FC Verden 04 Arnhold spielt sich in den Vordergrund

Verden. Mit 1,70 Metern und 66 Kilogramm zählt Alexander Arnhold nicht gerade zu den Respekt einflößenden Fußballspielern im Mittelfeld des FC Verden 04. Trotzdem hat es der 19-jährige innerhalb von vier Monaten in die Schwergewichtsklasse geschafft.
17.01.2013, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Ehrhard Müller

Verden. Mit 1,70 Metern und 66 Kilogramm zählt Alexander Arnhold nicht gerade zu den Respekt einflößenden Fußballspielern im Mittelfeld des FC Verden 04. Trotzdem hat es der 19-jährige Youngster beim Landesligisten innerhalb von vier Monaten in die Schwergewichtsklasse geschafft. In seiner ersten Saison als Herrenfußballer auf drei verschiedenen Positionen eingesetzt, verzeichnete Arnhold 13 von 17 möglichen Startelfeinsätzen, erzielte drei Tore und schaffte es obendrein, Kapitän und Führungsspieler Tim Becker vorübergehend auf die Ersatzbank zu verdrängen.

Der Verdener Alexander Arnold, ein Groß- und Außenhandelskaufmann im ersten Lehrjahr, ist noch 19 Jahre jung, doch um den Fußball beim FC Verden 04 hat er sich schon große Verdienste erworben. Noch für die A-Junioren spielberechtigt, lief er in der Schlussphase der vergangenen Saison zweimal für die abstiegsbedrohte Kreisliga-Mannschaft auf und schoss auf Anhieb zwei Tore. Verdens Zweite gewann letztendlich den Kampf um den Klassenerhalt.

Rund drei Jahre zuvor hatte "Alex" dem FC Verden 04 eine Aufstiegsfeier ermöglicht. Er schoss das goldene Tor im Auswärtsspiel gegen den VfL Stade, und die B-Junioren durften in die Niedersachsenliga aufsteigen. Wäre es beim 0:0 geblieben, die SV Ahlerstedt/Ottendorf hätte das Meisterschaftsrennen gemacht. Seitdem hat vor allem Florian Kastens eine hohe Meinung von den universell einsetzbaren Alexander Arnhold, den er anerkennend als Straßenfußballer bezeichnet: "Ein kleiner Rohdiamant mit einer begnadeten Technik und einem überraschend stark ausgeprägten Kopfballspiel."

"Ich lebe für den Sport", sagt Alexander Arnhold über sich selbst. Er hat in der Vergangenheit auch schon Basketball, Tischtennis oder Volleyball ("Quasi alles, was mit einem Ball zu tun hat") gespielt, doch seine größten Erfolge feiert er als Fußballer. In drei Niedersachsenliga-Spieljahren mit den B- und A-Junioren des FC Verden 04 hat er sich die Wettkampfhärte angeeignet, die ihm in diesen Wochen in der Landesliga Lüneburg zugute kommt. Obwohl nur 66 Kilogramm leicht und mit 1,70 Metern nicht übermäßig groß gewachsen, lief er in 13 von bislang 17 Saisonspielen mit der Startelf des auf Tabellenplatz fünf durchgestarteten Aufsteigers auf. "Ich gehe keinem Zweikampf aus dem Weg. Auf dem Fußballplatz ist es nicht wichtig, ob man kräftig gebaut ist, sondern dass man seinen Körper geschickt einsetzt", stellt Alexander Arnhold klar. Das ist ihm in den vergangenen vier Monaten offenbar gelungen.

Drei Landesliga-Tore geschossen

Der Youngster hat auch schon drei Saisontore für den FC Verden 04 geschossen. Im Derby gegen den TSV Etelsen gelang ihm per Kopf das Führungstor, und in den Begegnungen mit dem VSK Osterholz-Scharmbeck und VfL Lüneburg schlugen Volleyschüsse Arnholds im gegnerischen Kasten ein. Das große FC-Talent profitiert nicht zuletzt von seiner vielseitigen Verwendbarkeit auf dem Fußballplatz. Er kommt überwiegend als Sechser zum Einsatz, ging aber auch schon als Zehner und Spieler auf der offensiven Außenbahn ans Werk. Das Zentrum des Mittelfeldes betrachtet Arnhold jedoch als den Ort seiner Bestimmung. "Ich bin kein Fußballer, der nur eine einzige Position spielen kann. Ich würde es beispielsweise auch als Innenverteidiger probieren, wenn der Trainer mich da aufstellt. Doch ich möchte immer da sein, wo der Ball ist. Ich will ihn verteilen und meine Mitspieler füttern." Co-Trainer Florian Kastens denkt inzwischen ähnlich über seinen Schützling, der beim FC Verden 04 zu den trainingseifrigsten gehört. "Auf der Außenbahn ist ’Alex’ eindeutig verschenkt."

