SV Tur Abdin Aus den eigenen Reihen

In dieser Saison rettete sich der Fußball-Bezirksligist am finalen Spieltag. Nun soll ein Umbruch folgen. Neuer Trainer ist der ehemalige Spieler Christian Kaya.
30.05.2017, 17:40
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Aus den eigenen Reihen
Von Michael Kerzel

Delmenhorst. Bis zum finalen Spieltag zitterte der SV Tur Abdin in der just abgelaufenen Fußball-Bezirksliga-Saison um den Klassenerhalt. Nach der Entlassung von Trainer Helmut Klußmann im April, der seinerseits erst in der Winterpause übernommen hatte, holte das Team unter Interimscoach Daniel Yousef vier Siege aus fünf Spielen und blieb gerade so in der Liga – noch an Ostern schien das nahezu undenkbar. Gerne hätte Edib Özcan, Sportlicher Leiter bei Abdin, mit Yousef als Trainer weitergemacht. Doch dieser wollte das Amt nicht dauerhaft übernehmen. Der Bezirksligist präsentierte nun trotzdem eine interne Lösung: Der ehemalige Abdin-Spieler Christian Kaya übernimmt den Trainerjob. „Wir wollten jemanden aus unseren Reihen, der unsere Mentalität kennt und sportlich etwas vorzuweisen hat“, beschreibt Özcan die Vorgaben bei der Suche. Kaya sei zu seiner aktiven Zeit für seine Disziplin und dafür, dass er von sich und seinen Mitspielern viel verlange, bekannt gewesen.

Es wird die erste Station als Trainer für den 28-Jährigen sein, der seine Spielerlaufbahn 2015 endgültig beenden musste, nachdem er ein kurzes Comeback versucht hatte. Bereits 2013 hatte er sich alle Bänder im Knie gerissen und war lange ausgefallen. „Ich wollte dem Fußball und gerade diesem Verein, meinem Verein, verbunden bleiben und habe nicht lange überlegt, als der Verein auf mich zugekommen ist“, sagt Kaya. Er sei sich sicher, dass er der Aufgabe gewachsen ist, sein Ehrgeiz sei groß. „Wir sind uns des Risikos bewusst, dass er noch keine Trainererfahrung hat“, teilt Özcan mit. Er hoffe auf den Nagelsmann-Effekt und eine langfristige Zusammenarbeit. Etwas, dass es zuletzt bei Tur Abdin und seinen Trainern nicht gegeben hatte. Viel schlimmer als in der zurückliegenden Saison könne es jedoch kaum laufen, meint der Sportliche Leiter. „Christian hat unser vollstes Vertrauen. Wir sind von ihm überzeugt. Und wir sind uns sicher, dass sich unsere Spieler für ihn ins Zeug legen werden“, sagt Özcan.

„Wir haben viel hin- und herüberlegt und dann festgelegt, dass den Umbruch jemand begleiten soll, der jung ist. Die Spieler haben großen Respekt vor Christian und haben sehr positiv reagiert, als er bei der Saisonabschlussfeier zu den Jungs gesprochen hat“, berichtet Özcan. Und auch die ersten Gespräche zwischen ihm und Kaya seien positiv gewesen. „Es war gleich ein großes Interesse von ihm da“, sagt Özcan. In der Saison 2011/12 schoss Kaya die Abdiner zur Meisterschaft in der Kreisliga. „Ich kenne die ganzen Leute nicht nur in sportlicher Hinsicht, sondern auch privat“, berichtet Kaya.

Wie wichtig das sei, hätten zuletzt die Spiele unter der Leitung von Yousef und Özcan selbst gezeigt, meint der Sportliche Leiter: „Wir ärgern uns etwas weniger und wissen, wie wir mit den Spielern umgehen müssen.“ Ein Problem, Sportliches und Privates zu trennen, sieht Kaya nicht. „Ich werde das direkt ansprechen. Jeder wird fair behandelt. Wer sportliche Entscheidungen persönlich nimmt, ist kein echter Sportler. Und wir sind alle Sportler“, stellt der 28-Jährige klar. In der kommenden Saison soll er einen großen Umbruch leiten. Özcan wünscht sich eine Saison ohne Abstiegssorgen, die Plätze acht bis zwölf gibt er als Ziel aus. „Mit Christian und einer veränderten Mannschaft wollen wir in der kommenden Saison die verlorengegangene Konstanz in unser Team zurückbringen“, berichtet Özcan. Einen gesicherten Mittelfeldplatz hält auch Kaya für realistisch. „Der Kader wird dafür stark genug sein“, meint er.

Die ersten Personalentscheidungen stehen bereits fest: Roman Seibel verlässt den Verein nach drei Jahren Bezirksliga und kehrt zu seinem Stammverein, dem TV Dötlingen, zurück. „Wir bedauern, dass er geht, können das aber verstehen. Er kommt aus der Ecke und kennt die Jungs dort und möchte wieder mit ihnen zusammenspielen. Er hat sich immer vorbildlich verhalten“, erklärt Özcan. Zudem wechselt Martin Demir zum TuS Heidkrug. „Er wurde bei uns meistens nur in der Zweiten eingesetzt und war Ergänzungsspieler in der Bezirksligamannschaft. Er wünscht sich mehr Einsatzzeiten und sieht bei Heidkrug größere Chancen“, berichtet Özcan. Er kündigte zudem weitere Abgänge an.

Neuzugänge werde es mehrere geben, Namen nannte der Sportliche Leiter noch nicht. Lediglich, dass die Spieler keine Mitläufer, sondern direkte Verstärkungen sein sollen, verrät er. Jeweils eine Zusage von Akteuren für das zentrale Mittelfeld und die Defensive habe er bereits. Zudem seien Gespräche mit fünf, sechs weiteren Spielern teilweise weit vorangeschritten. Ab sofort ist Christian Kaya in die Gespräche involviert. Eventuell kämen zudem noch Leute, die bereits mit Kaya zusammen auf dem Platz standen und wieder mit ihm arbeiten wollen, mutmaßt Özcan. „Jeder Zugang wird mindestens Kreisliga-Niveau haben mit Potenzial, bei uns das Bezirkslevel zu erreichen“, verspricht er.

Auch Daniel Yousef bleibt den Abdinern erhalten – in welcher Position bleibt abzuwarten. „Wir besprechen das mit ihm noch, aber wenn er Zeit und Lust hat, kann er gerne was im Verein machen. Vielleicht als Sportdirektor oder er nimmt meine Stelle ein. Ich mache das ja auch schon lange“, spielt Özcan mehrere Gedanken durch. Letztlich liege es an Yousef, was dieser wolle. „Er hält sich auf jeden Fall fit und kickt auch noch weiter“, sagt Özcan.

Die Vorbereitung bei Tur Abdin beginnt voraussichtlich Anfang Juli. Bis dahin will sich Kaya „richtig reinarbeiten“ ins Trainergeschäft. Er habe bereits begonnen, sich die Taktik von professionellen Trainern anzuschauen, und lese sich in Trainingslehre ein. „Training aus Spielersicht ist natürlich was völlig anderes als aus Trainersicht“, sagt Kaya. Neuland für ihn, auf das er sich akribisch vorbereite.

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