Die HipHop-Tänzer des TSV Uesen haben den Rhythmus im Blut und sind hungrig nach neuen Erfolgen

Auf dem Sprung ins Glück

Uesen. Im Hintergrund sind die Geräusche einer fahrenden U-Bahn zu hören, Jugendliche tummeln sich in den Gängen und auf den Plätzen. Die Türen öffnen sich und alle strömen hinaus, laufen quer durcheinander.
03.12.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Niklas Golitschek
Auf dem Sprung ins Glück

Die Tanzgruppe „Movesty“ des TSV Uesen besteht inzwischen seit mehr als zehn Jahren und hat in dieser Zeit bereits etliche Podestplätze belegt. Aktuell arbeiten die 15 jungen Mädchen und ihr einer männlicher Begleiter an einer neuen Choreografie.

Björn Hake

Im Hintergrund sind die Geräusche einer fahrenden U-Bahn zu hören, Jugendliche tummeln sich in den Gängen und auf den Plätzen. Die Türen öffnen sich und alle strömen hinaus, laufen quer durcheinander. Was sich nach Alltag in der Großstadt anhört, ist dieses Mal in Wirklichkeit das, was die HipHop-Tanzgruppe des TSV Uesen derzeit im Training einstudiert – denn jeder Schritt muss sitzen, um am Ende eine gelungene Choreografie auf die Beine zu stellen. Im Moment feilen sie am Beginn der insgesamt dreieinhalbminütigen Vorführung.

„Movesty“ nennt sich die 16-köpfige Teenager-Gruppe um Trainerin Isabel Cybulski, der Kern tanzt seit nunmehr zehn Jahren in dieser Formation. 15 Mädchen und ein Junge haben sich dem „Streetdance“ verschrieben. In ihre Tänze fließen Elemente aus den Bereichen HipHop oder Breakdance ein, getanzt wird zu aktuellen Hits wie „Whip It!“ von LunchMoney Lewis ft. Chloe Angelides.

„Stadtleben“ heißt das Motto, das „Movesty“ im kommenden Jahr tänzerisch umsetzen will. „Wir müssen uns jetzt fragen, wie vertanzt man Laufen oder Shoppen, sodass der Zuschauer es versteht?“, erklärt Cybulski. Mit der U-Bahn-Szene sei der passende Ton bereits getroffen worden. Es ist aber nur eines von vielen Elementen, die später die Choreografie ergeben sollen. Sechs Monate dauert es, bis die Musik ausgewählt ist und alle Schritte sitzen. Manche Sachen funktionieren schon jetzt gut – etwa wenn Dario auf Finjas Schultern klettert und dann einen Rückwärtssalto zeigt. Nur an der Geschwindigkeit müsse noch gearbeitet werden, sagt Cybulski. „Das muss später schneller und im Rhythmus zur Musik sein“, erklärt die Trainerin. Die Ansätze gefallen ihr aber.

An anderen Stellen hapert es allerdings noch. Beim Durcheinanderlaufen kollidieren manche Tänzer miteinander, weil nicht alle gleich schnell laufen. Die Drehung auf dem Boden läuft ebenfalls noch nicht synchron, weil nicht alle den genauen Ablauf verinnerlicht haben. „Wir können das noch gar nicht“, sagt eine Tänzerin nach einem der ersten schnelleren Versuche. „Deswegen üben wir es ja“, erwidert die Trainerin, anschließend gehen sie den Ablauf noch einmal Schritt für Schritt durch, lösen Unklarheiten auf und werden wieder schneller. All diese Feinheiten übt „Movesty“ in den Trainingseinheiten, am Ende muss alles auf die Sekunde genau passen. „Als Trainer muss man Geduld haben“, weiß Isabel Cybulski. „Manchmal geht es ganz schnell und bei vermeintlich leichten Sachen gibt es Probleme. Da muss man schauen, wo es hakt.“

Spätestens, wenn die nächste Ausgabe des „Dance2u“ stattfindet, will die Gruppe die Choreografie quasi im Blut haben. Drei Mal haben sie den großen niedersächsischen Tanzwettbewerb schon gewonnen, zwei Mal die Vizemeisterschaft geholt und ein Mal sind sie mit Bronze nach Hause gefahren. „Wir sind dort die erfolgreichste Mannschaft“, sagt die Trainerin stolz. Inzwischen gebe es sogar eine Fangemeinde, die die Gruppe jedes Jahr anfeuere. Zuletzt überzeugten sie mit dem Thema „Auf der Goldsuche“.

Aber nicht nur an Wettbewerben nimmt „Movesty“ teil, es gibt auch Aufführungen auf diversen Veranstaltungen. Überhand sollen die Turniere nämlich nicht nehmen. „Die Tänzerinnen brauchen ein gewisses Ziel“, weiß die Trainerin. Bei zu vielen Wettbewerben bliebe aber nicht mehr die Zeit, um neue Elemente auszuprobieren. Isabel Cybulski gibt dabei aber keineswegs allein den Ton an – jeder der Akteure solle sich einbringen. Zu einem ausgewählten Musiktitel denken sich die Tänzer in Gruppen daher kleine Choreografien aus, die beste wird mit aufgenommen. „Das sind viele Ideen, die man Stück für Stück einbaut“, erklärt sie. Mehrmals betont die Trainerin auch, wie wichtig es sei, Spaß und Disziplin miteinander zu verbinden. Für Blödeleien zwischendurch ist immer Platz, wenn es danach wieder konzentriert zu Werke gehe.

Veränderungen für die Zukunft sind ebenfalls bereits geplant. „Wir wollen jetzt mehr auf Akrobatik setzen“, erklärt die Trainerin. Ausprobiert werde beispielsweise ein „Handstand Freeze“: ein Handstand, bei dem der Tänzer sich nur mit einem Arm abstützt und den anderen am Rücken hält. Da muss verständlicherweise erst einmal die richtige Technik verinnerlicht und die notwendige Körperspannung aufgebracht werden. Im Training üben die Tänzer daher noch auf Matten, später haben sie nur den Hallenboden unter sich.

Aber auch im Training ist die Körpersprache wichtig. Deswegen läuft die Musik bereits, wenn sich die Gruppe aufwärmt. Ob Schritte zur Seite, Sprünge, Dehn- und Lockerungsübungen oder Liegestütze – alles passiert im Takt zur Musik, oft wird dabei im Rhythmus geklatscht. Erste Tanzelemente fließen schon mit ein. Die monatelange Übung – sie konzentriert sich auf eine dreieinhalbminütige Aufführung, die den Tänzern alles abverlangt. Am Ende muss alles sitzen und harmonisch aussehen. Da kommt dann manchmal erst kurz vorher die Ernüchterung. „Dann muss man die Choreografie ändern, wenn es nicht synchron ist“, sagt Cybulski, „lieber etwas Leichteres nehmen und es dann sauber machen.“ Der Auftritt als Einheit sei schließlich einer der zentralen Bestandteile.

Eine Einheit ist die Gruppe auch abseits der Tanzfläche. „Wir machen regelmäßig Aktionen außerhalb des Trainings, die Gruppe unternimmt privat viel miteinander. Das fördert den Zusammenhalt“, sagt die Übungsleiterin. Den benötiget die Formation auch, wenn sie über Monate und Jahre miteinander tanzen und die Choreografien einstudieren will. Dass die Schwächen mit der Zeit ausgemerzt werden, wissen sie alle. Und so klappt es dann auch dieses Mal nach mehreren Anläufen .

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