Der TuS Heidkrug nach der Trainerentlassung Alles für die Tonne

Delmenhorst. Als bekannt wurde, dass die Fußballer des TuS Heidkrug ihren Trainer Matthias Trätmar nicht mehr wollen, dachten viele sofort an Ralf Faulhaber. Er musste Ende 2011 ebenfalls auf Wunsch der Spieler gehen.
18.06.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Christoph Bähr und Daniel Cottäus

Delmenhorst. Als bekannt wurde, dass die Fußballer des TuS Heidkrug ihren Trainer Matthias Trätmar nicht mehr wollen, dachten viele sofort an Ralf Faulhaber. Er musste Ende 2011 ebenfalls auf Wunsch der Spieler gehen. Derartige Vergleiche seien jedoch unberechtigt, betonte der Heidkruger Kapitän Selim Karaca. Die Mannschaft habe sich gegenüber Trätmar immer offen und ehrlich verhalten.

Ralf Faulhaber traute seinen Ohren kaum, als er am Ende der vergangenen Woche hörte, was seinem guten Kumpel Matthias Trätmar widerfahren war. Trotz sportlichen Erfolgs wollen die Fußballer des TuS Heidkrug mit ihrem Trainer Trätmar nicht mehr zusammenarbeiten (wir berichteten). "Natürlich ziehe ich da Vergleiche", sagte Faulhaber. Im September 2011 musste er nach einem guten Start in die Landesliga-Saison als Heidkruger Coach gehen, weil die Mehrheit der Spieler gegen ihn war. Doch die meisten dieser Akteure laufen inzwischen für andere Vereine auf. "Ich dachte, dass in der jetzigen Mannschaft echte Heidkruger spielen, die vernünftig sind. Was plötzlich in ihnen vorgeht, weiß ich nicht", meinte Faulhaber.

Dass es derzeit Parallelen zur Situation im Jahr 2011 gibt, bestritt Selim Karaca allerdings gestern vehement. Der Heidkruger Kapitän betonte: "Wir wollten es gerade nicht so machen wie die Spieler damals bei ,Schoko’ (Faulhabers Spitzname, Anm. d. Red.)." Er und seine Teamkollegen seien immer offen zu Trätmar gewesen, sagte Karaca. "Wir haben mehrmals das Gespräch gesucht und ihm klar erzählt, was wir möchten." Der zentrale Kritikpunkt der Mannschaft war Trätmars Trainingsgestaltung. Laut Karaca habe sich das Team insgesamt mehr Professionalität gewünscht, dazu gehöre es auch, die kommenden Gegner zu beobachten.

Viele Spieler des aktuellen Kaders trainierten bis 2011 unter Hamid Derakhshan in der damaligen Heidkruger Reserve. Vom jetzigen Coach des TSV Ganderkesee sei er ein anderes Arbeiten gewohnt, schilderte Karaca. " Er ist das komplette Gegenteil von ,Locke’ (Trätmars Spitzname, Anm. d. Red.). Hamid macht eigentlich schon zu viel für die Kreisliga, ,Locke’ aber leider zu wenig, auch wenn er menschlich mehr als in Ordnung ist." Schon am Ende der Saison 2011/12 habe die Mannschaft Trätmar erstmals mitgeteilt, dass es so nicht weitergehen könne. "Es gab mindestens drei Gespräche, in denen wir Veränderungen gefordert haben. Leider ist er der Bitte nicht nachgekommen", erklärte Karaca.

Trätmar nahm die Unterredungen offenbar anders wahr: "Für mich war bis vor drei Wochen alles gut", sagte der 47-Jährige. Die Forderung nach einer anspruchsvolleren Trainingsgestaltung kann er nicht nachvollziehen: "Die Jungs wollen nur bespaßt werden. Dann sollen sie sich einen anderen suchen. Ich habe nichts falsch gemacht." In der Tat war der sportliche Erfolg da: Die Heidkruger holten die Kreisliga-Vizemeisterschaft und schafften in der folgenden Relegation sportlich den Bezirksliga-Aufstieg, der ihn jedoch am Grünen Tisch wieder aberkannt wurde. Dass Trätmars Bilanz stimmt, weiß auch Selim Karaca: "Für die Außendarstellung war es Humbug, uns jetzt gegen den Trainer auszusprechen, aber wir wollten als Mannschaft nicht so weitermachen."

Zusammen mit Trätmar musste auch Co-Trainer Harald Grüner gehen. "Menschlich bin ich von der Mannschaft sehr enttäuscht", sagte er am Rande des Internationalen Jugendcups. Viele Spieler würden denken, dass sie "locker zwei Klassen höher" auflaufen könnten. "Die müssen sich selbst mal hinterfragen", betonte Grüner.

Zusammen mit dem ehemaligen Co-Trainer und Trätmar spielt Ralf Faulhaber bei den Heidkruger Oldies. Auf Bitten seiner zwei Freunde half der erfahrene Torjäger in den beiden Relegationsspielen gegen den SV Ofenerdiek und den STV Voslapp sogar noch in der von Personalsorgen gebeutelten ersten Herren aus, erzielte dabei zwei Tore. "Ich hatte zwar von ,Locke’ gehört, dass es aus der Mannschaft einige Forderungen gab, doch ich dachte, das lässt sich alles klären", sagte Faulhaber. "Ich habe gerne ausgeholfen, doch hätte ich vorher gewusst, dass die Mannschaft ihren Trainer absägen will, hätte ich das nicht gemacht. Das scheint jetzt die Mentalität der jungen Burschen zu sein." In der kommenden Saison stehe er nicht mehr als Aushilfe zur Verfügung, unterstrich Faulhaber, der trotz aller Unruhe am Bürgerkampweg seine Tätigkeit als Heidkruger B-Jugend-Trainer antreten will.

Die Zukunft der ersten Herrenmannschaft ist dagegen ungewiss. Dass sie wegen des Wechselfehlers gegen Ofenerdiek weiterhin in der Kreisliga spielen muss, scheint fast sicher. "Der Verein hat mir mitgeteilt, dass er vor dem Bezirkssportgericht Einspruch gegen die Wertung der Relegation einlegt", sagte Bezirksliga-Staffelleiter Klaus Sabisch gestern – und betonte: "Mit der Begründung, sie hätten erst nach dem Voslapp-Spiel, also zu spät, vom Wechselfehler gegen Ofenerdiek erfahren, wird Heidkrug keinen Erfolg haben." Schließlich hätte er den Spielbericht selbst erst am Freitag im Postkasten gehabt.

Welche Spieler nach dem geplatzten Bezirksliga-Traum trotzdem am Bürgerkampweg bleiben, soll sich heute Abend in einer Mannschaftsbesprechung klären. Kapitän Karaca wäre bereit, weiterzumachen. Auch Routinier Christian Goritz ließ verlauten, dass er sich eine weitere Saison in der ersten Herren vorstellen könne. Bastian Ernst, einer von drei Heidkruger Zugängen vom TuS Hasbergen, will zu seiner Zusage stehen. Wer sonst noch im Boot bleibt, ist unklar. Karaca versprach: "Ich werde versuchen, die Jungs zusammenzuhalten."

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