus noch verkauft werden, um finanziellen Spielraum zu generieren. Sportchef Frank Baumann rechnet noch mit „15 bis 20 Transfers“. „Erst Wiederaufbau, dann Wiederaufstieg“, hatte Coach ­Anfang während des Trainingslagers in Österreich auch vor diesem Hintergrund ausgegeben. Nichtsdestotrotz gibt er den Fans der Grün-Weißen Anlass zur Hoffnung. „Der Verein, das Umfeld und besonders die Spieler müssen die Zweite Liga annehmen“, betont der 46-Jährige. Dass er weiß, „wie Zweite Liga geht“, das hat er bereits bewiesen. Schließlich hat er den 1. FC Köln und Holstein Kiel fast zurück ins Oberhaus geführt und dabei jede Menge Erfahrung gesammelt, die bei der neuen Mission ein gewichtiges Pfund sein dürfte, mit dem sich wuchern lässt.

Führt Werder Bremen in der kommenden Saison als Kapitän aufs Feld: Abwehrspieler Ömer Toprak. Foto: Tom Weller/dpa

Die Mitspieler haben gewählt: Ömer Toprak beerbt Niklas Moisander in der Rolle des Kapitäns.

Foto: Tom Weller/dpa

Dennoch wird es ein schwieriges Unterfangen werden. Die Konkurrenz ist den Bremern in Sachen Vorbereitung ein ordentliches Stück voraus, zahlreiche Vereine haben ihre Stammelf bereits zusammen und befinden sich in der Feinabstimmung – bei Werder Bremen hingegen ist mit Müh und Not gerade ein erstes, noch ziemlich fragiles Gerüst zu erkennen.

Zwar zählen verschiedene Experten die Bremer zu den Mitfavoriten in Sachen Aufstieg. Doch Anfang mahnt, fordert Realismus und drückt auf die Euphoriebremse: „Wir müssen uns jetzt erst mal einen konkurrenzfähigen Kader zusammenbauen“, sagt er. „Mein Ziel ist es natürlich, attraktiven und offensiven Fußball zu spielen, aber dafür brauchen wir vermutlich noch etwas Zeit.“

„Sehr positive Stimmung“

Und das entsprechende Personal natürlich. Im derzeitigen Kader mit seinen (noch) 35 Spielern herrsche eine „sehr positive Stimmung“, versichern sämtliche Beteiligte. Alle seien „hoch motiviert und ziehen komplett mit“, zog auch Trainer Anfang nach den letzten Testspielen gegen den niederländischen Erstligisten Feyernoord Rotterdam ein positives Fazit. Eine gelungene Generalprobe zieht allerdings nicht zwingend einen erfolgreichen Start in die neue Spielzeit nach sich, obgleich es ebendiesen bräuchte, um Optimismus innerhalb des Teams und dessen Umfeld zu verbreiten. Zudem gilt es, die vielen kritischen Fans von Anfang ins Boot zu bekommen.

So spricht der Trainer von einer großen Herausforderung, während Sportchef Baumann versichert, aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben. Erste Weichen zur Veränderung der Führungsriege sind ebenfalls gestellt. Clemens Fritz etwa wird in der neuen Spielzeit enger eingebunden. Neben einem komplett neuen Trainer- und Betreuerstab hat es darüber hinaus im medizinischen Bereich zahlreiche Veränderungen gegeben. Nun sind Kreativität, Weitsicht und Geduld gefordert.

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Nick Woltemade zeigt das neue Heimtrikot.

Foto: Werder Bremen

Mit wenig Geld müssen zielführend Spieler ge- und verkauft werden, überstürzter Aktionismus ist dabei wenig förderlich, kreative Lösungen sind gefordert. Sportchef Baumann muss ein glückliches Händchen und ein gutes Gespür für die richtigen Kicker beweisen, mit denen der neue Trainer schließlich nach Möglichkeit jede Position doppelt und möglichst gleichwertig besetzen sollte.

Eine gesunde Mischung aus erfahrenen Recken und erfolgshungrigen jungen Spielern wird dabei ein wesentliches Element sein, welches derzeit allerdings nur schwer in den Griff zu bekommen sein dürfte, weil Anfang, Baumann und Co. schlicht die Zeit fehlt, bis zum Saisonstart am kommenden Sonnabend eine Startelf mit Perspektive auf Kontinuität im Weserstadion auflaufen zu lassen.

„Jetzt erst recht“

Wichtig ist deshalb vor allen Dingen, sich von Anfang an als geschlossene Einheit zu präsentieren und den Kampf vom ersten Augenblick an anzunehmen. „Wir müssen über den Kampf ins Spiel finden“, kann und darf die Devise deshalb nur lauten – allein mit Schönspielerei ist noch keine Mannschaft aufgestiegen. Die Zuversicht, die rund um das Weserstadion verbreitet wird, gibt zweifelsohne Anlass zur Hoffnung, dass Markus Anfang seine Mission mit Erfolg angeht, allen Unkenrufen zum Trotz mit der Devise „Jetzt erst recht“. Der direkte Wiederaufstieg wäre schließlich nicht das erste „Wunder von der Weser“ – und ein bisschen davon braucht es am Ende, um sich aus dem Unterhaus zu befreien.

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