Ingo Brüning, der den 1. FC Riensberg verlässt, blickt auf einen besonderen Verein zurück

„Alles nur noch schriftlich“

Sie kamen ebenso wie die meisten Gründungsmitglieder vom TV Eiche Horn und wollten es besser zu machen. Haben Sie den Beweis angetreten?Ingo Brüning: Ja. Es ist richtig, dass bei Eiche Horn vieles damals nicht in Ordnung war und wir es besser machen wollten.
25.07.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye
„Alles nur noch schriftlich“

Ingo Brüning hat als Gründungsmitglied den FC Riensberg aufgebaut.

Frank Thomas Koch

Sie kamen ebenso wie die meisten Gründungsmitglieder vom TV Eiche Horn und wollten es besser zu machen. Haben Sie den Beweis angetreten?

Ingo Brüning: Ja. Es ist richtig, dass bei Eiche Horn vieles damals nicht in Ordnung war und wir es besser machen wollten. Das ist gelungen.

Woran machen Sie das fest?

Zum einen anhand der Feedbacks. Wir haben angeknüpft an das, was bei Eiche nicht gut gelaufen war, etwa die Kommunikation und die Präsenz der Funktionäre. Wir waren deshalb immer dabei, wenn der FC Riensberg trainiert, gespielt oder Aktionen gemacht hat. Und wir waren immer ansprechbar. Organisatorisch haben wir die Spiele immer hintereinander gelegt, damit sich die Mannschaften gegenseitig unterstützen können. Schließlich haben wir auch immer zeitgleich trainiert, zuletzt auch mit der Ü 32.

Ist dieser gegenseitige Austausch so wichtig für einen Fußballverein?

Auf jeden Fall. Die Spieler sollen ja auch in anderen Mannschaften aushelfen. Durch dieses Familiäre lebt der FC Riensberg erst richtig.

Sie sprechen nun davon, dass Sie viel gelernt haben in diesen sieben Jahren. Woran denken Sie dabei?

Ich habe jede Menge Menschen kennengelernt, das war eine positive Bereicherung. Da bin ich sicher auch an meinen Aufgaben gewachsen.

Sie hatten vor 2011 keine Erfahrung mit der Organisation eines Fußballvereins. Waren Sie manchmal auch naiv?

Ja. Das waren wir alle. Teilweise bin ich es noch bis heute. Mir ist aber jetzt klar, dass im Fußballgeschäft alles schriftlich fixiert werden muss. Da sind wir ein paar Mal auf die Nase gefallen, weil wir uns auf Zusagen und Versprechungen verlassen haben.

Dann verlassen Sie Ihr Amt auch mit einer gewissen Enttäuschung?

Sicher. Es ist schon enttäuschend, dass ein Handschlag heute nicht mehr gilt. Und das bezieht sich auf Spieler, Trainer und die Verantwortlichen anderer Vereine.

Was bliebt sonst noch?

Die Arbeit hat unheimlich viel Spaß gemacht, ein riesiger Zeitaufwand, der sich gelohnt hat. Aber wenn man mich fragen würde, ob ich es noch mal machen wolle, würde ich vermutlich ablehnen.

Wegen des zeitlichen Aufwandes?

Ja. Weil man das neben Arbeit und Familie einfach nicht leisten kann. Ich war ja zwei, drei Stunden pro Tag unterwegs für den FC Riensberg. Dabei habe ich aber auch vieles gemacht, war Spieler, Trainer, Betreuer und Funktionär. Da gab es einiges zu organisieren, etwa die An- und Abmeldungen der Spieler, unsere zahlreichen Benefiz-Aktionen oder Stände auf Straßenfesten.

Sie scheiden nun auch aus, weil sich Ihre Philosophie nicht mehr mit der des aktuellen Vorstands deckt. Was bedeutet das?

In erster Linie wollte ich mich mehr um meine Familie kümmern, da ist jetzt für mich der richtige Zeitpunkt gekommen. Ich hatte viel spontan aus dem Bauch heraus entschieden, was nicht mehr möglich ist, da die Kompetenzen auf mehreren Köpfen verteilt wurde, um den anstehenden Aufgaben gerecht zu werden.

Der ebenfalls in 2011 gegründete FC Roland ist zwar bereits in der Bezirksliga angekommen, hat Ihre 1. Mannschaft also um eine Liga abgehängt. Aber auch die fünf Aufstiege der zwei Riensberg-Teams können sich sehen lassen. Ging es vielleicht zu schnell mit Ihrem Verein?

Nein, das würde ich nicht sagen. Wir hatten ja damit gerechnet, dass wir nach ein paar Jahren in der Kreisliga A oder der Bezirksliga antreten werden.

Der Verein hat von Anfang an viel Wert auf einen freundschaftlichen Umgang gelegt und wollte als große Gemeinschaft gelten. Gerät dieses Vorhaben mit dem sportlichen Erfolg nicht in Gefahr?

Das kann man sagen. Es lässt sich leider nicht verhindern. Wer gute Spieler und gute Trainer haben möchte, läuft Gefahr, dass die Identifikation mit dem Verein verloren geht. Da waren wir als Verein und als Vorstand gefragt, dem entgegenzuwirken.

Wie macht man das?

Etwa durch die regelmäßigen Events, die wir als gesamter Verein durchführen und durch die Präsenz seiner Verantwortlichen.

Der Verein ist nun seit Beginn auf der Sportanlage der Uni beheimatet. Eine gute Entscheidung?

Eine super Entscheidung. Das ist eine Topanlage, sehr gut gepflegt. Wir haben an der Uni auch nie Probleme, Spieler zu bekommen und mussten nie großartig Werbung machen.

Die Fragen stellte Stefan Freye.

Zur Person

Ingo Brüning ist ein Mann der ersten Stunde: 2011 gründete er mit einigen Freunden den FC Riensberg und übernahm gleich das Amt des 1. Vorsitzenden. Zur neuen Saison beendet der 36-Jährige nun seine Aufgabe.
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