Meine Woche 1980 soll sich nicht wiederholen

Kirsten Janik, die den SV Grambke-Oslebshausen II in der Handball-Bremenliga der Frauen trainiert, berichtet darüber, was sie in den vergangenen sieben Tagen erlebt hat und was sie bewegt hat.
10.03.2020, 15:01
Lesedauer: 5 Min
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Von ohne

Mittwoch, 4. März: Gestern wurde meine Tochter Amelie 20 Jahre alt. Zur Feier des Tages sind wir – also Oma Jutta, Amelies Freund Basti, Sebastian Meyer und ich – im El Mundo in der Bremer Überseestadt lecker essen gegangen. Für Sonnabend haben wir die Familie zum Frühstücken im „Bruns Garten“ in Schwanewede eingeladen. Dabei wollen wir den Geburtstag sowie eine kleine Abschiedsfeier gemeinsam feiern. Amelie und Basti werden nämlich bald eine längere Reise nach Südostasien unternehmen. Ihre Ziele heißen Thailand, Malaysia, Singapur und Bali. So sehr ich mich für die beiden auch freue, bin ich auch etwas angespannt. Zum einen mache ich mir natürlich Gedanken wegen des Coronavirus, zum anderen darüber, wie es mir wohl dabei ergeht, so lange Zeit ohne mein kleines Familienrudel zu sein. Am Abend schauen Basti, Amelie und ich uns dann noch Werders Pokalniederlage bei Eintracht Frankfurt an. Leider läuft es bei Bremen in dieser Saison sehr schlecht. Und natürlich mache ich mir große Sorgen, dass Werder erneut wie 1980 absteigt. Damals war ich im Weserstadion und kann mich noch gut daran erinnern, wie einige Werder-Fans am vorletzten Spieltag nach einer 0:5-Schlappe gegen den 1. FC Köln ihre Schals verbrannt haben.

Donnerstag, 5. März: Wie jeden Morgen breche ich so gegen 8 Uhr von meinem Wohnort Schwanewede zur Arbeit auf. Mein Fahrweg zur Dienststelle beim Senator für Inneres ist ziemlich nervig. Jeden Morgen muss ich durch das Nadelöhr an der Lesum-Brücke und anschließend noch die Baustelle auf der Hochstraße am Breitenweg passieren. Um den Stau so einigermaßen zu umgehen, bleibt es nur, ganz früh – was nichts für mich ist - oder eben erst nach 8 Uhr zu starten. Am Abend hat meine Mannschaft Training. Unterstützt werde ich hierbei von meinen beiden Co-Trainerinnen Britta Fislage und Ilka Zachow. Leider haben wir zurzeit sehr viele Ausfälle zu beklagen. Die Gründe sind sehr vielfältig. Von freudigen Ereignissen wie Schwangerschaften über grippale Infekte bis hin zu langwierigen Verletzungen ist alles dabei. Aktuell liegen unsere Trainingsschwerpunkte auf einem verbesserten Abwehrverhalten sowie der Entwicklung weiterer Handlungsfelder im Angriff. Zudem sind die Planungen für unser Punktspiel am Wochenende voll im Gange.

Freitag, 6. März: Ich gönne mir nach der Arbeit eine kleine Auszeit. Regelmäßig gehe ich ins Kosmetikstudio „Cosmetic & More“. Heute steht Fußpflege auf dem Programm. Danach widme ich mich einem meiner Lieblingshobbys, dem Kicker-Managerspiel Pro. Das heißt, für mich zu checken, ob alle Spieler meines Teams fit sind. Und anschließend muss ich mich entscheiden, wen ich fürs Wochenende aufstelle. Veränderungen innerhalb des Teams sind nach Anpfiff des ersten Spiels, Paderborn gegen Köln, nicht mehr möglich. In dieser Saison spielen wir zu neunt in unserer Liga. Und der Kampf ums Treppchen ist gerade sehr spannend.

Sonnabend, 7. März: Am Vormittag steht die große Familienfeier in „Bruns Garten“ an. Nach einem kleinen Empfang wird ein leckeres und toll angerichtetes „Drei-Gänge-Frühstück" serviert. Wir verbringen im Kreise der Familie sehr angenehme Stunden und genießen ein tolles Ambiente im Wintergarten. Familie hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Am wichtigsten sind mir dabei meine Kinder. Mein Sohn Finn lebt schon seit einer Weile mit seiner Freundin Svantje Wedeken zusammen. Neustes Familienmitglied bei ihnen ist Dillon, ein supersüßer sibirischer Husky. Meine Tochter Amelie befindet sich nach ihrem Abitur in einer Phase der Orientierung. Sofern alles klappt, wird sie im Herbst ein Studium beginnen. Auf jeden Fall beobachte ich, dass es Amelie und ihrem Freund Basti sehr schwerfällt, sich „richtig“ zu entscheiden. Dabei stellt sich mir die Frage, ob die Vielfalt an Ausbildungsmöglichkeiten hilfreich ist.

