Wiederwahl im Bremer GOP-Theater Andreas Vroom bleibt Präsident des Bremer Landessportbunds

Auf dem Landessporttag im GOP ist Andreas Vroom als LSB-Präsident wiedergewählt worden. Ausschließlich harmonisch ging es jedoch nicht zu. Eine Kampfansage und eine Kampfabstimmung prägten die Versammlung.
24.11.2018, 18:55
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Andreas Vroom bleibt Präsident des Bremer Landessportbunds
Von Olaf Dorow

Rund dreieinhalb Stunden dauerte er, der Landessporttag im GOP, und man kann nicht sagen, dass dabei nur das Programm heruntergerasselt und alles abgenickt wurde. Man kann auch nicht sagen, dass die Mitgliederversammlung, höchstes Organ des Landessportbundes Bremen (LSB), keine Kernbotschaften entsandt hätte. Im Grunde waren es zwei, quasi eine nach außen und eine nach innen. Nach außen war es die Erneuerung einer Kampfansage: Der Sport braucht mehr Geld. Nach innen: Der Sport braucht eine Reform. Beziehungsweise der LSB eine modernere Struktur.

Auf diese Außen- sowie Innen-Botschaft reduziert, erbrachte die Veranstaltung im Theatersaal des GOP damit eine recht feine Trennung. Einerseiseits ist die Forderung an die Politik nach einer Verdopplung des Sporthaushaltes, von derzeit 7,5 Millionen Euro auf 15 Millionen, relativ unumstritten. Die Strukturreform eher nicht. „Das war mal ein Sporttag mit entsprechender Würze“, sagte der alte und neue LSB-Präsident Andreas Vroom in seiner Schlussrede. Er war zuvor von den Delegierten aus den Vereinen und Fachverbänden mit 204 Stimmen wiedergewählt worden. Bei 52 Nein-Stimmen sowie 37 Enthaltungen.

"Wir hatten Differenzen im Präsidium"

„Wir stehen vor einer grundlegenden Weichenstellung. Der strukturelle und demografische Wandel ist allgegenwärtig. Die Struktur im LSB ist nicht mehr zeitgemäß und muss meiner Ansicht nach angepasst werden“, hatte Vroom in seiner Rede gesagt. Als neuen Vizepräsidenten Sportentwicklung und Infrastruktur hatte er Norbert Köhler von den Kanu-Sportfreunden empfohlen. In einer Kampfabstimmung um das Amt im vierköpfigen Geschäftsführenden Präsidium unterlag Köhler jedoch hauchdünn, mit 137 zu 146 Stimmen, gegen die damit wiedergewählte Helke Behrendt vom Ski-Club Bremerhaven.

„Ja, wir hatten Differenzen im Präsidium“, sagte Helke Behrendt zur Struktur-Debatte, „aber immer nur intern.“ Manche hätten sich nicht mitgenommen gefühlt in den Diskussionen um ein neues Organigramm im LSB. In der Frage, welche Größe und welche Kompetenz welches LSB-Gremium haben soll. Derzeit gibt es ein 13-köpfiges ehrenamtliches Präsidium sowie 26 hauptamtliche Mitarbeiter.

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Vroom sagte im Anschluss an den Sporttag, Behrendt und er hätten beide einen Denkzettel erhalten in der Wahl. Er werde sich jedoch mit seiner Vizepräsidentin verständigen und die Aufgaben und Kompetenzen klar absprechen. „Wir kriegen das hin, ich will das nicht auf die persönliche Ebene ziehen“, sagte Vroom, und fast wortgleich äußerte sich Behrendt. Vor allem sei sie froh, dass Bremerhaven weiterhin einen Sitz im Geschäftsführenden Präsidium habe: „Denn dort wird die Politik gemacht.“ Bevor ihre Wahl feststand, hatte sie in einem Wortbeitrag eine gewisse Enttäuschung nicht verbergen können. Sie fände es schade, dass einige jetzt „keinen Bock mehr hätten, so wie es läuft“.

Andreas Vroom hatte im GOP viel Anerkennung und Lob für sich und sein Präsidiums-Team erhalten. Aber eben auch Wortmeldungen wie die von Roland Klein von Tura Bremen gab es. Er trete aus dem Präsidium zurück „aufgrund der Amtsführung des Präsidenten“. Die Würze des Plenums. Es sei kein Weg, den Mund nicht aufzumachen, nur um 100 Prozent Zustimmung zu erhalten, sagte Vroom im Anschluss an die Versammlung. Ihm steht nun für die kommenden vier Jahre ein auf sieben Positionen verändertes Team zur Seite.

Bremer Sport braucht eine intakte Infrastruktur

„Wir sind stolz auf das, was wir geschafft haben, aber mit dem Blick nach vorne konnten wir uns nicht vernünftig zusammenraufen“, sagte Vroom. Das strebe man nun mit dem neuen Präsidium an. Ziel: ein leistungsfähiger, dienstleistungsorientierter, moderner LSB. Die Neuen im Präsidium sind Thomas Trenz vom SC Borgfeld als Vizepräsident Finanzen, Personal und Marketing, Monika Wöhler als Vizepräsidenten Öffentlichkeitsarbeit, Jasmin Hoffmann von der Leher Turnerschaft (Ausbildung und Bildung), Kathy Path von der SG Marßel (Breiten- und Gesundheitssport), Anaj Gilge (Soziale Arbeit) sowie Elke Regensdorff-Gloistein (Frauen und Gleichstellung). Sie wurden ohne oder mit nur wenigen Gegenstimmen beziehungsweise Enthaltungen gewählt.

Das höchste Organ des LSB hatte am Sonnabend im GOP zumindest eine Art Ermunterung und Ermutigung von Sportsenatorin Anja Stahmann erhalten. In ihrem Grußwort an die Delegierten sagte Stahmann: „Bei der Haushaltsaufstellung werde ich mich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass mehr Geld in den Sport fließt.“

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Der Ist-Zustand ist beim Blick auf fehlende oder marode Sportanlagen in Bremen alles andere als befriedigend. Der Bremer Sport brauche eine intakte Infrastruktur, sagte Stahmann. Es dürfe nicht sein, dass Schulen ohne eine dazugehörige Sporthalle gebaut würden. Und: Bremen brauche auch einen Sportstudiengang. Vroom hält es für realistisch, dass ab 2021 wieder Sportlehrer an der Bremer Uni ausgebildet werden können.

Der Sport und seine vielfältigen gesellschaftlichen Auf- und Beiträge für die Gesundheit oder als sozialer Raum: Das kam in den Berichten und Diskussionen auf dem Sporttag immer wieder zur Sprache. Ein Kommentar des eigentlich als Kassenprüfer ans Mikrofon getretenen Christoph Rubien erhielt dabei fast den größten Beifall im Theatersaal. Keine der Parteien habe sich im Hinblick auf die Bürgerschaftswahlen im kommenden Jahr den Sport auf die Fahne geschrieben, sagte Rubien: „Besser als im Sport kann man doch keine Steuern investieren.“ Vroom hatte in seiner Rede gesagt: „Wenn der Sport keinen höheren Stellenwert erhält, sind wesentliche Teile des organisierten Sports bedroht."

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