Olympia 2024: Bremen meldet Hamburg mögliche Sportstätten für Wettkämpfe / Breite Zustimmung für Lemke-Vorstoß Anfrage auf kleinem Dienstweg

ÖVB-Arena und Weserstadion – das sind die Vorschläge Bremens für Sportstätten, die für Hamburg bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 interessant werden könnten. Begeistert zeigen sich Sportvertreter von der Idee einer Bremer Junior-Partnerschaft.
11.12.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Elke Gundel und Thorsten Waterkamp

ÖVB-Arena und Weserstadion – das sind die Vorschläge Bremens für Sportstätten, die für Hamburg bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 interessant werden könnten. Begeistert zeigen sich Sportvertreter von der Idee einer Bremer Junior-Partnerschaft.

Zwischen Bremen und Hamburg hat es bei der Vorbereitung einer Hamburger Olympia-Bewerbung erste Kontakte gegeben. Dabei ging es um adäquate Sportstätten für die mögliche Ausrichtung von olympischen Wettbewerben, erklärt die Sprecherin von Sportsenator Ulrich Mäurer (SPD), Rose Gerdts-Schiffler. Während die Politik eine mögliche Rolle Bremens als olympischer Juniorpartner zurückhaltend, aber meist wohlwollend bewertet, gehen Vertreter des Bremer Sports gegenüber dem WESER-KURIER in die Offensive.

So beurteilt Wolfgang Schönecker, Vorsitzender der Sportstiftung Bremen, die Idee uneingeschränkt positiv: Die „dolle Geschichte“ würde einen „Schub für den Nachwuchsleistungssport in Bremen“ mit sich bringen: „Auf dieser Welle könnten wir lange surfen. Was Willi Lemke gesagt hat, unterstütze ich voll.“

Lemke hatte eine Olympia-Partnerschaft Bremens mit Hamburg in seiner Rolle als UN-Sonderberater für Sport zur Sprache gebracht (wir berichteten). Sollte Hamburg tatsächlich den Zuschlag für eine Olympia-Ausrichtung erhalten, werde Bremen als Veranstaltungsort „Teil der Spiele sein“, erklärte Lemke. Hamburg und Berlin positionieren sich zurzeit für die Rolle als deutsche Bewerberstadt um die Ausrichtung der Sommerspiele 2024 oder 2028.

Auch der Bremer Handball-Veranstalter Thomas Gerster hält viel von Lemkes Idee. „Das kann ich mir lebhaft vorstellen“, sagte Gerster, der in Bremen unter anderem 2007 die Ausrichtung einer WM-Vorrundengruppe organisiert hatte.

Vorrunden-Wettkämpfe denkbar

Lemkes Vorstoß ist tatsächlich mehr als nur ein Schuss ins Blaue. Ein ernstes Interesse Hamburgs an einer Zusammenarbeit scheint es tatsächlich zu geben. Im Vorfeld der eigenen Olympia-Bewerbung habe Hamburg mehrere norddeutsche Städte gefragt, welche Sportstätten dort infrage kämen, sollte die Elbmetropole tatsächlich den Zuschlag erhalten.

Die Antwort aus Bremen laut Rose Gerdts-Schiffler: „Wir haben das Weserstadion und wir haben die ÖVB-Arena.“ Außerdem sei Bremen Bundesstützpunkt für die Rhythmische Sportgymnastik und verfüge deshalb über eine wettkampftaugliche Trainingsanlage. Also sei den Hamburger Kollegen übermittelt worden: Denkbar wären Vorrunden-Wettkämpfe etwa im Volleyball, im Basketball, im Fußball oder in der Rhythmische Sportgymnastik. Der Austausch zwischen beiden Hansestädten habe aber lediglich zwischen den Sportämtern, also sozusagen auf kleinem Dienstweg stattgefunden. Offizielle Treffen oder gar Absprachen habe es nicht gegeben.

