Trainer Björn Reschke hat das Saisonziel des Bremen-Liga-Neulings schon zweimal nach oben korrigiert 1. FC Burg - die Überraschungsmannschaft

Burg. Zwei Zielkorrekturen nahm Trainer Björn Reschke in dieser Spielzeit, in der 22 von insgesamt 30 Partien in der Fußball-Bremen-Liga absolviert sind, bereits vor. Korrekturen nach oben wohlgemerkt. Denn der 1. FC Burg ist die Überraschungsmannschaft der Saison und hat sich vom Abstiegskandidaten zum Bewerber für das obere Tabellendrittel im Abschlussklassement gemausert.
01.04.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jens Pillnick

Burg. Zwei Zielkorrekturen nahm Trainer Björn Reschke in dieser Spielzeit, in der 22 von insgesamt 30 Partien in der Fußball-Bremen-Liga absolviert sind, bereits vor. Korrekturen nach oben wohlgemerkt. Denn der 1. FC Burg ist die Überraschungsmannschaft der Saison und hat sich vom Abstiegskandidaten zum Bewerber für das obere Tabellendrittel im Abschlussklassement gemausert.

Aktuell ist der Aufsteiger Bremen-Liga-Fünfter und darf sich als beste Rückrundenmannschaft bezeichnen. "Das erste Ziel war der Nicht-Abstieg, das zweite ein einstelliger Tabellenplatz, jetzt ist Rang sieben Pflicht", beschreibt Trainer Björn Reschke den Saisonverlauf, der sich so unerwartet positiv entwickelt hat. Und das, weil sich die Mannschaft entscheidend weiterentwicklelt hat.

"Im Gegensatz zur letzten Landesliga-Saison haben wir taktisch einen Meilenstein nach vorne gemacht", weiß Reschke und freut sich darüber, dass das defensive 4/5/1-System genauso verinnerlicht ist wie das in Ballbesitz praktizierte 4/3/3-System. Ein System, dass im Falle des 1. FC Burg nur Sieger oder Verlierer kennt. Burg ist nämlich die einzige Bremen-Liga-Mannschaft, die in 22 Partien nie unentschieden spielte. Den acht Niederlagen stehen 14 Siege gegenüber - unter dem Strich 42 Punkte, die Burg auf den sensationellen fünften Rang katapultierten. "Wenn man in der Endphase der Saison wie im Vorjahr taktisch spielen muss, dann kann ein Punkt schon mal Gold wert sein. Ansonsten bringen Unenschieden nichts", geht Björn Reschke lieber generell aufs Ganze. "Wenn es in der zweiten Halbzeit unentschieden stand, habe ich immer dann, wenn es nicht gegen die ganz starken Mannschaften ging, einen weiteren Stürmer gebracht. Und wir haben kein Spiel verloren, wenn wir aufgemacht haben", blickt

A-Lizenz-Inhaber Björn Reschke, der längst beim 1. FC Burg verlängert hat, zurück.

Ein Blick in die Bilanz verrät, wie eng beieinander die oft erreichten drei Punkte oder das nie gespielte Remis lagen. Gleich in acht Spielen siegte Burg mit einem Tor Differenz. Die Niederlagen wiederum fielen vergleichsweise hoch aus: da verlor Burg nur einmal mit einem Tor Unterschied (2:3 gegen SAV), ansonsten war über ein 2:5 gegen Blumenthal, ein 0:5 gegen Brinkum und ein 1:12 gegen den Bremer SV alles dabei. So lässt sich auch das für einen Tabellenfünften doch recht merkwürdig erscheinende Torverhältnis von 52:55 erklären.

