Fußball-Frauen des FC AS Hachetal widerlegen ihren Ruf als Fahrstuhlmannschaft Auf dem Weg zum neuen Image

Die Frauen des FC AS Hachetal haben mit einer starken Saisonleistung in der Fußball-Bezirksliga Hannover den ersten Schritt zu einem neuen Image getan: Nie wieder Fahrstuhlmannschaft! In einer mit drei Landesliga-Absteigern hochklassig besetzten Liga belegte das Team des Trainer-Duos Hartmut Lammertz/Thomas Schwarze in der Abschlusstabelle den fünften Rang. Doch die abgelaufene Spielzeit bot noch viel mehr Besonderheiten.
07.07.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lars Lucke

Die Frauen des FC AS Hachetal haben mit einer starken Saisonleistung in der Fußball-Bezirksliga Hannover den ersten Schritt zu einem neuen Image getan: Nie wieder Fahrstuhlmannschaft! In einer mit drei Landesliga-Absteigern hochklassig besetzten Liga belegte das Team des Trainer-Duos Hartmut Lammertz/Thomas Schwarze in der Abschlusstabelle den fünften Rang. Doch die abgelaufene Spielzeit bot noch viel mehr Besonderheiten.

Affinghausen. "Es ist das beste Ergebnis, das wir jemals in Hachetal eingefahren haben", blickt Hartmut Lammertz gut gelaunt zurück. "Wir waren zu keiner Zeit abstiegsgefährdet und haben über weite Strecken richtig guten Fußball gespielt." Erste Voraussetzung für den erfolgreichen Verlauf war eine Kooperation mit den Nachbarn des TV Neuenkirchen. Speziell im Offensivbereich benötigte Hachetal dringend personelle Verstärkung, denn – so viel hatten sie aus der Abstiegssaison 2009/2010 gelernt – allein mit gut organisierter Defensivarbeit lässt sich die Klasse nicht halten.

Also steckten die Vorstände beider Vereine die Köpfe zusammen und kamen zu einem sinnvollen Ergebnis. Wenig später stießen mit Lena Käsemeyer, Katharina Günnemann, Karina Kastens und Anne Behrensen vier ehemalige TVN-Akteurinnen zum Kader hinzu. Gleich in den ersten Spielen zeigten die Stürmerinnen Käsemeyer und Günnemann, dass nun mit einer treffsicheren Flügelzange auf Hochgeschwindigkeitsniveau zu rechnen war.

In der Eröffnungspartie kauften die Hachetalerinnen dem Landesliga-Absteiger HSC Hannover II mit 2:1 den Schneid ab, im zweiten Spiel wurde der favorisierte VfB Wülfel auf dessen Platz mit 4:2 überrumpelt. Es sollte mehr als ein Fingerzeig für die gesamte Saison sein, insbesondere was die Spielweise anging.

Defensiv hatte der FC AS Hachetal um die routinierte Bärbel Niemeyer schon immer sehr diszipliniert agiert, nun war das spielstarke Mittelfeld mit Susanne Möller, Karina Kastens oder Ulrike Jäschke ständig bemüht, das Tempo zu variieren und die pfeilschnellen Stürmerinnen in Szene zu setzen. Ob Tammy Müller, Jacqueline Schumacher oder Katharina Knobling – der Torhunger breitete sich zunehmend in der ganzen Mannschaft aus und machte die Offensivabteilung unberechenbar.

Rekordspielerin tritt ab

Natürlich musste auch der eine oder andere Rückschlag verkraftet werden. Gegen Ahlten II setzte es eine 0:3-Schlappe, noch schlimmer war die 0:1-Heimpleite gegen die späteren Absteigerinnen vom SC Steinhude. "Aber solche Niederlagen haben uns in diesem Jahr nicht aus dem Konzept gebracht", verweist Lammertz auf das gewachsene Selbstbewusstsein seiner Überraschungstruppe. Im Rückspiel in Steinhude revanchierte sich der FC AS prompt mit einem überdeutlichen 6:1-Erfolg.

Selbstbewusstsein, Gelassenheit, Bezirksligaerfahrung – all das verkörperte in den vergangenen Monaten noch einmal Hachetals Legende Bärbel Niemeyer, die als Libera in den meisten Partien die Abwehr organisierte und mit ihrer Autorität auf und neben dem Platz die Mitspielerinnen immer wieder zu Höchstleistungen antrieb. Im besten Fußballerinnenalter von 42 Jahren und mit sagenhaften 606 Spielen für ihren Klub im Gepäck hat sie nun ihre aktive Laufbahn beendet. Leicht ist ihr der Abschied allerdings nicht gefallen: "Lust hätte ich ja noch gehabt", gesteht die Rekordspielerin, "aber die Halswirbel vertragen diese vielen Kopfbälle einfach nicht mehr."

Nach 26 Jahren und Einsätzen auf nahezu allen Positionen – einschließlich einem Besuch zwischen den Pfosten – fordert also der Körper seinen Tribut. Ab und an trainieren muss natürlich dennoch drin sein, und wenn wirklich mal Not an der Frau ist, weiß das Trainerteam sicher, wo es nachfragen kann. Dabei traut Niemeyer ihrer Ex-Mannschaft auch in der kommenden Saison viel zu: "Hartmut Lammertz und Thomas Schwarze machen das sehr gut. Wenn die Mannschaft so weiterspielt, bleibt sie auf jeden Fall im Bezirk."

Das deckt sich ungefähr mit der Einschätzung der beiden Übungsleiter: "Im zweiten Jahr nicht absteigen – das müssen wir jetzt einfach mal hinkriegen", wünscht sich Hartmut Lammertz. Die Voraussetzungen sind so schlecht nicht. Neben Bärbel Niemeyer wird zwar auch Katharina Günnemann wegen eines Auslandsaufenthalts aussetzen, ansonsten bleiben aber alle Spielerinnen an Bord. Zudem soll die eine oder andere Verstärkung den Kader ergänzen. Mit dem FC AS Hachetal darf folglich auch in der kommenden Saison gerechnet werden.

Auf dem Weg zum neuen Image

Fußball-Frauen des FC AS Hachetal widerlegen ihren Ruf als Fahrstuhlmannschaft

Zitat:

"Die Halswirbel vertragen die vielen Kopfbälle

einfach nicht mehr."

Bärbel Niemeyer, FC AS Hachetal

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