Klage gegen den Deutschen Fußball-Bund

Abpfiff für den Schiedsrichter

Schiedsrichter Patrick Schult ist auch in der Berufungsverhandlung mit seiner Klage gegen den Deutschen Fußball-Bund gescheitert. Es lag kein Arbeitsverhältnis mit dem DFB vor, sagt Richter Günther Kreß.
12.02.2020, 18:41
Lesedauer: 4 Min
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Abpfiff für den Schiedsrichter
Von Frank Büter
Abpfiff für den Schiedsrichter

Ein Schiedsrichter ist kein Arbeitnehmer: Patrick Schult ist auch in der Berufungsverhandlung mit seiner Klage gegen den Deutschen Fußball-Bund gescheitert.

Karsten Klama

Hannover. Ein Schiedsrichter, der auf der Eliteliste des Deutschen Fußball-Bundes steht, ist kein Arbeitnehmer. So hat das Landesarbeitsgericht Hessen im März 2018 entschieden. Und so hat nun auch das Landesarbeitsgericht Niedersachsen in Hannover entschieden. Geklagt hatte der in Lauenbrück im Landkreis Rotenburg heimische Patrick Schult. Zwischen 2014 und 2018 wurde der Zeitsoldat auf der DFB-Liste geführt und hatte dabei jeweils eine für eine Saison geltende Vereinbarung unterzeichnet. Weil er nach dem 30. Juni 2018 nicht mehr von der Elitekommission des DFB berücksichtigt worden war, hatte der heute 34-Jährige eine Entfristungsklage eingereicht und auf Weiterbeschäftigung geklagt. Das Arbeitsgericht in Verden hatte diese Klage vor Jahresfrist zurückgewiesen, nun ist der ehemalige Drittligareferee Patrick Schult auch in der nächsthöheren Instanz gescheitert.

„Die Berufung wird zurückgewiesen“, sagte der Vorsitzende Richter Günther Kreß bei der Urteilsverkündung – und sorgte damit für Erleichterung in Reihen der DFB-Vertreter. „Es ist schon beruhigend, wenn man vom Gericht gesagt bekommt, dass alles okay ist“, sagte Ronny Zimmermann, der als Vizepräsident im DFB für das Schiedsrichterwesen verantwortlich zeichnet. „Unsere Handhabung des Schiedsrichterwesens wurde vollumfänglich als rechtlich korrekt dargestellt.“ Groß war derweil die Enttäuschung beim Kläger: „Ich hatte mir natürlich erhofft, dass das Urteil zu unseren Gunsten ausfällt und wir hier einen Sieg feiern können“, sagte Patrick Schult, der in diesem Prozess vom Bremer Anwalt Dr. Malte Dittrich vertreten wurde. „Die Regelauslegung des Richters war eine andere, als wir sie haben“, sagte Schult. „Wir werden jetzt die schriftliche Begründung abwarten. Dann setzen wir uns zusammen und schauen, wie es weitergeht.“

Eine Fortsetzung dieses Rechtsstreits hält Malte Dittrich derweil für eher unwahrscheinlich. Die Revision wurde abgelehnt, und das bedeutet, dass man schon triftige Gründe anführen müsste, um mithilfe einer Nichtzulassungsbeschwerde doch noch das Bundesarbeitsgericht in Erfurt als letzte Instanz anzurufen, weiß der Rechtsanwalt für Sportarbeitsrecht. Man habe jetzt zwei gefestigte Urteile in dieser Angelegenheit, sagte Dittrich mit Blick auf die Verhandlungen in Frankfurt und jetzt in Hannover. Damit sei nun eigentlich alles gesagt.

Den Rechtsstreit in Hessen hatte Dittrich seinerzeit selbst angestrengt und geführt. Auch der Bremer hatte gegen den DFB auf Weiterbeschäftigung geklagt, nachdem er zuvor als Schiedsrichter bis zum Sommer 2015 neun Jahre lang für den DFB aktiv gewesen war. Bis zu seiner Ausmusterung hatte Dittrich 64 Partien in der 3. Liga geleitet und war mehr als 100-mal als Assistent in der 2. Bundesliga und in 20 Partien auch als vierter Offizieller in der 1. Bundesliga im Einsatz gewesen.

Damals wie heute ging es inhaltlich um die Rahmenvereinbarung, die die Unparteiischen mit dem DFB abschließen. Und es ging um die Frage, ob eine persönliche Abhängigkeit besteht, die in diesem Fall den Kläger Schult zu einem Arbeitnehmer gemacht hätte. Richter Kreß verneinte eine solche Abhängigkeit. Der Rahmenvertrag verpflichte zu nichts, wie das Landesarbeitsgericht Hessen verwies auch er auf die Möglichkeit, die Leitung eines Spiels abzulehnen. Die Vorgaben für Regelanwendungen würden den DFB auch nicht zu einem Arbeitgeber machen. „Während eines einzelnen Spiels ist der Schiedsrichter frei in dem, was er macht“, sagte der Richter. Kreß merkte während der Erörterung indes auch an, dass es durchaus Schwachstellen in der Rahmenvereinbarung gäbe.

„Der Vorsitzende Richter Kreß hat sich sehr viele Gedanken gemacht und sich sehr gut mit der Materie auseinandergesetzt“, sagte Rechtsanwalt Dittrich. „Er hat die wesentlichen Argumente auch gut gegeneinander abgewogen. Dass das Pendel jetzt nicht zu unserer Seite ausgeschlagen ist, ist eine Sache der Rechtsanwendung. Ich bin immer noch der Meinung, dass wir die besseren Argumente haben und viele Dinge für ein Arbeitsverhältnis sprechen.“

Bei selbstständigen Tätigkeiten sei es üblich, dass es Vorgaben für diese Tätigkeiten gibt, sagte Dr. Johan-Michel Menke, der als Rechtsanwalt für den DFB vor Ort war. „Wir wünschen uns ein Urteil, das die Angelegenheit insgesamt bewertet“, hatte Menke zuvor betont. Und er hatte im Laufe der Verhandlung auch gesagt: „Der Vorgang stinkt zum Himmel.“ Weil Patrick Schult nach der Nichtberücksichtigung nicht den offiziellen Beschwerdeweg über den DFB gewählt habe. Weil Schult seine Karriere auch nicht im Landesverband fortgesetzt, stattdessen aber diese Klage eingereicht habe. Menke nannte es „ein treuwidriges Verhalten“ und warf die Frage in den Raum: „Worum geht es hier denn? Geht es um Geld?“ Schult habe diesen Vertrag immerhin vier Jahre unterzeichnet, einen Vertrag, in dem gleich unter Punkt eins geschrieben steht, dass diese Rahmenvereinbarung kein Arbeitsverhältnis begründet.

Um eine gütliche Einigung, sprich um die Zahlung eines Geldbetrages als Ausgleich, ging es Patrick Schult indes zu keinem Zeitpunkt. Er erhoffe sich, wieder Spiele im Profifußball pfeifen und den Beruf als Schiedsrichter beim DFB weiter ausüben zu können, hatte Schult zuvor schon gegenüber dem WESER-KURIER erklärt. Mit diesem Urteil scheint nun die Schiedsrichterkarriere endgültig beendet zu sein. „Ich fahre jetzt erst einmal nach Hause und freue mich auf meine Familie“, sagte Schult. „Dann schlafe ich ein paar Nächte drüber und entscheide, ob ich die Pfeife wirklich an den Nagel hänge.“

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