Die Frauenfußball-Abteilung des SC Weyhe hat Großes vor: Einzug ins Pokalfinale soll weiterer Meilenstein werden Ambitioniert in die Zukunft

Weyhe. Die Abteilung Frauenfußball des SC Weyhe plant den großen Wurf. Gemeint ist damit aber nicht der Aufstieg in die Regionalliga Nord, den das junge Überraschungsteam – derzeit auf Rang zwei der Verbandsliga Bremen lauernd – durchaus in Reichweite sieht.
20.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lars Lucke

Die Abteilung Frauenfußball des SC Weyhe plant den großen Wurf. Gemeint ist damit aber nicht der Aufstieg in die Regionalliga Nord, den das junge Überraschungsteam – derzeit auf Rang zwei der Verbandsliga Bremen lauernd – durchaus in Reichweite sieht. „Das würden wir natürlich nicht ablehnen“, erklärt das Trainer-Tandem Frank Bertram und Rolf Schwenke unisono, „aber der aktuelle Stand ist nur eine Momentaufnahme. Für uns ist entscheidend, dass wir uns fußballerisch weiterentwickeln, danach erst zählt das Ergebnis.“

Gemeint ist auch nicht das mögliche Finale im Bremer Lotto-Pokal, das nur noch eine gewonnene Partie entfernt liegt. Die wird am morgigen Sonntag (13 Uhr) auf eigenem Platz freilich kein Selbstläufer, denn zu Gast sind die Liga-Konkurrentinnen vom Geestemünder TV. „Geestemünde hat uns im Liga-Spiel ein ums andere Mal ins Abseits laufen lassen“, zollt Rolf Schwenke dem Halbfinalgegner großen Respekt. „Die kommen aus einer sehr kompakten Abwehr, wir müssen hellwach und voll fokussiert sein, wenn wir das Endspiel erreichen wollen.“

Doch selbst dieses populäre Pokalfinale wäre für die Macher des Weyher Frauenfußballs nur ein weiterer Meilenstein. Denn eigentlich und langfristig geht es dem momentan fünfköpfigen Team, zu dem neben den beiden Cheftrainern die Fitness- und Koordinationstrainerin Anika Braunschweiger, Teammanager Marco Evers und Torwarttrainer Markus Frank zählen, um den Aufbau einer neuen, regionalen Hochburg des Frauenfußballs, die sich auf lange Sicht an Vereinen wie Werder Bremen orientieren soll.

Reichlich Furore

Der erste Schritt in diesem ambitionierten Projekt ist mit dem bislang so erstaunlichen Auftritt der Weyher Frauen in der Hinserie der Verbandsliga gemacht, wo der Liga-Neuling für reichlich Furore sorgte. Nun sollen schnellstmöglich weitere Mannschaften in den Spielbetrieb nachgeschoben werden. Aktuell gilt die Suche vornehmlich Spielerinnen ab 14 Jahren, die in der kommenden Saison im Jugendbereich U17 antreten können, oder Fußballerinnen mit etwas mehr Erfahrung, die bei der Etablierung eines zweiten Frauenkaders mitwirken möchten. „Wir haben die volle Unterstützung des Vereins“, hält Frank Bertram mit seiner Euphorie nicht hinter dem Berg, „ausgezeichnete Trainingsbedingungen, die Fahrten werden organisiert, das ganze Umfeld hier ist sehr aufgeschlossen.“

Geworben wird bereits auf der eigenen Homepage und mit Plakataktionen. Zudem sind Kooperationen mit Schulen aus der Umgebung geplant, denn die Philosophie des Vereins sieht vor, zukünftig in erster Linie eigene Talente auszubilden. Dem Trainerteam ist die Implantierung einer mannschaftsübergreifenden Spielidee dabei besonders wichtig, die nicht zuletzt durch gemeinsame und parallel ablaufende Trainingseinheiten verfestigt werden soll. Überhaupt gehört der Begriff „Spielidee“ zum bevorzugten Vokabular der Trainer, die wollen, dass alle Spielerinnen das System als Ganzes verinnerlichen, um im Zweifelsfall flexibel auf verschiedenen Positionen einsetzbar zu sein. Im Liga-Alltag klappte das bereits gut, waren Offensivkräfte wie Jana Schierenbeck plötzlich erfolgreich in der Innenverteidigung zu sehen. Allerhöchste Flexibilität zeigte Verteidigerin Celina Ludes, die unverhofft und nach nur wenigen Übungseinheiten mit Torwarttrainer Markus Frank für einige Spiele den Posten der Torhüterin übernahm, als Stammkeeperin Laureen Ulbrich verletzt ausgefallen war. Das harmonische Zusammenspiel des für die Verbandsliga recht üppigen Trainerstabes ist neben den leistungs- und lernwilligen Spielerinnen der zweite Grundpfeiler des Weyher Erfolgsmodells. So erhält Anika Braunschweiger beispielsweise in ausnahmslos jeder Trainingseinheit eine halbe Stunde, um die Mannschaft konditionell, koordinativ und auf das folgende Training abgestimmt auf die Höhe zu bringen.

Der Erfolg: Das körperliche, technische und taktische Niveau aller Spielerinnen, unabhängig vom individuellen Leistungsstand, steigt kontinuierlich. Das Team wächst als Kollektiv auf dem Platz zusammen und kann auch in der Verbandsliga gegen körperlich robustere Mannschaften bestehen. Die engen Vorbereitungsspiele in der Winterpause gegen den Tabellenführer der Regionalliga Nord, Bramfelder SV (2:5), und gegen den Tabellensechsten TSV Havelse (2:3) beweisen, dass der SCW sich diesem höheren Leistungsniveau schon jetzt annähert. Bramfeld zeigte sich vom fußballerischen Widerstand des Underdogs derart angetan, dass bereits ein weiteres Testspiel anvisiert wurde. „Das sind Spiele, in denen wir unglaublich viel lernen“, erklärt Bertram. „Wie man gegenhalten muss, wie man das Tempo anzieht – das Ergebnis ist dann zweitrangig.“

Nur für das Pokal-Halbfinale am Sonntag gilt dieser Nachsatz ausnahmsweise einmal nicht, das Erreichen des Endspiels – selbstverständlich durch guten Offensivfußball – darf es dann schon sein. Schließlich lockt man ja auch und besonders mit spielerischen Erfolgen den gewünschten Nachwuchs in die zukünftige Weyher Frauenfußball-Hochburg. Ein Pokal-Finale käme da gerade recht.

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