Gothia-Cup in Göteborg

Auf den Spuren von Pirlo, Shearer und Co.

Achim-Uesen. Wie schon in den vergangenen Jahren sind auch wieder Nachwuchsteams aus dem Landkreis Verden beim mittlerweile größten Juniorenturnier der Welt mit von der Partie und wandeln dabei auf den Spuren vieler späterer Weltstars.
11.07.2013, 05:00
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Auf den Spuren von Pirlo, Shearer und Co.
Von Malte Bürger
Auf den Spuren von Pirlo, Shearer und Co.

Zehn Stunden Busfahrt warten auf die Jugend-Fußballer des TSV Uesen: Am Sonntag machen sie sich auf den Weg nach Schweden. Dort nehmen sie am Gothia-Cup teil. Im Laufe der Jahre ist das Turnier zum weltgrößten Wettbewerb für Junioren-Mannschaften geworden.

Strangmann

Achim-Uesen. Am Sonntag geht es wieder los, pünktlich um 5 Uhr macht sich der große Bus des TSV Uesen auf den Weg. Zehn Stunden Fahrt liegen vor den 44 Insassen. Und wie in jedem Jahr heißt das Ziel: Göteborg.

Die zweitgrößte Stadt Schwedens verwandelt sich seit 1975 ein Mal jährlich in das Mekka des Juniorenfußballs. Aus allen Teilen der Welt reisen die Nachwuchskicker an, um sich mit Vereinsmannschaften der anderen FIFA-Verbände zu messen. Die Uesener Talente gehören mittlerweile zum festen Inventar, allein Trainer Marcel Steinführer ist zum 14. Mal in Skandinavien dabei, einst sogar als Spieler. Insgesamt schickt der Verein zum 17. Mal eine Delegation ins Rennen. "Für mich ist die Veranstaltung fast schon besser als eine Weltmeisterschaft, weil man mitunter gegen noch exotischere Mannschaften spielen kann", erzählte Steinführer.

Einen richtigen Exoten haben die Uesener dann auch tatsächlich bekommen. Im Boys-16-Wettbewerb tritt Steinführers Trainerkollege Nils Kutsch mit den älteren TSV-Akteuren in der Vorrundengruppe unter anderem gegen Aga Khan Mzizima aus dem ostafrikanischen Tansania an. Eher ein fußballerisches Entwicklungsland, aber zweifelsfrei ein bleibendes Erlebnis. "Und wenn wir Glück haben, heißt das schon einmal, dass wir nicht Letzter werden", meinte Kutsch augenzwinkernd.

Insgesamt steht der Leistungsgedanke bei den beiden Coaches jedoch im Hintergrund. "Wir wollen in erster Linie eine Woche voller Spaß haben, Kontakte knüpfen, vielleicht Freundschaften schließen und einfach das Miteinander unter den Mannschaften genießen", erklärte Marcel Steinführer. "Natürlich gibt es dort auch Teams, die unbedingt gewinnen wollen und daher immer nur die besten Spieler aufbieten. Aber das ist nicht unser Weg. Alle unsere Jungs soll zum Einsatz kommen – schließlich will am Ende doch jeder zu Hause erzählen, dass er gegen eine schwedische oder aber eben tansanische Mannschaft gespielt hat."

Die Uesener sind nicht die einzigen Kreis-Vertreter, die sich auf den Weg in den hohen Norden machen. Der TV Oyten reist mit einem Jungenteam an, das bei den Boys 12 auf zwei schwedische Vertreter und die türkische Performance Football Academy trifft. Der FSV Langwedel-Völkersen ist bei den Boys 15 dabei und darf sogar etwas WM-Luft schnuppern, denn unter anderem steht ein Duell mit dem brasilianischen Vertreter Pinheiros E.C. auf dem Programm. Da stört es dann auch kaum, dass die umtriebigen Organisatoren aus Schweden einen Fehler in die ansonsten perfekt geführte Internetseite des Gothia-Cups eingebaut haben. So wurde der FSV in seinem Porträt kurzerhand 500 Kilometer weiter südlich angesiedelt und in die Region Kaiserslautern verfrachtet.

Es sind Anekdoten wie diese, die das Turnier so liebenswert machen. Auch Marcel Steinführer hat in den vergangenen Jahren unzählige erlebt, während er insgesamt rund 500 Kindern "die schönste Woche des Jahres", ermöglicht hat, wie er selbst sagt. "2010 hatten wir die große Ehre, bei der Eröffnungsfeier im ausverkauften Ullevi-Stadion für Deutschland einzulaufen", erinnerte er sich. "In dem Jahr hatte Lena zuvor beim Eurovision-Song-Contest gewonnen, folglich wurde ihr Lied dann bei unserem Einmarsch gespielt. Das Publikum war begeistert, eine tolle Atmosphäre."

Ähnliches gelte für die Stimmung auf den vielen Plätzen. "Da wird gesungen, angefeuert und manchmal schon beim Warmmachen getanzt", schilderte er. "Wildfremde Mannschaften unterstützen sich spontan, weil sie aus dem gleichen Land kommen. Andere wiederum haben sich in den riesigen Schulen, die als Unterkünfte dienen, kennengelernt und feuern sich nun gegenseitig an." Darüber hinaus werde ein enormes Rahmenprogramm auf die Beine stellt, Jugend-Discos gibt es ebenso wie Betreuer-Partys. Die Verkehrsmittel stehen, wie auch alle Touristenattraktionen in Göteborg, kostenfrei für alle Sportler zur Verfügung.

Einen zusätzlichen Ansporn für die jungen Fußballer gibt es obendrein: Mehrere Weltkarrieren haben beim Gothia-Cup ihren Anfang genommen, unter anderem zauberten der frühere englische Nationalstürmer Alan Shearer, die Ex-Profis des FC Bayern München Alan McInally und Zé Roberto sowie Italiens Superstar Andrea Pirlo oder der spanische Weltmeister Xabi Alonso bereits dort. Die Kreis-Verdener befinden sich also in guter Gesellschaft.

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