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Apmann und der Coup von Maasen

Auf der Favoritenliste stand er nicht - und dennoch jubelte Sebastian Apmann vom RRV Schwarme bei den Kreismeisterschaften der Reiter im Springen. Zwei starken Ritten auf San Benito sei Dank.
20.08.2019, 16:05
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup
Apmann und der Coup von Maasen

In der Prüfung der Klasse L legten Sebastian Apmann und San Benito den Grundstein für den Kreismeistertitel.

Thorin Mentrup

Maasen. Eigentlich war er ohne große Erwartungen nach Maasen gefahren. Auf den Kreismeistertitel der Reiter im Springen hatte sich Sebastian Apmann vom Reit- und Rennverein Schwarme 1897 keine Hoffnungen gemacht. „Da hatte ich schon ein paar andere auf dem Zettel“, gab der 29-Jährige zu. Doch es kam, „wie es so häufig kommt im Leben: ganz anders“, sagt er und lacht. Denn am Ende stand Apmann selbst ganz oben auf dem Treppchen und sicherte sich den Meistertitel – noch ein Grund mehr zum Feiern, als er am Montag dem Stoppelmarkt in Vechta mit seinen Freunden einen Besuch abstattete. „Das ist eine jahrelange Tradition. Jetzt passte es natürlich wunderbar zusammen“, meinte er.

Als ernster Kandidat auf die Meisterschaft brachte sich Apmann in der ersten der beiden Teilprüfungen in Stellung. „Das erste Springen ist perfekt gelaufen“, fasste der in Osnabrück lebende BWL-Master-Student den Wettbewerb der Klasse L zusammen. Neun Hindernisse, darunter eine Kombination, meisterten er und sein neunjähriger Hannoveraner Wallach San Benito fehlerfrei. Mit 50,78 Sekunden setzte sich das Duo an die Spitze. Diese Zeit war für die Konkurrenz ein Brett. Selbst Torsten Barmbold, Titelverteidiger und einer der Favoriten, kam mit fehlerfreien 52,11 Sekunden nicht ganz an sie heran. Schneller war nur Rebecca Siemering auf Caro Coletta. Als Amazone des RG Bücken-Wietzen fiel ihr Resultat aber freilich nicht in die Kreismeisterschafts-Wertung.

Volles Risiko

Auf der Pole Position startete Apmann also in die Prüfung der Klasse M*. Seine Devise: alles riskieren, zumal er relativ früh an der Reihe war. Ein guter Durchgang würde die Konkurrenz gewaltig unter Druck setzen. Dann aber erlaubten sich Apmann und San Benito einen Patzer, vier Fehlerpunkte wanderten auf ihr Konto. „Dafür sind wir trotzdem gut durchgekommen“, blickte der Schwarmer dennoch durchaus zufrieden auf den Lauf zurück. Wie viel dieser Durchgang in 55.30 Sekunden wert sein sollte, zeigte sich nach einer Weile: Der Parcours forderte allen Startern einiges ab, und nur ein Mitglied des Kreispferdesportverbandes Diepholz bewältigte ihn fehlerfrei: Lea Göhring (RuF Scharnhorst St. Hülfe-Heede) hatte auf Stacy allerdings in der L-Prüfung acht Fehlerpunkte gesammelt und kam daher unter dem Strich nicht mehr ganz an Apmann und San Benito heran. Der Coup des Duos war perfekt.

Der Titel kam für den 29-Jährigen umso überraschender, da er gar nicht so häufig auf Turnieren unterwegs ist. 15 bis 20 schaffe er im Jahr, erklärte er. Das liegt daran, dass er sich auch im Parcoursbau betätigt. „Da muss man sich die Zeit natürlich einteilen“, sagte Apmann, dessen Lehrmeister der in Groß Mackenstedt wohnhafte Joachim Cordes ist. „Mit ihm bin ich viel unterwegs, um von ihm zu lernen.“ Ob diese Leidenschaft ihm auf dem Weg zum Titel geholfen hat? „Es hilft vielleicht, dass eine oder andere besser einschätzen zu können“, meinte er und wagte einen Perspektivwechsel: „Es ist sicherlich aber auch so, dass man durch das Reiten ein besserer Parcourbauer wird.“

Viel Zeit für San Benito, der in einem Pensionsstall untergekommen ist, nimmt sich Apmann dennoch. Beide trainieren täglich gemeinsam. Seit sechs Jahren ist der Wallach beim Schwarmer. Er habe ihn komplett selbst ausgebildet, sagt der 29-Jährige nicht ohne Stolz. „Man feilt immer daran, noch besser zu werden“, investiert er viel Zeit ins Training. Prüfungen bis zur Klasse M* reiten die beiden gemeinsam, „im nächsten Jahr wollen wir auf zwei Sterne hochgehen“, verriet Apmann. 1,35 Meter hohe Hindernisse gilt es dann zu bewältigen, zehn Zentimeter mehr als in der aktuellen Klasse. Der Schwarmer sieht noch gute Entwicklungsmöglichkeiten: „San Benito ist ja auch noch nicht so alt.“ Fest steht für Apmann derweil: Sein erster Hannoveraner war ein echter Glücksgriff. „Abgeben will ich ihn auf keinen Fall.“

Die Leidenschaft für den Reitsport liegt in der Familie: Vater Horst, übrigens unter den Zuschauern in Maasen, ist selbst ein guter Reiter, nun ist er als Vorsitzender des RRV Schwarme aktiv. Er brachte seine Leidenschaft auch seinem Sohn Sebastian nahe, der „mit fünf, sechs Jahren“ zum ersten Mal im Sattel saß – und nun seinem Familiennamen und auch dem Verein alle Ehre machte.

Zwei Titel nach Heiligenfelde

Stark waren die Reiterinnen und Reiter unseres Verbreitungsgebiets auch in den anderen Meisterschaftsprüfungen. So verteidigte Uwe Stradtmann vom RFV Diek-Bassum auf Feeling Good in der Dressur der Reiter seinen Titel und setzte sich vor Vereinskollegin Silke Müller auf Carino amico durch. Auch bei den Junioren/Jungen Reitern mischten die Bassumer weit vorn mit, Sina Stüwe musste sich auf Quintus Sertorius lediglich Tomke Oeckermann (RFV Maasen-Sulingen) auf Blind Date SF geschlagen geben. Vorjahressiegerin Charlotte Esseling vom RV Heiligenfelde landete mit Rock on top auf dem vierten Rang. Im Springen der Junioren/Jungen Reiter ging der Sieg an Esselings Vereinskollegin Neele Catharina Nolte, die sich auf Clara Mia durchsetzte. Hier landete Sina Stüwe, dieses Mal auf Applejack Punch, auf dem vierten Rang, direkt vor Insa Mühlenbrch vom RV Sudweyhe auf Cuddeldaddeldu.

Groß war der Jubel in Heiligenfelde auch über das Abschneiden der Mannschaft beim Standartenwettkampf: Justine Platter, Stefanie Nelson, Franziska Richter und Charlotte Esseling sicherten sich den Gesamtsieg nach drei Prüfungen. Das Team um Ina Thalmann hatte die Nase mit 549,00 Punkten vorn und holte wie bereits im Vorjahr den Titel. Auf Rang drei landete der RV Heiligenrode 2 mit Laetitia Iken, Melina Dierks, Annalena Peplies und Carina Singer. Mannschaftsführerin war Lea Alina Ziegler.

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