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Die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst tanzt auch in der Bezirksliga

Die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst feiert einen klaren Triumph über den SV Heiligenfelde. Der Aufsteiger sorgt damit für die erste Überraschung der Saison.
06.09.2020, 09:12
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup
Die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst tanzt auch in der Bezirksliga

Gleich viermal jubelte die TSG gegen Heiligenfelde. Das hatte wohl kaum jemand erwartet.

Thorin Mentrup

Seckenhausen. Jermaine Greene kennen sie bei der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst nur zu gut, schließlich ist er stellvertretender Leiter der Fußballsparte. Wer ihm persönlich noch nicht begegnet ist, aber dem Sportplatz der TSG bereits einen Besuch abgestattet hat, der wird zumindest seine Stimme schon gehört haben. Die ertönt immer dann, wenn die erste Herrenmannschaft trifft.

„Ich will dich tanzen sehen, komm, lass uns tanzen gehen“, heißt es in der Torhymne von Greenes Band Konfeddi. Das passte schon in der von der TSG dominierten Kreisliga perfekt – und nun auch in der Bezirksliga. Denn nach Tanzen war den Seckenhausern nach dem 4:0 (1:0) über den SV Heiligenfelde allemal zumute – und das nicht nur, weil das Team nach dem Coup ins Restaurant Troja weiterzog und Trainer Iman Bi-Ria die erste Runde spendierte, sondern vor allem wegen eines ganz starken Auftritts.

„Es war eine überragende Leistung“, brachte es Nico Kiesewetter auf den Punkt. Es war vor allem die Art und Weise, mit der sie einen der Favoriten auf einen Platz in der Aufstiegsrunde bezwangen, die die Gastgeber begeisterte. Sie zermürbten den SVH regelrecht mit ihrer galligen und bissigen Spielweise, gepaart mit fußballerischer Klasse.

Kiesewetter im Zentrum

Ein Mosaikstein von Bi-Rias Taktik war der Schachzug, Kiesewetter im Mittelfeldzentrum an der Seite von Philipp Eggers aufzubieten. „Wir haben darüber gesprochen, dass ich das vor ein paar Jahren mal gemacht habe. Aber dass es dann so kommt, und dann noch gegen Heiligenfelde, hatte ich nicht erwartet“, gab Kiesewetter zu. Dabei erfüllte er das, was sich sein Trainer von ihm erhoffte, voll und ganz: „Nico passt mit seiner Präsenz, seiner Größe und seinem Auge für die Mitspieler sehr gut ins Zentrum. Das hat er sehr gut eingebracht und ein tolles Spiel gemacht“, lobte Bi-Ria.

Dass es sich die TSG leisten kann, den torgefährlichen 25-Jährigen im Mittelfeld aufzubieten, liegt daran, dass Bi-Ria offensiv zahlreiche Möglichkeiten hat. Gegen Heiligenfelde wirbelten dort Sandro Wittig, Jannis Helmbold, Marcel Dörgeloh und Sidarta Howard Barbosa Ferreira. Einzig der Brasilianer traf nicht, war aber dennoch ein Schlüssel zum Sieg: Er lief unermüdlich Maximilian Wirth an, über den die Gäste ihr Spiel aufbauen wollten. So störten die Seckenhauser den SVH gleich in der Eröffnung empfindlich.

Heiligenfelde fand keine Lösungen, konnte seine fußballerische Klasse kaum einmal zeigen. Allzu schnell war die TSG zur Stelle, unterband Kombinationen robust und konsequent. Das schmeckte den Gästen nicht. Hatten sie im ersten Durchgang durch Lars Diedrichs noch gute Abschlüsse, kam nach der Pause offensiv kaum noch etwas. „Man darf nicht vergessen, dass Heiligenfelde viele angeschlagene Spieler hat“, nahm Kiesewetter den durchaus gebeutelten Gegner in Schutz.

Trotzdem machte Mustafa Cali, der in Abwesenheit des erkrankten Torben Budelmann allein Regie führte, keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. Die sei riesengroß, sagte er. Der Gästetrainer hatte sich seine Pflichtspielpremiere ganz anders vorgestellt. Er hatte aber dasselbe wie die 220 Zuschauer gesehen: „Seckenhausen hat uns den Schneid abgekauft. Wir sind nie richtig ins Spiel gekommen.“ Dann reiche es nicht gegen „eine Top-Truppe“.

Calis Gegenüber Bi-Ria erlebte dagegen ein Pflichtspieldebüt wie gemalt. „Besser hätte ich mir das nicht vorstellen können“, sagte der 36-Jährige. Die Anspannung sei sehr groß gewesen, gab er zu. Sein Team hätte ihn im Spiel etwas früher beruhigen können, doch Philip Kleingärtner verschoss bereits in der Anfangsphase einen Handelfmeter. Spuren hinterließ das nicht. Voller Selbstvertrauen agierten die Gastgeber und verdienten sich die Führung durch Wittig nach Dörgeloh-Zuspiel (39.). Helmbold sorgte kurz nach der Pause für die Vorentscheidung (54.). Dörgeloh machte nach Ferreira-Kopfballverlängerung alles klar (70.), ehe Sebastian Kirchner nach einer Ecke den Endstand herstellte (82.). „Ich bin einfach nur glücklich, dass wir auf so beeindruckende Art und Weise gewonnen haben“, sagte Bi-Ria stolz und blickte dann voraus auf das Derby am Dienstag: „Der Sieg bringt uns nur etwas, wenn wir gegen Stuhr nachlegen.“

Ähnlich sah das übrigens Jermaine Greene. „Wir halten den Ball flach“, verbot er sich Höhenflüge. Zumindest bis Dienstag. Dann will er auch seine Stimme wieder aus den Lautsprechern hören.

Weitere Informationen

TSG Seckenhausen-F. - SV Heiligenfelde 4:0 (1:0)

TSG Seckenhausen-Fahrenhorst: Lutterklas – Dahlheuser, Kleingärtner, Kirchner, Deveci (83. Hoffmann), N. Kiesewetter, Eggers, Helmbold, Dörgeloh (80. Vatansever), Wittig (64. Butt), Barbosa Ferreira

SV Heiligenfelde: Wachtendorf – T. Godesberg (65. Weseloh), Wirth, Isensee, Meiners, T. Godesberg, Dickmann, Lieker (46. Marquardt), Hansen, Diedrichs (80. Vurgun), Schütte (57. Brandhoff)

Tore: 1:0 Sandro Wittig (39.), 2:0 Jannis Helmbold (54.), 3:0 Marcel Dörgeloh (70.), 4:0 Sebastian Kirchner (82.)

Bes. Vorkommnis: Jörn Wachtendorf pariert Handelfmeter von Philip Kleingärtner (9.) THR

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