Nach dem Sieg von Angelique Kerber in Melbourne wird Fed-Cup-Pressekonferenz in Leipzig zur Großveranstaltung

Alles anders

Leipzig. Wie es auf einmal zugeht bei einer dieser langweiligen Pressekonferenzen vor einem Tennis-Länderspiel, dafür hat Andrea Petkovic natürlich den Spruch des Tages parat: „Früher sind da zwei Leute gekommen. Gefühlt hast du das auf dem Flur oder dem Klo gemacht“, sagt die Darmstädterin, „jetzt geht’s zu wie beim Schlussverkauf.
04.02.2016, 00:00
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Von Jörg Allmeroth

Wie es auf einmal zugeht bei einer dieser langweiligen Pressekonferenzen vor einem Tennis-Länderspiel, dafür hat Andrea Petkovic natürlich den Spruch des Tages parat: „Früher sind da zwei Leute gekommen. Gefühlt hast du das auf dem Flur oder dem Klo gemacht“, sagt die Darmstädterin, „jetzt geht’s zu wie beim Schlussverkauf.“ Petkovic, Wort- und langjährige Anführerin des deutschen Fed-Cup-Teams, sieht sich an diesem Mittwochmittag im rappelvollen Pressezentrum der Leipziger Messe jedoch nicht in der sonstigen Hauptrolle. Sie wird zwar gelegentlich befragt, aber nicht zu sich selbst, sondern zu der Frau, die seit vergangenen Sonnabend zum neuen deutschen Sportstar aufgestiegen ist. Und die nach ihrer wilden Parforcetour, nach einem Flug durch Zeitzonen und über Kontinente und nach einem Abstecher zu den Großeltern nach Polen, ausgeschlafen und gut aufgelegt in Leipzig erschienen ist.

„Ich lebe irgendwie immer noch in einem Traum“, sagt Angelique Kerber, die Königin der Australian Open, im Blitzlichtgewitter, „es sind die schönsten Tage meiner Karriere, meines Lebens.“ Am Dienstag ist Kerber herübergekommen nach Leipzig. Selbst vor dem Hotel des Teams, das am Wochenende gegen die Schweiz antritt, standen abends noch sieben Kamerateams, um ihre Ankunft in Augenschein zu nehmen. „Im Moment wird hier schon am großen Rad gedreht“, sagt Hans-Jürgen Pohmann, der Pressesprecher des Deutschen Tennis-Bunds, ein Mann, der auch Zeitzeuge der Becker- und Graf-Jahre war.

Pohmann ist auch Zeremonienmeister bei der bestbesuchten Pressekonferenz, die es für das deutsche Tennis seit gefühlt zwei Jahrzehnten gegeben hat. Genau genommen gibt es sogar zwei Mediengespräche, erst eins mit dem kompletten Team und Barbara Rittner. Und dann noch eins mit Kerber – solo. Hat sie jemals daran gedacht, auf den Einsatz für Schwarz-Rot-Gold zu verzichten, nach all den Strapazen der letzten Tage, nach dem aufreibenden Siegeslauf und dem Finalkrimi gegen Serena Williams? Nein, sagt Kerber ganz entschlossen, „in keinem Moment. Ich spiele gerne für Deutschland. Und ich fühle mich eben auch wohl mit den anderen Mädels“.

Die allerdings haben nun eine ganz andere Rolle im großen Spiel, im Länderspiel, überhaupt im Mikrokosmos des deutschen Frauentennis. Sie sind die erstklassigen Beobachterinnen der großen Kerber-Show. „Alle müssen sich an den neuen Status quo gewöhnen“, sagt Bundestrainerin Rittner, die jetzt an erster Stelle aufgefordert ist, das neue Zusammensein zu moderieren, eine veränderte Hackordnung. Wobei auch hier Petkovic die Dinge glaubhaft auf den Punkt bringt: Sie sagt, sie wäre natürlich auch gern in der Position Kerbers, wäre auch gern Grand-Slam-Siegerin. Aber Neid, erklärt die beste Freundin Kerbers, sei nun gar nicht in ihren Genen drin.

Kerbers Triumph hat auch andere Berichterstatter auf den Plan gerufen, vom Boulevard zum Beispiel. So hat Kerber die Frage zu beantworten, wann denn Bastian Schweinsteiger und Ana Ivanovic zu heiraten gedenken, schließlich sei sie doch eine gute Freundin von Ivanovic. Gelächter im Saal, Kerber lächelt und verdreht die Augen. Sie hat sich über die letzten Tage zum Medienprofi entwickelt. Selbst in der Endlosschleife der nicht neuen Fragen und nicht neuen Antworten macht sie mit gewinnender Ausstrahlung unaufdringlich Werbung für sich. Und ihr Schlusswort im Medienzirkus gibt es auch noch: „Ab Donnerstag“, sagt sie, „geht es nur noch um Tennis. Und da bin ich auch froh drum.“

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