Hallenkreismeisterschaft Abdin schreibt ein Stück Geschichte

Das Finale zwischen Tur Abdin und dem SV Atlas wurde erst in der Verlängerung des Sechsmeterschießens entschieden. Der Sieger überraschte, schließlich wies er am Ende eine negative Torbilanz auf.
14.01.2018, 21:31
Lesedauer: 4 Min
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Von Ralf Kilian

Der SV Tur Abdin hat sich als erster Futsal-Titelträger aller Vereine im Kreis in die Geschichtsbücher eingetragen. Dank einer kontinuierlichen Steigerung im Turnierverlauf errang der Bezirksligist den Sieg mit einem 6:5 (1:1)-Erfolg nach Sechsmeterschießen gegen den favorisierten Oberligisten SV Atlas. Nachdem schon fast alle Feldspieler geschossen hatten, scheiterte Atlas-Keeper Florian Urbainski mit dem letzten Schuss an seinem Gegenüber Ehsani Tabar im Abdin-Tor. Da tröstete es Urbainski nicht, dass er als bester Torwart des Turniers ausgezeichnet wurde.

Das Kuriose am Abdin-Triumph war die Tatsache, dass man ihn mit negativem Torverhältnis am Finaltag einfuhr. Zum Auftakt am Sonntagmorgen schluckte der spätere Sieger im zweiten Turnierspiel gleich mal eine 0:6-Packung gegen Wildeshausen. „Da habe ich wirklich schwarz gesehen“, kommentierte Matthias Demir, der in Abwesenheit von Cheftrainer Christian Kaya den Bezirksligisten zusammen mit Isa Tezel betreute, den Fehlstart. „Doch dann haben wir gegen Hude und Harpstedt die Spiele gedreht und im Halbfinale gegen Stenum eine super Leistung abgeliefert. Auch im Endspiel gegen Atlas haben wir sehr konzentriert agiert.“ Sein Gegenüber Steven Herrmann war dagegen geknickt: „Dass so ein Finale im Sechsmeterschießen entschieden wird, ist immer etwas unglücklich. Die Jungs haben ein geiles Turnier gespielt mit nur zwei Gegentoren, ich hätte ihnen den Sieg wirklich gegönnt.“

Allerdings präsentierte sich Abdin im Endspiel auf Augenhöhe. Nachdem Marco Prießner zunächst für Atlas den Pfosten getroffen hatte, zirkelte Can Blümel den Ball nach einer Abwehraktion von Urbainski ins leere Tor. Andreas Lorer hätte bei seinem Lattentreffer sogar noch auf 2:0 stellen können. Doch Atlas-Youngster Thade Hein traf nach Vorarbeit von Lukas Matta zum verdienten 1:1. Im Entscheidungsschießen – beim Futsal wird aus sechs Metern abgezogen – vergab Hein jedoch den ersten Schuss. Nach Treffern von Johannes Artan und Blümel bei einem Gegentor von Prießner hatte Daniel Karli den Turniersieg auf dem Fuß. Der reaktionsschnelle Urbainski parierte jedoch, und Matta erzielte den Ausgleich. So ging auch das Entscheidungsschießen in die Verlängerung – mit Erfolgen von Philipp Immerthal und Emiliano Mjeshtri für Atlas sowie Lukas Mutlu, Lorer und Aho Hanno auf Abdin-Seite. Zum siebten Sechsmeter für Atlas trat Urbainski an und avancierte zum tragischen Helden.

Denn in den Gruppenspielen der Zwischenrunde hatte „Benno“ (Urbainskis Spitzname) seinen Kasten komplett sauber gehalten. Mit einem knappen 1:0 gegen Stenum kam Atlas gut in den Finaltag und ließ auch Ganderkesee (3:0), Wardenburg (2:0) und Dötlingen (4:0 – drei Treffer in der Schlussminute) keine Chance. Der VfL Stenum sicherte sich frühzeitig den zweiten Halbfinalplatz, glänzte insbesondere beim 6:1 gegen Wardenburg. „Da haben wir ein Tor über ganz viele One-Touch-Stationen gehabt, das könnte man als Lehrvideo zeigen“, war VfL-Trainer Thomas Baake hinterher stolz auf sein Team. Auch gegen Dötlingen (2:1) und Ganderkesee (3:1) gelangen Dreier, nur der Tabellendritte TV Dötlingen mit dem guten Hallenfußballer Johann Hannink hielt ansatzweise mit.

Da war die Gruppe B deutlich spannender: Hier gab es auch das einzige hitzige Spiel des Turniers zwischen Abdin und Hude – auf dem Weg zur Kabine tauschte man noch einige deutliche Worte aus. Der 2:1-Erfolg der Delmenhorster gegen den Kreisliga-Herbstmeister war vielleicht der Schlüssel zur späteren Steigerung. Karli und Blümel drehten den Rückstand mit zwei Zehnmeter-Freistößen. Kurz darauf gewann Baris mit blitzschnellem Konterfußball ebenfalls nach Rückstand noch mit 3:1 gegen Wildeshausen. Den Schlusspunkt setzte Fynn Birke mit einem Treffer ins leere VfL-Tor. Wie Wildeshausen setzten auch viele andere Mannschaften bei Rückständen in der Schlussphase auf den fliegenden Torwart, allerdings mit mäßigem Erfolg.

Abdin stand nach dem 2:1 gegen Harpstedt mit 5:8 Toren als Gruppensieger fest, Wildeshausen brauchte die Schützenhilfe des Titelverteidigers aus Harpstedt. „Es kotzt mich an, dass meine Jungs erst im letzten Spiel das gemacht haben, was ich fordere“, kommentierte HTB-Coach Jörg Peuker das überzeugend herauskombinierte 2:0 gegen Baris. „Wir hatten vorher zwei super Spiele, doch da sind wir mit dem Druck nicht klargekommen“, bewertete Baris-Trainer Önder Caki das Aus.

Im Halbfinale gegen Atlas geriet der VfL Wildeshausen nach einer Großchance von Maxi Seidel, der zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, durch Thade Hein nach Querpass von Immerthal in Rückstand, doch Timo Höfken konnte ausgleichen. 28 Sekunden vor der Schlusssirene lochte Immerthal nach einem Freistoß von Oliver Rauh zum 2:1 für Atlas ein. Abdins 2:1 gegen Stenum fiel ähnlich spät, nachdem Fynn Dohrmann zunächst den Rückstand durch Lorer egalisieren konnte. Blümel verwandelte 42 Sekunden vor dem Ende den nächsten Zehnmeter. „Wir hatten ziemlich früh drei Fouls. Zum Schluss ist uns dann noch das vierte unterlaufen, das den entscheidenden Zehnmeter zur Folge hatte. Trotzdem bin ich zufrieden mit unserer Leistung“, erklärte Thomas Baake.

Ähnlich begeistert war Kreisvorstand Erich Meenken bei der Siegerehrung: „Das war ein gelungenes Event. Nach einigen Verzögerungen am Sonnabend verlief diese große Herausforderung am Finaltag reibungslos. Es gab ein faires und anständiges Miteinander aller Mannschaften. Die TSG Hatten-Sandkrug hat uns mit ihren beiden Hallen und mit dem Organisations-Team einen tollen Rahmen geboten.“ Meenkens Fazit fiel zu Recht so positiv aus. Mit zunehmendem Verlauf adaptierten die Mannschaften die Futsal-Regularien immer besser, besonders die Finalspiele boten schnellen und sehenswerten Sport. Lediglich die Resonanz ließ mit ungefähr 300 Zuschauern etwas zu wünschen übrig.

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