Sonntag, 8. März: An diesem Sonntag wird der Sport bei uns großgeschrieben. Es stehen bei Basti, Amelie und mir Punktspiele an. Basti spielt in der ersten Herren des FC Hansa Schwanewede in der Bezirksliga 3 Fußball. Sein Team unterliegt leider dem SV Ippensen mit 2:3. Amelies Leidenschaft für den Handball wurde ihr wohl in die Wiege gelegt. Mit sechs Jahren fing sie bei der HSG Schwanewede/Neuenkirchen bei den Minis an und wechselte in der B-Jugend zum TuS Komet Arsten. Zu Beginn dieser Saison ist sie zu ihrem Heimatverein ins erste Damenteam zurückgekehrt. Ein Wechsel zu meiner Formation kam für Amelie nicht in Frage. Vormittags bin ich schon ein bisschen aufgeregt. Meine Damen spielen schließlich gleich gegen das Schlusslicht HC Bremen II. Nach der Niederlage im Hinspiel wollen wir uns unbedingt revanchieren. Schließlich gelingt uns dies auch mit einem 22:15-Sieg. Ich freue mich über zwei eminent wichtige Punkte im Abstiegskampf. Abends gehe ich mit meiner Freundin Andrea Kislich ins Kino. Auf dem Programm steht der Film „Die Befreiung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit“, der im Rahmen einer Veranstaltung zum internationalen Weltfrauentag aufgeführt wird. Trotz „Happy End“ verdeutlicht der Film, warum auch im Jahr 2020 der Weltfrauentag nach wir vor eine immense Bedeutung hat. Auch aktuell arbeiten Frauen vermehrt in Teilzeit, übernehmen den Großteil der Kindererziehung und wehren sich zu selten dagegen, dass in klassischen Frauenberufen die Verdienstmöglichkeiten deutlich geringer sind.

Montag, 9. März: Ein Highlight des Montags sind die Kicker-Noten für den abgelaufenen Bundesligaspieltag. Anhand derer werden Punkte im Managerspiel vergeben. An diesem Spieltag holte mein Team Platz zwei in der Gesamtwertung unserer Liga. Kai Havertz und Mark Uth heißen meine Punktegaranten. Sogar Platz eins wäre drin gewesen, wenn ich statt Werders Leonardo Bittencourt doch besser Hoffenheims Christoph Baumgartner aufgestellt hätte. Mein Papa, Herbert Hocke, war begeisterter Fußballer. Wir schauten schon früh gemeinsam die Sportschau sowie Spiele der Nationalmannschaft. Ja, es gab Zeiten, in denen alle Bundesligaspiele im öffentlichen Fernsehen sonnabends bereits ab 18 Uhr gezeigt wurden. Werder Bremen wurde schnell zu meinem Lieblingsverein. Unterbrochen wurde diese langjährige Fanbeziehung nur kurzzeitig, als sich der schöne Hansi Müller vom VfB Stuttgart in mein Herz einnistete.

Dienstag, 10. März: Nach der Arbeit fahre ich ins Reisebüro „Actuell Reisen“. Dort unterstütze ich die Geschäftsführung bei der Buchhaltung. Hierbei helfen mir meine jahrelangen Kenntnisse aus dem Rechnungswesen sowie meine Qualifikation zur Bilanzbuchhalterin. Abends schaue ich mir die Champions-League-Konferenz an. Ich bin vorher ganz gespannt, ob Leipzig auch im Rückspiel gegen Tottenham eine so gute Leistung zeigt und den Einzug ins Viertelfinale schafft. Logischerweise drücke ich auch den anderen deutschen Mannschaften im europäischen Wettbewerb die Daumen, selbst den Bayern. KH

Thorsten Hennecke, Trainer der U11-Fußball-Junioren des Blumenthaler SV, wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Kirsten Janik (52)

ist Trainerin bei den Handballerinnen des SV Grambke-Oslebshausen II. Die geschiedene Übungsleiterin hat zwei Kinder, Finn (22) und Amelie (20). Beschäftigt ist sie beim Senator für Inneres. Dort arbeitet Janik in der zentralen Innenrevision als Sachbearbeiterin. KH

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