Fußball Auf einmal Assistent

Er kam als Beobachter und war dann Linienrichter: Andreas Henzes erlebte einen kuriosen Nachmittag beim Bezirksliga-Spiel zwischen dem TSV Bassum und dem SV Heiligenfelde.
19.08.2019, 16:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup

Bassum. Wenn Andreas Henze auf die Fußballplätze der Region fährt, hat er immer eine Tasche dabei. Darin: seine Schiedsrichter-Ausrüstung. So auch am Sonntag, als er sich auf den kurzen Weg zum Bezirksliga-Spiel zwischen dem TSV Bassum und dem SV Heiligenfelde machte. Eigentlich war er nur als Beobachter vor Ort, doch es kam anders – und er war auf einmal als Linienrichter gefragt.

Nach dem Spiel musste Henze, bekanntlich auch Vorsitzender des Fußball-Kreises Diepholz, selbst darüber schmunzeln, „dass ich nochmal in der Bezirksliga an der Linie stehe“. Bis zur Kreisliga pfeift der Bassumer, der seit 35 Jahren als Unparteiischer aktiv ist, noch. Einst gehörte er zum Verbandskader, zog sich dann aber auf Bezirksebene zurück und leitete überwiegend Landesliga-Partien. Die Bezirksliga war für ihn also alles andere als ein unbekanntes Leistungsniveau.

Doch wie kam es überhaupt zu diesem ungeplanten Einsatz? Eine ganze Weile vor dem Spiel hatte Henzes Telefon geklingelt, am Ende der Leitung war Frank Waldhecker, Schiedsrichter-Ansetzer des Fußballkreises Nienburg. „Er hat erzählt, dass das Gespann später kommt“, blickt Henze zurück. Wilken Bargemann und seine beiden Assistenten Janik Bartz und Arne Toepsch hatten einen Unfall gehabt – „zum Glück ohne Personenschaden“, wie Henze feststellt. Er überbrachte die Nachricht beiden Mannschaften, nahm noch einmal selbst Kontakt mit Bargemann auf. „Da stellte sich dann heraus, dass das Auto nicht mehr fahrtüchtig war“, erklärt er. Damit war klar: Bargemann wird nicht kommen. Kurzerhand bot sich Henze selbst als Unparteiischer an. „Das habe ich schon ein paar Mal gemacht, einmal sogar bei einem Spiel auf Bezirksebene.“ Trotzdem sei die Situation dieses Mal eine andere gewesen: Als Bassumer ein Bassum-Spiel zu leiten, wäre nicht optimal gewesen. Henze hätte nicht als Heimschiedsrichter durchgehen, aber auch nicht wegen dieser Befürchtung zu hart gegen den TSV urteilen wollen. „Beides wäre nicht gerecht gewesen“, beschreibt er die Zwickmühle, in der er sich befand.

Umso erfreuter war er über die Kommunikation mit beiden Vereinen. „Alle haben konstruktiv diskutiert und haben ihre Ideen, aber auch Bedenken eingebracht.“ Kurzzeitig stand die Lösung im Raum, einen Bassumer und einen Heiligenfelder zum Linienrichter zu machen, bis Bassums Ole Scharf, ebenfalls als Schiedsrichter aktiv, fragte, wo der Unfall denn genau passiert sei. Henze griff noch einmal zum Handy und bekam die Antwort: Neubruchhausen. Beinahe um die Ecke. „So entstand die Idee, Janik und Arne abzuholen. Man kann vor beiden nur den Hut ziehen, dass sie sich bereit erklärt haben, das Spiel noch zu leiten“, lobte Henze seine jungen Kollegen aus dem Kreis Nienburg, die Bassums Co-Trainer Andreas Merdon abholte. Mit mehr als 50 Minuten Verspätung betraten die Unparteiischen dann das Spielfeld. Überraschend lief Janik Bartz in der Mitte. Henze war wie Toepsch Linienrichter. „Wenn man zwei Neutrale hat, macht es Sinn, das einer von ihnen pfeift. Das war eine ideale Lösung für alle“, nahm der Bassumer freiwillig die Assistentenrolle an und überließ Bartz, ansonsten Kreisliga-Schiedsrichter, die Spielleitung.

Henze ging seine Aufgabe ohne Nervosität an. „Ich wäre sicherlich nervöser gewesen, wenn ich als Schiedsrichter angetreten wäre“, verrät er. Auch das Spiel selbst erlebte er relativ entspannt. „Die Mannschaften haben sich äußerst fair verhalten. Sie haben es uns leicht gemacht“, lobt er beide Teams rückblickend. Nur zwei härtere Fouls habe es gegeben, in beiden Fällen habe die Kommunikation mit Bartz sehr gut funktioniert. Obwohl sie noch nie zusammen auf dem Platz gestanden hatten, hatten die Unparteiischen einen guten Draht zueinander. Mit den Trainern Torsten Klein und Torben Budelmann hatte Henze indes wenig zu tun. Er war auf der Tribünenseite unterwegs – und musste sich von den vielen Bekannten unter den Zuschauern auch den einen oder anderen Spruch anhören: „Als wir in die Pause gegangen sind, hat jemand gerufen: ‘Der Assistent ist echt gut!’ Als ich mich deshalb umgedreht habe, kam nur die Ansage: ‘Nicht du, wir meinen den anderen’“, lacht er. Henze hatte seinen Spaß – und auch ein bisschen Muskelkater am Montag. „Aber das macht nichts. Wichtig war, dass das Spiel über die Bühne gegangen ist.“ Und obwohl er erst eine knappe Stunde später als erwartet daheim war, hatte er doch etwas Zeit gespart: „Die Nachbearbeitung der Beobachtung hätte sicher noch etwas länger gedauert“, grinst er.

Am kommenden Wochenende wird Henze übrigens wieder als Beobachter im Einsatz sein, zweimal sogar. Auch dann wird er eine Tasche im Kofferraum seines Autos haben. Darin: seine Schiedsrichter-Ausrüstung – nur für den Fall der Fälle.

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