Kristian Arambasic

„Allein das Stadion ist Identifikation pur“

Zwei Jahre lang hat Kristian Arambasic den Brinkumer SV trainiert, im Sommer wechselte er zum FC Oberneuland. Jetzt spricht er über seine ersten sechs Monate am Vinnenweg.
20.12.2017, 16:29
Lesedauer: 4 Min
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Von Niklas Golitschek
„Allein das Stadion ist Identifikation pur“

In den vergangenen beiden Spielzeiten hatte er noch den Brinkumer SV verantwortlich gezeichnet, ehe er im Sommer zum Bremen-Liga-Rivalen FC Oberneuland wechselte: Kristian Arambasic.

MARIO NAGEL, FR

Herr Arambasic, Glückwunsch noch einmal zum Gewinn des Lotto-Masters. Ist es nicht schade, in der aktuellen Form in die Winterpause gehen zu müssen?

Kristian Arambasic: Das sehe ich nicht ganz so. Klar: Wir hätten unseren Lauf gerne fortgesetzt. Wir freuen uns aber auch über die Pause, darüber, dass Körper und Seele entspannen können.

Das 2:2 gegen Ihren Ex-Verein, den Brinkumer SV, war der letzte Punktverlust im Jahr 2017. Was macht ihre Mannschaft in der zweiten Saison nach dem Aufstieg so stark?

Wir sind ja eine komplett neue Mannschaft. Von der alten sind noch vier Spieler übrig. Wir sind auch ein junges Team, das sich aber schnell gefunden hat. Das funktionierte reibungslos, wir haben schnell den Fußball gespielt, den wir spielen wollten.

Für Sie als Trainer war es mit dem komplett neuen Kader bestimmt auch keine einfache Aufgabe. Wie haben Sie das gemeistert?

Für mich waren das auch die Gründe, warum ich den Brinkumer SV verlassen habe: Ich habe die Perspektive in der Zusammensetzung nicht mehr gesehen. Das waren zwei tolle Jahre und ich möchte nichts Negatives sagen. In Oberneuland hat mich Günter Hermann als Sportlicher Leiter total unterstützt. Ich kann beim FC Oberneuland wie schon früher bei der SG Aumund-Vegesack in Ruhe arbeiten. In Brinkum hat es nicht zu meiner Vorstellung gepasst, wie man erfolgreich sein kann. Erfolg muss man planen. Die Meisterschaft fehlt mir noch, das geht aber nicht in einem Jahr. Wenn wir das mit Oberneuland im ersten Jahr schaffen, wäre das ein Wunder. Wir haben beim FCO jetzt die jüngste Mannschaft aller Zeiten, sie ist noch entwicklungsfähig. Ich habe darauf geachtet, dass ich talentierte Jungs zusammenkriege. Das Besondere bei uns ist der Zusammenhalt. Wir haben uns schnell vertraut, auch außerhalb der Platzes. Wir sind in schwierigen Situationen füreinander da, das hat man jetzt auch in der Halle gesehen: Gegen die Leher TS, den TuS Schwachhausen und den Blumenthaler SV haben wir einen Rückstand gedreht. Uns haben Stammspieler gefehlt, wie haben uns aber trotzdem von Spiel zu Spiel gesteigert. Auch in der Liga haben wir beispielsweise gegen Vatan in letzter Sekunde das 2:2 erzielt. Da erkennt man die Moral der Mannschaft. Das sind einzelne, kleine Schritte in der Entwicklung. Der 1:0-Sieg gegen Werder III war auch so ein Schlüsselspiel – das war brutal eng und knapp. Wir haben den Sieg mehr gewollt. Wir steigern uns von Woche zu Woche, von Monat zu Monat. Auch 2018 wollen wir ein Gegner sein, der nicht so leicht zu schlagen ist. Da sind wir auf einem guten Weg, die Mannschaft ist absolut lernwillig. Das erinnert mich an meine alte Mannschaft in Vegesack, da hatten wir mit dem Pokalgewinn einen tollen Erfolg.

Mit nur einem Punkt Rückstand auf den Bremer SV belegt der FCO Platz zwei in der Tabelle. Wie viel geht in der Rückrunde noch für Ihr Team?

