Bremer Gymnastinnen lösen Olympiaticket Alles spricht für Bundesstützpunkt

Die Nationalgruppe der Rhythmischen Sportgymnastik hat sich für die Olympischen Spiele qualifiziert. Auch der Präsident des Deutschen Turnverbandes (DTB), Rainer Brechtken, sieht die Stützpunkte bestätigt.
28.04.2016, 00:00
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Alles spricht für Bundesstützpunkt
Von Ruth Gerbracht

Die Nationalgruppe der Rhythmischen Sportgymnastik hat sich für die Olympischen Spiele qualifiziert. Auch der Präsident des Deutschen Turnverbandes (DTB), Rainer Brechtken, sieht die Stützpunkte bestätigt.

Nicht allein in Bremen war man begeistert, als die Nationalgruppe der Rhythmischen Sportgymnastik mit den Bremerinnen Natalie Hermann und Julia Stavickaja sich für die Olympischen Spiele qualifiziert hatte. Auch der Präsident des Deutschen Turnverbandes (DTB), Rainer Brechtken, sieht mit dem herausragenden Ergebnis der Gruppe beim Qualifikationswettbewerb eine Bestätigung für die Arbeit an allen deutschen Stützpunkten. „Dass die RSG-Gruppe souverän die Qualifikation gewinnen konnte, unterstreicht einmal mehr die richtige Fokussierung auf diesen Wettbewerb“, schreibt Brechtken auf der Internetseite des DTB. „Wir werden zudem mit Blick auf die Strukturgespräche im Mai mit dem DOSB unsere strategischen Konzepte präsentieren“, erklärt der Präsident.

Teil dieses Konzepts wird auch die Fortführung des Bundesstützpunktes Rhythmische Sportgymnastik in Bremen sein. Schließlich haben es die Verantwortlichen 25 Jahre lang geschafft, Nachwuchsgymnastinnen in Bremen so erfolgreich auszubilden, dass eine beträchtliche Zahl in die deutschen Kadergruppen aufgenommen wurde. Höhepunkt der erfolgreichen Trainerarbeit in Bremen sind zurzeit die Nominierungen der beiden 1860-Gymnastinnen Natalie Hermann und Julia Stackajiva, die vor wenigen Tagen als Teil der Nationalgruppe das Ticket für Rio lösen konnten. „Das ist einfach großartig“, sagt Ines Henkel, Geschäftsführerin des Bremer Turnverbandes, „diese erfolgreiche Arbeit muss in Bremen doch fortgeführt werden.“ Henkel sieht die Zukunft des Stützpunktes an der Universität als gesichert an. Zumal auch die bislang konkurrierenden Stützpunkte in Halle/Saale und Wattenscheid die Arbeit eingestellt haben. Neben dem Nationalmannschaftszentrum in Schmiden, wo auch Natalie Hermann und Julia Stavickaja trainieren, hat lediglich Berlin einen Antrag auf Anerkennung eines neuen Bundesstützpunktes gestellt.

Arbeit am Stützpunkt nur durch Finanzierung durch Land Bremen möglich

Unabhängig von der noch ausstehenden Entscheidung für oder gegen Berlin dürfte der Bremer Stützpunkt, der vornehmlich für eine erfolgreiche Rekrutierung des Nachwuchses zuständig ist, aufgrund seiner Erfolge nicht mehr zur Disposition stehen. Davon ist auch Ines Henkel überzeugt: „Ich bin sicher, dass wir nach diesem großen Erfolg weiter machen können.“ Beim DTB habe man schließlich nur abwarten wollen, wie die Qualifikationen ausgehen.

Die Arbeit am Bremer Bundesstützpunkt kann aber nur weitergehen, wenn das Land Bremen auch in Zukunft die nötige Finanzierung beisteuert. „Leider verkennen einige Politiker immer mal wieder, dass nicht nur Werder glänzt. Sie unterschätzen die Strahlkraft der Gymnastinnen über die Stadtgrenzen hinaus“, sagt Christian Weber, Bürgerschaftspräsident und Vorsitzender des Bremer Turnverbandes. „Das Land Bremen muss dafür sorgen, dass auch weiterhin ein solch erfolgreiches Aushängeschild in einer olympischen Sportart unterstützt wird.“ Die nationale und internationale Bedeutung des Bundesstützpunktes dürfe man auf keinen Fall unterschätzen. Wenn Bremen gleich zwei Gymnastinnen als Olympioniken vorweisen kann, muss die Förderung durch das Land gesichert sein.

Welche bedeutende Rolle der hiesige Bundesstützpunkt beim Deutschen Turnverband spielt, ist auch daran zu erkennen, dass man bereit war, kurzfristig die Deutschen Meisterschaften in der Rhythmischen Sportgymnastik auszurichten. „Hätten wir es nicht gemacht, dann wären die Titelkämpfe ausgefallen“, erklärt Trainerin Larissa Drygala. Kein anderer Landesverband wollte die DM ausrichten. Letzte Hoffnung: Bremen. Schließlich fragten die DTB-Verantwortlichen bei der 2. Vorsitzenden des Bremer Turnverbandes, Gisela Drygala, an, ob sie einspringen könnten. Immerhin seien die Bedingungen in der Hansestadt doch bestens. Bremen ist bereit, weil keiner es verantworten wollte, dass die besten deutschen Gymnastinnen womöglich ihre Meister nicht küren könnten. Der Zulauf ist groß. „Wir haben mehr Anmeldungen als in den Jahren zuvor“, sagt Ines Henkel. „Wenn es hier aber nicht die vielen ehrenamtlichen Helfer gäbe, dann könnten wir das gar nicht stemmen.“

Herkulesaufgabe steht bevor

Eine Herkulesaufgabe steht den Verantwortlichen und Trainern am Stützpunkt auf jeden Fall bevor, da sie zwei Mega-Veranstaltungen in Folge ausrichten müssen. Am Sonnabend und Sonntag stehen zunächst die Wettkämpfe beim Deutschland-Cup, der inoffiziellen Deutschen Meisterschaft in der Freien Wettkampfklasse, auf dem Programm in der Gymnastik-Halle an der Bad Gasteiner Straße.

Nur eine Woche später, vom 6. bis 8. Mai, sorgen schließlich die Gymnastinnen der Juniorenklassen sowie der Meisterklasse bei den Deutschen Meisterschaften für ein absolutes Highlight am Bundesstützpunkt. Angeführt wird das hochkarätige Feld von Jana Berezko, die sich wie auch die Nationalgruppe erst vor wenigen Tagen für Olympia qualifizieren konnte. Mehr Aufmerksamkeit in der Sportszene kann das Land Bremen kaum haben. Noch ein Grund mehr, am Bundesstützpunkt festzuhalten.

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