Allerdings schränkte die Sprecherin ein: „Es werden hier garantiert keine neuen Spezialsportstätten gebaut. Bremen würde Hamburg in einem solchen Fall natürlich unterstützen. Aber Bremen würde nur eine kleine Rolle spielen.“

Seitens der bremischen CDU-Bürgerschaftsfraktion gibt es einen Antrag mit dem Titel „Olympia nach Norddeutschland holen“, der im Sommer von der rot-grünen Parlamentsmehrheit abgelehnt worden ist. „Wir wollten, dass Bremen genau wie Mecklenburg-Vorpommern und wie Schleswig-Holstein die Hamburger bei ihrer Bewerbung unterstützt“, betont der sportpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Erwin Knäpper. Er könne nicht nachvollziehen, warum die SPD und die Grünen in Bremen diesem Vorstoß ablehnend gegenüberstanden. „Vermutlich, weil der Antrag von der Opposition kam.“ Deshalb, betont Knäpper, begrüße er, dass Lemke das Thema noch einmal in die Öffentlichkeit gerückt habe.

„Grundsätzlich ist es toll, wenn Olympische Spiele stattfinden und sich Sportlerinnen und Sportler in dem olympischen Geist sportlich betätigen“, findet Mustafa Öztürk, sportpolitischer Sprecher der Grünen-Bürgerschaftsfraktion. Aber das sei nur die eine Seite. Auf der anderen Seite steht die Frage, welche Kosten für Bremen mit einem solchen Engagement verbunden wären. Bislang sei das Internationale Olympische Komitee (IOC) nach dem Motto verfahren: „Friss oder stirb.“ Das sei für ihn nicht akzeptabel. Deshalb habe seine Fraktion den Antrag der CDU im Sommer abgelehnt.

Mittlerweile habe das IOC zwar erste Schritte für größere Transparenz eingeleitet – so sollen etwa die Verträge mit den Ausrichtern veröffentlicht werden. Solange jedoch unklar sei, in welchem Umfang und zu welchen Konditionen sich Bremen tatsächlich beteiligen könne, fehlten schlicht die nötigen Informationen für eine Entscheidung.

Ähnlich äußert sich die sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Petra Krümpfer. Sie sehe die Sache nach wie vor „sehr skeptisch“. Ihre Position: Ein finanzielles Engagement Bremens komme nicht infrage.

Björn Fecker, Präsident des Bremer Fußballverbandes, betont dagegen: „Sportliche Ereignisse in Deutschland sind toll.“ Und zu der Möglichkeit, dass im Weserstadion Vorrunden-Spiele des olympischen Fußballturniers ausgetragen werden könnten, sagt er: „Internationales Flair ist doch eine Bereicherung für das Weserstadion.“

Warnemünde positioniert sich

◼ Olympische und paralympische Segelwettbewerbe auf der Ostsee vor Warnemünde sind einer Studie zufolge gut zu realisieren. Die Wettbewerbe könnten mehrere Kilometer westlich und östlich der Hafenzufahrt ausgetragen werden, sagte Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie.

Einer ersten Schätzung zufolge könnten durch die Segel-Wettbewerbe Kosten von rund 32 Millionen Euro entstehen. Bei dem olympischen und paralympischen Segelwettbewerben werde von etwa 800 Teilnehmern ausgegangen.

Ebenfalls Kandidaten als Segel-Ausrichter sind Kiel und Lübeck-Travemünde. Kiel war bereits 1936 und 1972 während der Sommerspiele in Berlin und München im Boot. Rostock-Warnemünde scheiterte 2004 als Segelstandort der Leipziger Bewerbung für die Spiele 2012.

(N)Olympia äußert Skepsis

◼ Die Reformen des Internationalen Olympischen Komitees werden von den Olympia-Kritikern in Hamburg interessiert beobachtet. Dennoch bleibt ihre Skepsis bestehen.

„Dass Olympia anders strukturiert werden muss, ist auch dem IOC klar“, sagte Dirk Seifert von der Initiative (N)Olympia Hamburg. „Wir haben zur Kenntnis genommen, dass auch Bewerber mit weniger Ressourcen Chancen auf Olympische Spiele haben. Wir lesen aber auch davon, das es sich bei den Beschlüssen eher um Marketing-Maßnahmen handelt.“

Seifert, der mit drei anderen Olympia-Kritikern einen Internet-Blog betreibt, will weitere Erklärungen vom IOC. „Was ist mit der Steuerbefreiung vor den Spielen und währenddessen? Was ist mit der Bannmeile um Olympia-Stätten, wo einige Unternehmen ein Verkaufsmonopol erhalten? Wir fordern Transparenz“, sagte Seifert.

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