Marcel Brendel war unter anderem für den 1. FC Magdeburg aktiv / Am heutigen Sonnabend tritt er mit dem Brinkumer SV in Blumenthal an Andere Rahmenbedingungen – gleicher Ehrgeiz

Brinkum. Der Brinkumer SV bestreitet am heutigen Sonnabendnachmittag das Spitzenspiel der Fußball-Bremen-Liga. Das Team von Trainer Kristian Arambasic ist ab 15 Uhr beim Tabellenführer Blumenthaler SV zu Gast.
24.10.2015, 00:00
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Andere Rahmenbedingungen – gleicher Ehrgeiz
Von Jens Hoffmann

Der Brinkumer SV bestreitet am heutigen Sonnabendnachmittag das Spitzenspiel der Fußball-Bremen-Liga. Das Team von Trainer Kristian Arambasic ist ab 15 Uhr beim Tabellenführer Blumenthaler SV zu Gast. Doch im Vergleich zu anderen Oberligen trifft ein Top-Duell in Bremens höchster Spielklasse nicht gerade auf gesteigertes öffentliches Interesse. Die Zuschauerzahlen bewegen sich nur selten im unteren dreistelligen Bereich, meistens schauen zwischen 50 und 80 Interessierte zu. Blumenthal ist da schon eine positive Ausnahme.

Und doch: Anderswo geht es anders zur Sache. Einer weiß das aus eigener Erfahrung: Marcel Brendel, Regional- und Oberliga-erfahrener Neuzugang der Brinkumer. Er kickte unter anderem in beiden Nordost-Oberligen – in der Nord- und Südstaffel, unter anderem für den BFC Dynamo Berlin. In den NOFV-Ligen tummeln sich regelmäßig Vereine, die in der DDR erst- oder zweitklassig waren. Sie verfügen nach wie vor über ein beträchtliches Stammpublikum. Deshalb seien die Rahmenbedingungen andere, so Brendel. Auch das Niveau sei höher, weil „man dort häufiger gestandene Ex-Profis findet, die immer noch gut kicken können.“ Dieses Phänomen gäbe es in der Bremen-Liga in der Fülle nicht.

Aber den 27-Jährigen stört das alles nicht. „Wenn ich auf dem Platz stehe, schalte ich die Stimmung und das Drumherum sowieso aus“, sagt er. Dann wolle er einfach nur gewinnen. Egal wo, egal wie. „Ich kann ganz schlecht verlieren“, gibt der Offensivspieler zu und muss selber schmunzeln: „Das gelingt mir nicht einmal beim Kartenspielen mit meiner Frau.“ Klar, sei es motivierend gewesen, vor 10 000 Fans für den aktuellen Drittligisten und einstigen Europapokalsieger 1. FC Magdeburg anzutreten. Auch die Zeit in Schalkes zweiter Mannschaft sei prägend gewesen, „den Mythos Schalke bekommt man auch als Regionalligaspieler mit“, weiß er zu berichten. Doch diese Atmosphäre sauge er bestenfalls vor der Partie auf, beim Einlaufen ins Stadion. Spätestens mit dem Anpfiff tauche er in einen emotionalen Tunnel ab, dann gelte seine ganze Konzentration nur noch dem Ball, dem Gegner, der eigenen Mannschaft.

Das sei auf dem Sportplatz in Brinkum im Prinzip genauso wie damals in Magdeburg. Das Umfeld ist ein paar Nummern kleiner, aber der Ehrgeiz sei der gleiche.

Den gebürtigen Berliner hat es berufsbedingt nach Bremen verschlagen. Seine Prioritäten haben sich im Laufe der Jahre verschoben: Der einstige U19-Bundesligakicker des VfL Wolfsburg, der lange an der Schwelle zum Profitum stand, betreibt Fußball nur noch als ambitioniertes Hobby. Deshalb hat ihn der Wechsel zum Brinkumer SV sogleich überzeugt.

Seine ersten Monate als BSV-Stammkraft seien grundsätzlich gut verlaufen, weil er sich im Team wohl und gut aufgehoben fühle. Das ist die eine Seite. Die andere zeugt von der Einstellung Brendels. Er selber könne nämlich durchaus noch eine Schippe draufpacken, findet er. Richtig zufrieden zeigt er sich ob der eigenen Leistungen nicht, im Moment ginge ihm ein wenig die Effektivität ab. „Ich muss mehr Tore erzielen“, bestätigt er. Die Chancen seien ja da. Das sei der Anspruch, den er an sich selber stelle. Und das wiederum sei Fluch und Segen zugleich, „denn vielleicht will ich selber auch zu viel“, vermutet Marcel Brendel. Mittelmaß passt einfach nicht zu seinem fußballerischen Selbstverständnis.

Dabei zeigt sich der Berliner von den Möglichkeiten des Brinkumer Kaders angenehm überrascht. „Dass die Mannschaft so stark ist, damit hatte ich nicht gerechnet“, gibt er ehrlich zu. Auch das Engagement von Trainer Kristian Arambasic passe sehr gut zu seinen eigenen Vorstellungen. Das frühe Aus im Bremer Landespokal dagegen gar nicht. „Damit ist uns und mir ein großes Ziel weggebrochen“, so Brendel. Bleibt also die Meisterschaft, „und für die ist die Motivation jetzt eher noch gestiegen.“ Das soll sich auch am heutigen Sonnabend in Blumenthal widerspiegeln. Dann zählt für Brendel nur der Erfolg –– wie damals beim 1. FC Magdeburg, wie beim Kartenspielen mit seiner Frau. . .

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