US-Basketballer erzielt 40 Punkte Davis macht den Unterschied

Nach einem familiären Schicksalsschlag führt der Amerikaner die Eisbären mit 40 Punkten zu einem 85:82-Sieg in Rostock. Jetzt ein Heimspiel gegen Trier.
31.01.2021, 19:33
Lesedauer: 2 Min
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Davis macht den Unterschied
Von Mathias Sonnenberg

Es dauert einige Minuten, bis Spieler und Trainer ihre Emotionen wieder im Griff hatten. Michael Mai, der Coach der Eisbären Bremerhaven, schickte sein Team in die äußerste Ecke der Rostocker Stadthalle. Dort standen sie nun, die Bremerhavener Basketballer, und freuten sich nach einer aufwühlenden letzten Spielminute, die mit einem 85:82 (14:21, 16:20, 29:19, 26:22) endete. Wenige Sekunden nach der Schlusssirene standen sich die Spieler beider Mannschaften gegenüber, es wurden keine Nettigkeiten ausgetauscht. Und Mai hatte alle Mühe, seiner Sieger zu beruhigen. Es war das hitzige Ende eines Basketballspiels, in dem die Rostocker als Spitzenreiter lange wie der Sieger aussahen, bevor die Eisbären im zweiten Abschnitt die Partie kippten.

Zu verdanken hatten sie das einem Trey Davis, der mit 40 Punkten der überragende Spieler an diesem Nachmittag an der Ostseeküste war. Ein Spieler, der in der vergangenen Woche durch einen familiären Schicksalsschlag ziemlich aus der Bahn geworfen wurde. Nils Ruttmann, der Eisbären-Geschäftsführer, berichtete nach dem Spiel von einem Todesfall, der sich in Davis' Familie in den USA ereignet habe. „Es hat in seiner Familie offenbar ein Gewaltverbrechen gegeben“, erklärte Ruttmann. Der Bruder von Trey Davis sei im US-Bundesstaat Texas bei einem Schusswechsel ums Leben gekommen. Genaueres konnte Ruttmann zunächst nicht sagen, der Klub habe sich seit Tagen um Davis gekümmert. Auch die Mannschaft habe von dem Vorfall erfahren. „Aber es war der ausdrückliche Wunsch von Trey, trotzdem mit nach Rostock zu fahren und zu spielen“, meinte Ruttmann. Vor dem Heimspiel am kommenden Mittwoch gegen Trier wolle der Klub vor dem Anpfiff nach Rücksprache mit dem Liga-Verband eine Trauerminute abhalten.

Auf dem Parkett war Davis nicht anzumerken, unter welch großer emotionaler Anspannung er womöglich stand. Der Amerikaner war es auch, der in den letzten Sekunden des Spiels die Nerven bei den Freiwürfen behielt und den Eisbären damit den Sieg sicherte. Auf dem Weg zu den Freiwürfen kam es zu einem Wortgefecht mit Rostock-Coach Dirk Bauermann, geahndet mit einem technischen Foul. Und wohl auch der Grund, warum sich beide Teams nach dem Abpfiff an die Wäsche gehen wollten. „Es war eben ziemlich emotional“, fand Ruttmann und lobte seine Spieler, dass sie ihre Gefühle dann schnell wieder in den Griff bekamen.

Für die Bremerhavener brachte die Partie beim Spitzenreiter wichtige Erkenntnisse. „Es steckt sehr viel positive Energie in dieser Mannschaft“, findet Ruttmann. Zeitweise lagen die Eisbären in Rostock mit 16 Punkten im Hintertreffen, nicht viel deutete bis zur Halbzeit daraufhin, dass die Gäste am Ende das Spiel gewinnen würden. Aber was in den letzten beiden Vierteln passierte, beschrieb Ruttmann als eine „ganz andere Intensität“. Die Eisbären gerieten in einen echten Lauf, insgesamt warfen sie sieben Dreier in Folge und holten gegen mehr und mehr passive Rostocker Punkt um Punkt auf.

Dass es am Ende dann einen wichtigen Auswärtssieg gab, zeigt auch: Diese Mannschaft kann einige Rückschläge wegstecken. Neun Auswärtsspiele in Folge musste das Team jetzt bestreiten, Corona hatte den Spielplan ziemlich durcheinander gewirbelt. Einige Spiele wurden knapp verloren, insgesamt gab es fünf Siege und vier Niederlagen. Jetzt endlich können die Eisbären am Mittwoch wieder in Bremerhaven spielen. Ruttmann weiß, was das bedeutet: „Jetzt kann die Saison so richtig losgehen.“ Sein Team scheint jedenfalls in Form zu sein.

Eisbären Bremerhaven: Braun (3), Möller (nicht eingesetzt), Pölking (0), Kindzeka (0), Heiken (nicht eingesetzt), Bohannon (2), Ugrai (14), Friederici (13), Heckel (3), Moore (8), Yebo (2), Davis (40).

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