Zu Beginn seiner Karriere das Trikot des Verdener Stadtteilklubs Borsteler FC tragend (bis zur D-Jugend), eignete sich Alexander Arnhold seine fußballerischen Fähigkeiten überwiegend auf Bolzplätzen und den Pausenhöfen Verdener Schulen an. Dort ist er in Gesellschaft seiner gleichgesinnten Freunde noch heute in nahezu jeder Stunde seiner Freizeit anzutreffen. Arnhold kennt nahezu alle Hausmeister der Verdener Schulen und kann verlässlich sagen, wer von ihnen den Freizeitkickern wohl gesonnen ist oder sie umgehend von den Schulhöfen vertreibt. Inzwischen haben Arnhold & Co auf dem weitläufigen Gelände der Verdener Kreisverwaltung eine dauerhafte wie ungestörte Wirkungsstätte gefunden.

Erst das vergangene Wochenende war charakterisch für die Freizeitgestaltung Alexander Arnholds – sie stand ganz im Zeichen des Fußballs. Von Freitag auf Sonnabend beteiligte er sich in Ottersberg an einem Nachtturnier für Freizeit-Mannschaften. Arnholds achtköpfiges Verdener Team, in Anlehnung an die scharfen Klingen eines Nassrasierers als FC Gillette 08 angetreten, bestritt um drei Uhr nachts das Finale und konnte es zu seinen Gunsten entscheiden. Den Sonntagvormittag verbrachte der in den Fußball vernarrte Verdener in der Realschulsporthalle. Dort trugen die U13-Junioren des FC Verden 04 ein Pokalturnier aus. Sie werden seit vier Jahren von Alexander Arnhold und dem ehemaligen Zweitliga-Profi Jan Sievers trainiert. Am frühen Sonntagnachmittag ging es für Arnhold schließlich weiter nach Bad Fallingbostel. Dort feierte die Erste des FC Verden 04 einige Stunden später den unangefochtenen Gesamtsieg beim Hallenturnier des Kreisligisten SV Eintracht.

Einen Tag ohne Fußball betrachtet Alexander Arnhold als "verschenkten Tag". Davon erlebt er gerade mehr als ihm lieb sind, denn der FC Verden 04 wird erst im März aus der Winterpause zurückkehren. Am morgigen Freitag setzt er immerhin die Trainingseinheiten fort, um sich auf den Rest der Saison 2012/13 (erstes Punktspiel am 3. März) vorzubereiten. Doch "Alex" hat aus der Not längst eine Tugend gemacht – er begleitet seinen Vater, er heißt mit Vornamen auch Alexander, zum Jogging im Verdener Stadtwald. Ebenfalls mit von der Partie: Lord, der Schäferhund der Arnholds. Inzwischen hat auch Bruno Gefallen an dem Treiben von Vater und Sohn gefunden. Er ist der Mops, den sich die Familie kürzlich zugelegt hat.

Beim FC Verden 04 ist das Gerangel um die beiden Positionen im defensiven Mittelfeld nicht mehr so groß wie zu Saisonbeginn. Der in Oldenburg tätige Polizist Daniel Müller, Kapitän der Bezirksliga-Meisterschaft, hat seinen Spielerpass inzwischen abgeholt. Mit Arnhold, dem neuen Mannschaftsführer Tim Becker, Muhamed Özer und Rekonvaleszent Nick Grodecki gibt es aber immer noch vier Kandidaten. Inzwischen konnte Youngster Alexander Arnhold seine Ausgangsposition deutlich verbessern. Zu Saisonbeginn hatte er sich noch hinten anzustellen gehabt und gab sich mit dem Mittelfeldspieler-Ranking überhaupt nicht zufrieden. Nach einem Kurzeinsatz im ersten Saisonspiel gegen Jahn Schneverdingen und dem kranheitsbedingten Ausfall im Auswärtsspiel gegen Eintracht Elbmarsch durfte er am dritten Spieltag sein Debüt in der Startelf geben – nach Arnholds Empfinden zu spät. "Damals hat der Trainer uns jungen Spielern empfohlen, Geduld mitzubringen. Doch bei mir sind seine Worte in das eine Ohr reingegangen und aus dem anderen sofort wieder rausgegangen. Die erste Elf muss doch nach Leistung aufgestellt werden."

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