Handball-Verband Niedersachsen Alte Grenzen überwinden

Delmenhorst·Landkreis Oldenburg. Wie alle Sportarten hat auch der Handball mit den Auswirkungen des demografischen Wandels zu kämpfen. Es steht zu befürchten, dass die Zahl der Aktiven künftig deutlich sinken wird.
04.02.2012, 05:00
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Von Gunnar Schäfer

Delmenhorst·Landkreis Oldenburg. Wie alle Sportarten hat auch der Handball mit den Auswirkungen des demografischen Wandels zu kämpfen. Es steht zu befürchten, dass die Zahl der Aktiven künftig deutlich sinken wird. Der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) hat daher vor Kurzem eine Strukturkommission eingesetzt, um den Herausforderungen gewappnet entgegenzutreten.

Unter den 22 Mitgliedsverbänden des Deutschen Handball-Bundes (DHB) ist der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) mit seinen 100000 organisierten Aktiven in 700 Vereinen der flächenmäßig größte und mitgliederstärkste. Dennoch wird auch der HVN in Zukunft nicht von den Folgen einer zunehmenden Überalterung der Bevölkerung verschont bleiben. Vor allem in den Bereichen "Spieltechnik" und "Jugend"könnte ein zunehmender Mitgliederschwund für Probleme sorgen. Daher hat das erweiterte Präsidium des HVN kürzlich eine Strukturkommission unter der Leitung von Helmut Schütte (Handball-Region Südostniedersachsen) eingesetzt, die den Verband zukunftsfähig machen soll.

Bereits vor fast fünf Jahren hatte sich der HVN vom Drei-Ebenen-Modell (Verband-Bezirk-Kreis) verabschiedet und das Zwei-Ebenen-Modell (Verband-Region) installiert. Viele Kreise hatten schon damals Probleme damit, einen eigenen Spielbetrieb zu organisieren und ihre talentierten Jugendlichen entsprechend zu fördern. Das neue Modell funktionierte jedoch nur kurzzeitig, denn inzwischen ist in manchen Teilen Niedersachsens kein vernünftiger Spielbetrieb mehr möglich und viele Landestrainer bemängeln die handballerische Ausbildung der Jugendspieler. Die HVN-Auswahlmannschaften scheitern bei Länderpokalrunden zudem regelmäßig, obwohl sich der Verband zwei hauptamtliche Trainer und eine Reihe von Honorarkräften leistet.

Die eingesetzte Strukturkommission, der neben Schütte auch Werner Beie (Osnabrücker Handball-Region), Paul Brandt (Handballkreis Verden), Holger Lapschies (Handballregion Südniedersachsen) und Helmut Wöbke (HVN-Vizepräsident Spieltechnik) angehören, soll nun Wege aus der Misere aufzeigen. "Wir werden ergebnisoffen arbeiten, wobei den Bedürfnissen der Vereine Rechnung getragen werden muss, denn sie leisten die Basisarbeit", betont Schütte. Zum Beispiel soll die Zusammenarbeit mit dem Bremer Handball-Verband (BHV) optimiert werden. Schütte schwebt die Bildung von acht statt wie bislang 15 Regionen vor, die sich nicht an den Grenzen der bisherigen Kreise und ehemaligen Bezirke orientieren müssen. "Wir dürfen künftig nicht mehr in Kreis- oder Bezirksgrenzen denken, wenn wir einen geregelten Spielbetrieb garantieren wollen, dessen Kosten nicht zu hoch sind."

Die Umsetzung von Schüttes Forderung dürfte jedoch nicht einfach werden. Helmut Schuirmann, der stellvertretende Vorsitzende der Region Friesland, war beispielsweise im vergangenen Jahr an die Handballregion Oldenburg (HRO) mit dem Vorschlag eines gemeinsamen Auswahlwesens und eines gemeinsamen Spielbetriebs herangetreten. Hintergrund sind die Probleme, die die Handballregionen Ostfriesland und Friesland/Wittmund/Wilhelmshaven im Auswahlwesen und im Jugendspielbetrieb haben. Vereinsvertreter und der HRO-Jugendausschuss sprachen sich allerdings gegen Schuirmanns Idee aus, in erster Linie aus Kostengründen.

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Strukturkommission ist die Spieltechnik. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Satzungen und Ordnungen noch zeitgemäß sind, denn es müssen unterschiedliche Spielklassen angeboten werden. Dazu könnten beispielsweise vereinsübergreifende Mannschaften gebildet werden, ohne dass eine Spielgemeinschaft eingegangen werden muss", schildert Werner Beie, der in der Kommission für Satzungen und Ordnungen zuständig ist.

Fragt man die Vereinsvertreter aus der Region, so wünschen sie sich vor allem kürzere Kommunikationswege. "Hannover ist für uns sehr weit weg", sagt Jürgen Janßen, der Vorsitzende der HSG Delmenhorst. "Für viele Verbandsvertreter hört der HVN allerdings hinter Hannover auf. Auch das Auswahlwesen mit den Internaten in Hannover und Hildesheim ist nur auf die dortige Region ausgerichtet." Da ihm der persönliche Kontakt wichtig sei, befürworte er eine Anbindung an den Bremer Verband, erklärt Janßen. Zwischen dem BHV und dem HVN besteht zwar ein Kooperationsvertrag bezüglich der gemeinsamen Spielklassen, in den beginnenden Strukturprozess sind die Bremer aber nicht eingebunden. "Ich habe davon gelesen, Genaueres weiß ich nicht", sagt Jens Schoof, der Spielwart des BHV. "Wir sind aber immer aufgeschlossen für Gespräche, denn über kurz oder lang müssen wir gemeinsam etwas tun."

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