Spieler der Woche: Reiner Klausmann - TSV Melchiorshausen Abschied im perfektesten aller Momente

Melchiorshausen. Eigentlich lief alles falsch an diesem Nachmittag. Der Gast der FCO-Reserve, der TSV Melchiorshausen, erhöhte gegen Ende der Partie noch einmal merklich die Schlagzahl, obwohl das Team im Laufe der Saison oft genug das Gegenteil zeigte und in der Schlussphase nicht mehr zulegen konnte. Und dann kam noch er: Reiner Klausmann.
01.06.2010, 08:55
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Abschied im perfektesten aller Momente
Von Jens Hoffmann

Melchiorshausen. Eigentlich lief alles falsch an diesem Nachmittag im Stadion des FC Oberneuland. Der Gast der FCO-Reserve, der TSV Melchiorshausen, erhöhte gegen Ende der Partie noch einmal merklich die Schlagzahl, obwohl das Team im Laufe der Saison oft genug das Gegenteil zeigte und in der Schlussphase nicht mehr zulegen konnte. Und dann kam noch er: Reiner Klausmann.

Der 40-Jährige hätte auf Grund seiner hartnäckigen Kniebeschwerden in dieser Rückserie eigentlich gar nicht mehr spielen sollen. Er tat es doch: Sieben Minuten vor Ende wurde er eingewechselt - wie bereits eine Woche zuvor beim 3:2 gegen den Brinkumer SV -, und fünf Minuten benötigte er diesmal, um das Siegtor zum 2:1 zu markieren. Es bedeutete nicht weniger als den Klassenerhalt für Melchiorshausen.

Reiner Klausmann, der gebürtige Südbadener, dessen Dialekt immer noch seine Herkunft verrät, hatte sich einen sensationellen Abgang vom aktiven Fußball verschafft. Jetzt ist Schluss, ein super Zeitpunkt um aufzuhören.

Die sportliche Zukunft? 'Ich werde die B-Junioren des TuS Sudweyhe trainieren', verrät Klausmann. Doch an diese neue Aufgabe wollte er im Moment des Triumphes von Oberneuland noch nicht wirklich denken. Verständlich! Immerhin musste der Fußball-Oldie beim Saisonfinale, das gleichzeitig auch sein persönliches Finale war, eine Nervenprobe sondergleichen über sich ergehen lassen.

Nichts für schwache Nerven

Der 2:1-Erfolg der Melchiorshauser stand fest - okay, aber entschieden war beim Schlusspfiff noch gar nichts. Denn: Der ärgste Rivale im Kampf gegen den Abstieg, OT Bremen, lag in Brinkum gerade mal mit 2:3 zurück. Und dort waren noch zehn Minuten zu spielen.

Fast jeder Melchiorshauser - gleich ob Aktiver, Trainer, Betreuer oder Fan -, der mit einem Handy bewaffnet war, wählte unverzüglich die Nummer einer Person, von der er wusste, dass er beim Spiel in Brinkum zuschaut. Die kollektive Telefonkonferenz konnte beginnen. Sie fand aber ohne Reiner Klausmann statt. Der Routinier, der es als Talent einst bis in die U18-Nationalmannschaft geschafft hatte, und in den Norden kam, um ins Werder-Internat zu wechseln - er suchte die Ruhe der schützenden Kabine. Reiner Klausmann, der schon so viel im Fußball erlebt hat, zog sich zurück. 'Das ist nichts für meine Nerven', stammelte er. Ab und an wagte er mal einen Blick nach draußen. 'Immer noch nicht Schluss in Brinkum?' 'Nein.' 'Mist.' Und wieder ging?s in die Kabine zurück.

Dann endlich kam die erlösende Nachricht: OT Bremen hat verloren, Melchiorshausen ist gerettet. Der spontane Jubel kannte keine Grenzen - und Reiner Klausmann war fortan mittendrin. Immerhin fand er noch Zeit für folgende Erklärung: Der indirekte Freistoß, den Schiedsrichter Nils Riedel nach einem Rückpass auf FCO-Keeper Steven Dittmer pfiff, sollte eigentlich gar nicht seine Angelegenheit sein. 'Erst wollte Marco Licht schießen', erzählte Klausmann. Aber spontan habe man sich umentschieden.

Alle FCO-Akteure hatten sich vor der Torlinie aufgebaut, doch Reiner Klausmann fand sie trotzdem: die entscheidende Lücke. Er hämmerte das Ding in die Maschen und sagte danach, dass das 'natürlich auch Glück' gewesen sei. Es war Glück - das Glück mit einem solchen klasse Moment eine Laufbahn zu beenden. Besser geht?s einfach nicht.

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