IOC-Chef Bach redet über FIFA-Krise „Alles auf den Tisch legen“

Lausanne/Berlin. Der FIFA-Skandal ist im Hauptquartier des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne ein Topthema. Wer in die Kantine will, blickt auf Zeitungsartikel, die über die Empfehlung von IOC-Präsident Thomas Bach berichten, dass der Fußball-Weltverband sich nach Vorbild der olympischen Familie reformieren soll.
09.06.2015, 00:00
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Der FIFA-Skandal ist im Hauptquartier des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne ein Topthema. Wer in die Kantine will, blickt auf Zeitungsartikel, die über die Empfehlung von IOC-Präsident Thomas Bach berichten, dass der Fußball-Weltverband sich nach Vorbild der olympischen Familie reformieren soll. „Wir können die FIFA nur ermutigen, den Weg der Reformen, der offensichtlich schon initiiert worden ist, weiter zu gehen“, bekräftigte der deutsche IOC-Chef am Montag nach zweitägiger Sitzung des Exekutivkomitees. „Wir begrüßen die Bereitschaft für substanzielle Reformen. Es steht dem IOC aber nicht an, Ratschläge über die Medien zu geben.“

Bachs Nachfolger an der DOSB-Spitze, Alfons Hörmann, wurde deutlicher. „Am Beispiel des IOC kann man wunderschön erkennen, wie man Themen regeln kann und wie man sie regeln muss, um wieder Glaubwürdigkeit zu erlangen“, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). „Man sieht aber auch, wie lange es dauert, bis dann ein anderes Bild vermittelt wird.“

Das IOC war Ende der 90er Jahre selbst durch einen Bestechungsskandal vor den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City erschüttert worden. Dabei waren zehn IOC-Mitglieder ausgeschlossen worden oder zurückgetreten. Daraufhin wurde eine Null-Toleranz-Politik in der olympischen Agenda verankert und der Kampf gegen Korruption gestärkt. „Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es schmerzhaft ist, alles auf den Tisch zu legen, aber es ist absolut notwendig“, sagte Bach. Die FIFA-Struktur sei aber anders als die des IOC: „Der Unterschied ist riesig.“

Als Folge des Skandals um Salt Lake City sind seit damals Visiten von IOC-Mitgliedern in Olympia-Bewerberstädten verboten. Zudem wurde die Amtszeit des Präsidenten auf 12 Jahre begrenzt und das Höchstalter der IOC-Mitglieder auf 70 Jahre limitiert. Auch für die FIFA könnte eine Beschränkung der Amtszeit des Präsidenten eine Reformmaßnahme sein, so Hörmann: „Dass man sagt, acht plus vier Jahre, wie im IOC, wäre vielleicht eine denkbare Variante.“ FIFA-Präsident Joseph Blatter war bis zu seinem Rücktritt nach der Wiederwahl 17 Jahre im Amt.

„Wenn Dinge möglich sind, wie es bei der FIFA der Fall ist, bei denen stark über finanzielle Zuwendungen gestaltet wird, ist die Gefahr sehr groß, dass ein Amtsinhaber Möglichkeiten hat, das Wohlwollen sehr kreativ so zu gestalten, wie er das für richtig hält“, sagte Hörmann. Dann könne eine Amtszeitbeschränkung Sinn ergeben.

„Bei der FIFA scheinen mehrere Komponenten und besondere strukturelle und personelle Probleme auf einmal aufgetreten zu sein“, analysierte der DOSB-Chef. Dazu gehöre auch, dass Blatter als Präsident „in diesem System gefangen“ gewesen sei.

Blatter soll nach Informationen der englischen Zeitung „Daily Telegraph“ von einer Zahlung über zehn Millionen Dollar von WM-Gastgeber Südafrika über Konten des Weltverbandes in die Karibik gewusst haben. Dies berichtete das Blatt unter Berufung auf eine Mitteilung des Weltverbandes. Darin betonte die FIFA zudem, Kenntnis von der Sache zu haben heiße nicht, in sie involviert zu sein.

Am Sonntag hatte die südafrikanische „Sunday Times“ eine E-Mail von FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke aus dem Jahr 2007 öffentlich gemacht, in der dieser bei der Regierung am Kap angefragt habe, wann mit der Zahlung von zehn Millionen Dollar zugunsten der CONCACAF-Konföderation zu rechnen sei. Valcke habe in seinem Schreiben darauf verwiesen, dass Blatter und Südafrikas damaliger Staatschef Thabo Mbeki in die Diskussionen um die Zahlung eingebunden gewesen seien.

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