Die Fußball-Frauen des SV Heiligenfelde steigen nach ihrem zweiten Relegationssieg in die Landesliga auf – 4:1 gegen den TSV Havelse II

Auf Nervosität folgt Souveränität

Heiligenfelde. Er stapfte die Seitenlinie auf und ab, gab seinem Team mal mehr, mal weniger lautstarke Anweisungen oder suchte kurz die Ablenkung durch einen Plausch mit den Zuschauern. Kim Neubert war in jedem Fall nervös.
05.06.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Auf Nervosität folgt Souveränität
Von Dennis Schott

Er stapfte die Seitenlinie auf und ab, gab seinem Team mal mehr, mal weniger lautstarke Anweisungen oder suchte kurz die Ablenkung durch einen Plausch mit den Zuschauern. Kim Neubert war in jedem Fall nervös. Der Trainer der Fußball-Frauen des SV Heiligenfelde schaute im finalen Relegationsspiel um den Landesliga-Aufstieg gegen den TSV Havelse II ständig auf seine Uhr, machte gar keinen Hehl daraus, dass er sich den Abpfiff herbeisehne – selbst eine halbe Stunde vor dem Ende, als sein Team das Geschehen schon längst im Griff hatte. Aber dann war er da, der Abpfiff, der den 4:1 (1:1)-Erfolg und den Aufstieg der Heiligenfelderinnen endgültig perfekt machte – und schließlich auch den Puls von Kim Neubert merklich senkte.

Das Paradoxe daran: Kim Neubert hatte bei seinen Schützlingen genau das moniert, was er selber nur schwerlich unter Kontrolle brachte: die Nervosität. Die war bei den Heiligenfelderinnen in den ersten 20 Minuten mehr als spürbar. Stockfehler, Fehlpässe, nicht eingehaltene Positionen – die Liste kleinerer und größerer Mängel fiel nicht eben kurz aus. Zu allem Überfluss wussten die Gäste aus Havelse, die für einen Aufstieg einen hohen Sieg gebraucht hätten, dies für sich zu nutzten: Nachdem Jana Rauch mit ihrem Schussversuch zuerst an SVH-Schlussfrau Carolin Jordan gescheitert war, erzielte Dilara Zararsiz per Nachschuss die frühe Führung (7.).

Die Verunsicherung im Heiligenfelder Team wurde nicht weniger. Im Gegenteil. Die Gastgeberinnen wirkten im Vergleich zu ihrem Sieg im ersten Relegationsspiel gegen den SC Hemmingen-Westerfeld (3:1), der zur Folge hatte, dass für das zweite Spiel bereits ein Remis genügt hätte, sehr gehemmt. Die Spielerinnen aus Havelse waren meistens gedankenschneller, die Heiligenfelderinnen traten dem mit unbändiger Laufbereitschaft und großem Einsatz entgegen, was größtenteils reichte, um den Gegner vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Doch dann: Erreichte Goalgetterin Anika Wilms, auf die das gesamte Offensivspiel der Heiligenfelderinnen zugeschnitten war, ein Steilpass von Anica Lüdecke, den sie prompt mit dem Tor zum 1:1 abschloss (34.). Ein Tor, das die Gastgeberinnen erleichtert aufatmen, aber beileibe nicht beruhigend agieren ließ – auch wenn dieser eine Punkt bereits zum Aufstieg gereicht hätte.

Erst mit dem Wiederanpfiff zeigte der SV Heiligenfelde jenes Gesicht, mit dem er die Vizemeisterschaft in der Bezirksliga einfuhr, nachdem er in der Saison zuvor schon die Kreisliga-Meisterschaft perfekt gemacht hatte. Die Gastgeberinnen erspielten sich nun Chance um Chance. Nachdem Anika Wilms alleine auf das gegnerische Tor zugelaufen und gescheitert war (47.) und nur zwei Minuten später eine Hereingabe von Tanita Häfker knapp verpasst hatte, sorgte Milena Köitsch mit ihrem (allerdings nicht unhaltbaren) Schuss für die 2:1-Führung (55.).

Als dann Anika Wilms nur drei Minuten später auf 3:1 erhöhte, wussten die Heiligenfelderinnen, dass ihr der Sieg und der Aufstieg kaum noch zu nehmen sein würden. Die Sicherheit kehrte zurück. „Auf einmal klebt der Ball am Fuß“, schüttelte Coach Neubert ungläubig den Kopf, als er die starke Anica Lüdecke einen hohen Ball annehmen sah. Und er sagte auch, dass sein Team die ganze Saison über eigentlich einen anderen Fußball gezeigt habe.

Nachempfinden konnten die rund 150 Zuschauer dies in der finalen halben Stunde, in der sich allein der eingewechselten Marielle Kruse drei Hochkaräter boten, ehe sie den 4:1-Schlusspunkt setzte. Der Rest war Jubel.

SV Heiligenfelde - TSV Havelse II 4:1 (1:1)

SV Heiligenfelde: Jordan – Hickmann, Obst, Brunken (40. Wätje), Lüdecke, Schmidt, Köitsch, Helms, Wilms (60. Kruse), Häfker, Rathkamp.

Tore: 0:1 Dilara Zararsiz (7.), 1:1 Anika Wilms (34.), 2:1 Milena Köitsch (55.), 3:1 Wilms (58.), 4:1 Marielle Kruse (80.). (dsc)

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