Aus dem Pokal sind wir jetzt leider raus. In der Liga ist für uns noch alles möglich, wir sind in der Rückrunde schon besser gestartet als in der Hinrunde. In den zwölf Spielen jetzt kommen aber Druck und Nervosität auf uns zu, die Spieler sind noch nicht voll ausgebildet. Ich sage immer, das beste Alter ist 25 Jahre. Für uns läuft es besser als gedacht, die Mannschaft sollte noch gar nicht so weit oben stehen. Mit Kadir Karabas und Kapitän Michael Thöne verliere ich zudem zwei ältere Spieler, das steckt man nicht so eben weg. Dafür rücken zwei junge nach. Das ist Erfahrung, die fehlt. Wir machen noch Fehler wie beim 2:2 gegen Brinkum, die andere nicht machen. Aber wir machen überraschend wenige Fehler. Wir werden aber mit unserem jugendlichen Leichtsinn weiter Gas geben. Wenn die Mannschaft so zusammenbleibt und uns die Spieler nicht weggekauft werden, sind wir in zwei, drei Jahren Topfavorit. Jetzt ist das aber der BSC Hastedt, er verstärkt sich im Moment ziemlich, gerade erst ist Boris Koweschnikow vom Bremer SV gekommen. Sie werden im Pokal und in der Meisterschaft voll angreifen. Wir, Brinkum, Blumenthal und der Bremer SV sind die Jäger.

Ist die Liga in dieser Saison ausgeglichener als in den Vorjahren?

Ja, ich habe vor der Saison schon gesagt, dass es dieses Mal spannender wird. Alle fünf Mannschaften, die im Moment oben stehen, haben die Chance auf die Meisterschaft. Vorher Peter Moussali und jetzt dann Malte Jaskosch bei Blumenthal, Gökhan Deli in Hastedt und Dennis Offermann in Brinkum machen alle einen guten Job.

Mit Daniel Block, Tom Trebin und Lars Tyca haben Sie drei Spieler vom Brinkumer SV mit zum FCO genommen. Wie machen sich die drei?

Die drei sind absolute Leistungsträger. Tom Trebin entwickelt sich top. Daniel Block hat sich die Auszeichnung zum Amateurfußballer des Jahres verdient, ich hab mich riesig für ihn gefreut. Das war aber auch eine Mannschaftsleistung, die Mannschaft setzt ihn in Szene. Daniel bekommt jetzt noch mehr Verantwortung, er wird neuer Kapitän. Lars Tyca ist leider seit dem Spiel gegen Brinkum verletzt, da haben andere ihre Chance genutzt.

Wenn Sie beide Vereine vergleichen, was hat sich für Sie nun verändert?

Das sind viele kleine Sachen. Jetzt habe ich ein Team zusammengestellt, mit dem ich super viel Spaß habe. Das passt einfach. Ich habe auch perfekte Bedingungen, wir haben eine Vereinsgaststätte, die Farben in den Kabinen sind rot und weiß. Da kann der Brinkumer SV teils auch gar nichts für, etwa mit den Umkleiden in den Sporthallen. Aber die Identifikation fehlt und die brauche ich. Allein das Stadion in Oberneuland ist Identifikation pur. In Brinkum war ich auch mit der Trainingsbeteiligung nicht zufrieden, jetzt sind fast immer 23 Spieler da. Siege wie der jetzt in der Halle geben einem Schübe, die man braucht. Wir haben die Chance, weiterhin tolle Moment zu erleben. Auch der Sponsorenpool und der Vorstand rücken immer näher an die Mannschaft. Wir sind immer noch der FC Oberneuland, der aus der Insolvenz kommt und müssen schauen, dass wir finanziell stabil bleiben. Wir haben aber alle dieselben Ideen und Absichten und wirken gemeinsam am Erfolg mit. Das geht los bei den Platzwarten Wolfgang und Harald, die den Platz immer toll richten. Auch die beiden Physios sind bei jedem Spiel dabei, obwohl immer nur einer bezahlt wird. Das geht über die Mannschaft bis hin zum Vorstand und den Sponsoren. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

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