SV Atlas Delmenhorst Alis Atlas-Anekdoten

Delmenhorst. Der zwischenzeitliche Niedergang des einstigen Vorzeigevereins SV Atlas Delmenhorst hat Alrich Sprung hart getroffen. Umso glücklicher ist der heute 75-Jährige, dass es den SVA seit April dieses Jahres wieder gibt.
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Alis Atlas-Anekdoten
Von Christoph Bähr

Delmenhorst. Wenn sich Alrich Sprung an die glorreichen Zeiten des SV Atlas Delmenhorst erinnert, spricht er zuerst von Butterkuchen.

Als die Blau-Gelben zwischen 1995 und 1998 in der Regionalliga zu Auswärtsfahrten nach Hannover, Braunschweig oder Lübeck aufbrachen, war der damalige Fußball-Abteilungsleiter des Vereins für die Verpflegung zuständig. Sprung, den alle seit Kindheitstagen nur "Ali" nennen, kaufte dann beim Bäcker eine riesige Platte des besagten Butterkuchens und bereitete drei große Kannen Kaffee vor. "Der Kuchen wurde mir im Bus förmlich aus der Hand gerissen", erzählt der heute 75-Jährige und lacht.

Ali Sprung muss nur kurz nachdenken, dann fallen ihm Dutzende derartiger Geschichten über den SV Atlas ein. 1989 schloss er sich dem bekanntesten Delmenhorster Verein an, zunächst als stellvertretender Fußball-Abteilungsleiter. Zuvor hatte sich Sprung bereits im Adelheider TV und im Delmenhorster BV engagiert. "Als die Anfrage von Atlas kam, habe ich sofort zugesagt", berichtet er.

Nach nur einem Jahr stieg der einstige Fußballer des Delmenhorster TB und des Adelheider TV zum Abteilungsleiter auf. "Mit der Zusammenstellung des Kaders hatte ich aber nichts zu tun. Dafür gab es einen Manager", sagt Sprung, der eher im Hintergrund agierte. Besonders kümmerte er sich stets um die Schiedsrichter, denn der gebürtige Delmenhorster leitet seit 1986 selbst Spiele, ist Schiedsrichteransetzer des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst und pfeift heute noch Partien der Altsenioren.

Seit April dieses Jahr tut Ali Sprung das wieder in Diensten des SV Atlas. Als der Verein in der Gaststätte "Jan Harpstedt" neu gegründet wurde, war das blau-gelbe Urgestein selbstverständlich dabei. Sprung ist jetzt wieder Fußball-Abteilungsleiter des Klubs, zudem fungiert er als Schiedsrichter-Obmann und als Ehrenamtsbeauftragter.

"Viele haben doch in Delmenhorst darauf gewartet, dass der SV Atlas wiederkommt. Wie oft wurde ich über die Jahre gefragt: Mensch, Ali, was ist mit Atlas?", sagt der 75-Jährige. Als er dann von den Plänen einer Neugründung erfuhr, war Sprung sofort Feuer und Flamme. Er ist schließlich der Einzige unter den Verantwortlichen des neuen SV Atlas, der die großen Erfolge des Vereins hautnah miterlebte. Ali Sprungs Weihnachtswunsch ist daher klar: "Dass es mit dem SV Atlas irgendwann wieder so wird wie früher."

Damit meint der Rentner zum Beispiel das Jahr 1995, in dem die Delmenhorster den Regionalliga-Aufstieg perfekt machten, die damals dritthöchste Spielklasse. Nachdem der SVA den TuS Lingen im letzten Saisonspiel mit 2:0 bezwungen hatte, gönnte sich Ali Sprung zusammen mit Trainer Hartmut Konschal eine "Aufstiegszigarre". Für den überzeugten Nichtraucher Konschal eine ganz besondere Geste. "Das hatten wir vorher schon so abgesprochen und haben es dann auch gemacht. Hartmut hat natürlich nicht die ganze Zigarre aufgeraucht, aber immerhin ein paar Mal dran gezogen", erzählt Sprung. Noch so eine von Alis Atlas-Anekdoten.

Schneeschnippen vor Werder-Spiel

Eine weitere trug sich am 28. Januar 1996 zu, als der Bundesligist Werder Bremen im Delmenhorster Stadion zu einem Testspiel gegen den SV Atlas antrat. Der Rasen war morgens noch schneebedeckt gewesen, doch Ali Sprung und die komplette SVA-Mannschaft räumten den Platz eigenhändig. Am Ende rettete Bernd Hobsch den Bremern, bei denen kurz zuvor Hans-Jürgen Dörner das Traineramt übernommen hatte, durch ein Tor in der 86. Minute ein 2:2-Unentschieden. Ali Sprung allerdings war während der zweiten Halbzeit vom Zugucken abgelenkt worden – von Mario Basler. Werders ebenso genialer wie eigenwilliger Mittelfeldspieler wurde in der Pause ausgewechselt und kam wenig später in den VIP-Raum des Stadions. "Als erstes hat er gefragt: ,Wo ist hier ein Aschenbecher?’", sagt Sprung. Er verfrachtete den kettenrauchenden Nationalspieler also kurzerhand in die Küche und organisierte den gewünschten Aschenbecher.

Viele solch lustiger Momente hat der SV Atlas Ali Sprung beschert, er erlebte jedoch auch die bitterste Stunde des Vereins hautnah mit. Nach dem Regionalliga-Abstieg 1998 stieg ein Jahr später der Hauptsponsor Atlas Weyhausen aus. Der SV Atlas wurde in Delmenhorster SC umbenannt und musste 2002 schließlich Insolvenz anmelden. Ali Sprung blieb bis zuletzt dabei, kreidete als Fußball-Abteilungsleiter irgendwann selbst die Plätze, um Kosten zu sparen und zahlte kurz vor dem endgültigen Ende des Klubs noch die Schiedsrichtergelder aus eigener Tasche. "Sonst hatte ich das Geld ja immer vom Verein zurückbekommen, doch daraus wurde dann nichts mehr", sagt er.

Selbst derartige Negativerlebnisse konnten Sprungs Liebe zum SV Atlas jedoch nichts anhaben. Auch im Nachfolgeverein Eintracht Delmenhorst engagierte sich der gelernte Karosserieklempner ab 2005 wieder als Fußball-Abteilungsleiter, den SV Atlas konnte er aber nie vergessen. Zu Hause im Keller und in zwei Schränken im Delmenhorster Stadion bewahrte der 75-Jährige über all die Jahre unzählige Trikots und Wimpel auf. Seit April sind diese blau-gelben Devotionalien wieder gefragt in Delmenhorst – es war ein schönes Jahr für Ali Sprung.

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