5. Fußball-Kreisklasse: Rote Teufel ziehen positives Saisonfazit / „Grandios, wie der Sport verbindet“ Als plötzlich die Kuh auf dem Spielfeld stand

Ganderkesee. Es passierte am 7. November 2012 während des Auswärtsspiels bei den SF Littel III. Die Fußballer des SC Rote Teufel Ganderkesee absolvierten auf der Anlage Am Helmskamp gerade ihr zwölftes Saisonspiel in der 5. Kreisklasse – und bekamen es plötzlich mit einem ungewöhnlichen Gegenspieler zu tun: Eine Kuh hatte sich auf das Spielfeld verirrt. Schiedsrichter Lothar Hartwig unterbrach die Partie sofort. Erst als das Tier den Platz wieder verlassen hatte, ging es weiter. "Der Gegner trat zwischenzeitlich mit einem zwölften Mann an", schmunzelt Jutta Lobenstein, die Trainerin der Roten Teufel. Ihre Mannschaft, in der Fußballer mit und ohne geistige Behinderung gemeinsam auflaufen, verlor das Spiel in Littel letztlich mit 0:5 – es war eine der zahlreichen deutlichen Pleiten, die die Roten Teufel in ihrer ersten Saison kassierten. Als erstes inklusives Team Niedersachsens haben sie nach der Vereinsgründung im April 2012 inzwischen ihre Premieren-Spielzeit hinter sich – und dabei eindrucksvoll gezeigt, dass es im Sport um mehr geht als nackte Ergebnisse.
15.06.2013, 05:00
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Von Daniel Cottäus

Ganderkesee. Es passierte am 7. November 2012 während des Auswärtsspiels bei den SF Littel III. Die Fußballer des SC Rote Teufel Ganderkesee absolvierten auf der Anlage Am Helmskamp gerade ihr zwölftes Saisonspiel in der 5. Kreisklasse – und bekamen es plötzlich mit einem ungewöhnlichen Gegenspieler zu tun: Eine Kuh hatte sich auf das Spielfeld verirrt. Schiedsrichter Lothar Hartwig unterbrach die Partie sofort. Erst als das Tier den Platz wieder verlassen hatte, ging es weiter. "Der Gegner trat zwischenzeitlich mit einem zwölften Mann an", schmunzelt Jutta Lobenstein, die Trainerin der Roten Teufel. Ihre Mannschaft, in der Fußballer mit und ohne geistige Behinderung gemeinsam auflaufen, verlor das Spiel in Littel letztlich mit 0:5 – es war eine der zahlreichen deutlichen Pleiten, die die Roten Teufel in ihrer ersten Saison kassierten. Als erstes inklusives Team Niedersachsens haben sie nach der Vereinsgründung im April 2012 inzwischen ihre Premieren-Spielzeit hinter sich – und dabei eindrucksvoll gezeigt, dass es im Sport um mehr geht als nackte Ergebnisse.

"Die Eingliederung von Menschen mit mentaler Behinderung in die Gesellschaft ist über den Sport vollends gelungen. Uns wird nichts geschenkt, wir wirken wie selbstverständlich mit", sagt Lobenstein – und hebt hervor: "Die Entscheidung, einen Sportverein zu gründen und für Fußballer mit und ohne Behinderung zu öffnen, war ein Volltreffer." Die Pädagogin der Lebenshilfe hatte schon seit Jahren das Ziel verfolgt, mit einer inklusiven Mannschaft in den Ligabetrieb einzusteigen. Nachdem ein erster Versuch gescheitert war, gründete Lobenstein schließlich den eingetragenen Verein SC Rote Teufel.

Rückblende, 19. August 2012: Selbst im Schatten war es an diesem Tag kaum auszuhalten. 36 Grad sorgten dafür, dass das erste offizielle Punktspiel der Roten Teufel auf der Anlage am Ammerweg zur Hitzeschlacht wurde. Mit 0:9 verloren die Gastgeber gegen die dritte Mannschaft des SV Tur Abdin, das Ergebnis war hinterher aber Nebensache. "An diesem Tag haben wir für unseren Verein Fußballgeschichte geschrieben", sagt Lobenstein über die Premieren-Partie ihrer Mannschaft.

Während die Roten Teufel bei ihren Auftritten in der Hinrunde ausnahmslos hohe Niederlagen kassierten, wurden die Resultate im Verlauf der Saison nach und nach besser – und fanden am 6. April 2013 mit dem ersten Sieg, dem 2:0 bei der SG Bookhorn II, ihren vorläufigen Höhepunkt. "Die Ergebnisse spiegeln die Entwicklung der Mannschaft gut wider", sagt Lobenstein. Vielen ihrer Jungs sei der Wechsel von den Kleinfeldspielen in der Behinderten-Liga auf das Großfeld in der 5. Kreisklasse anfangs sehr schwer gefallen. Die deftigen Pleiten hätten einige Spieler anfangs hart getroffen, "bis sich alle bewusst gemacht haben, dass viel Geduld, Gelassenheit und Arbeit gefragt ist". Nach dem Sieg in Bookhorn gewannen die Roten Teufel später noch das Spiel beim SV Atlas Delmenhorst III (2:1) und verbuchten gegen den Bookholzberger TB II, der nicht spielberechtigte Akteure eingesetzt hatte, drei Punkte am Grünen Tisch. Dass das Team am Ende trotzdem Tabellenletzter wurde, war schließlich nebensächlich.

Mittlerweile spielen zwölf Fußballer ohne geistige Behinderung in der Mannschaft. "Grandios, wie der Sport verbindet", freut sich Lobenstein, die mit den Roten Teufeln nach wie vor in der niedersächsischen Behinderten-Liga antritt und dort in Barsinghausen kürzlich einen großen Erfolg feierte: Nach einem starken Turnier scheiterte ihr Team erst im Finale nach Neunmeterschießen an der Lebenshilfe Dannenberg und holte den Vizetitel.

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