Die famose Abschneiden lässt sich aber nicht nur an der taktischen Weiterentwicklung und an Siegen in engen Spielen festmachen, sondern auch an Personen. "Wir haben eine gute Mischung in der Alters- und Charakterstruktur und in jedem Mannschaftsteil Leistungsträger", beschreibt Björn Reschke das Geheimnis des Erfolges weiter. Im Tor steht der erfahrene Sascha Steinbusch, die Abwehr organisiert ein junger, aber bereits kaum ersetzbarer Andy Boachie, im Mittelfeld hat sich der elffache Torschütze Denis Schumann zu einer festen Größe entwickelt und in vorderster Linie ackert und trifft Ercan Yilmaz. Gar nicht in einen festen Mannschaftsteil hingegen ist der seit Jahren immens wertvolle Manfred Klein einzustufen. Den Mittdreißiger, der als Jungspund schon auf dem alten Schlackeplatz an Smidts Park Tore wie am Fließband erzielte, bezeichnet Trainer Björn Reschke nicht nur als Allrounder, sondern als "das Phänomen".

Aber nicht nur diese Säulen machen den Erfolg aus - der 1. FC Burg präsentiert sich als Mannschaft. Und nur als Mannschaft ließ sich auch der Verlust von Leistungsträger und Mannschaftskapitän Mirco Boltjes (Kreuzbandriss) halbwegs kompensieren. "Ein Charakterspieler, den wir brauchen. Er kann die Mannschaft antreiben", sehnt Björn Reschke trotz des Erfolges die Rückkehr von Mirco Boltjes herbei.

Einer, der mit dem 1. FC Burg ins Rampenlicht zurückgekehrt ist, ist Mirko Heyne. Es scheint, als würde der 31-jährige Defensivspezialist bereits seinen x-ten Fußball-Frühling erleben. Mit einem Lächeln im Gesicht spricht er "von den schönsten und sportlich erfolgreichsten Zeiten, die ich mit Burg erlebt habe". Und er hat in seinen zwölf Herrenjahren gewiss schon einiges erlebt. So die Aufstiege bis in die damalige Verbandsliga und den folgenden Abstieg. Damals hatten die Burger auch schon mal mit Geldscheinen gewedelt und der Mannschaft mit externen Zugängen mehr Format verpassen wollen. Diesen fehlgeschlagenen Weg ging der 1. FC Burg nach dem Aufstieg 2010 nicht. "Wir sind praktisch zuammengeblieben, und keiner bekommt hier einen Euro. Das zahlt sich aus", erklärt Mirko Heyne, der sich mittlerweile als Nummer zwölf oder 13 sieht, und auf diese Art und Weise schon zu knapp 20 Einsätzen kam. Er betrachtet sich aber nicht nur als Ergänzungsspieler, der den anderen die Einsatzzeiten

gönnt, sondern auch als väterlicher Freund für die jungen Spieler, Stimmungskanone und rechte Hand des Trainers. Den bisherigen Saisonverlauf bezeichnet er als "absoluten Traum" und ist sich sicher, dass alle Burger stolz auf diese Mannschaft sind. Mirko Heyne weiter: "Klasse, dass der kleine 1. FC Burg unter den Großen der Liga mitmischt."

Doch das Hoch 2010/11 lässt die Ansprüche für die kommende Saison natürlich wachsen. "Wir wollen uns stabilisieren, verstärken und verbessern, um eventuell wieder dort zu stehen, wo wir jetzt sind", blickt Björn Reschke, der sich personell auf einem gutem Weg sieht ("Die meisten Zusagen habe ich") voraus, hält aber auch einen Rückschritt im zweiten Bremen-Liga-Jahr für absolut legitim: "Man muss es uns aber auch gönnen, dass wir erstmal wieder um den Klassenerhalt spielen."

Zurück in die laufende Saison: Da hat der 1. FC Burg schon seit Monaten nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun und befindet sich im Fahrwasser der Spitzengruppe. Werder III und der OSC Bremerhaven scheinen bei acht beziehungsweise sieben Punkten Vorsprung unantastbar. Aber sind der Bremer SV und die SAV noch einholbar? "Vielleicht können wir ja noch einen Platz hochrücken. Alles, was noch besser als die Top 5 ist, wäre genial", meint Björn Reschke vor dem Heimspiel gegen den Habenhauser FV am morgigen Sonnabend um 15.30 Uhr im Sportpark Grambke.

Als dritte Korrektur des Saisonziels soll das ganz vorsichtig ins Auge gefasste Vorrücken ins Spitzenquartett allerdings keinesfalls verstanden werden.

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