Deutschlands Urlaubsunterbrecher unterliegen den USA im Testspiel nicht unverdient mit 1:2 Aus der Puste

Köln. Bis zum Beginn der zweiten Halbzeit musste das Kölner Publikum warten, dann kam der Liebling, der „Poldi“, doch noch zum Einsatz. Ein extra lauter Applaus brandete auf, als Bundestrainer Joachim Löw Podolski auf das Spielfeld schickte, das der Spieler in einem Interview mit dem DFB-Magazin gerade erst sein „Wohnzimmer“ genannt hatte.
11.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Aus der Puste
Von Marc Hagedorn

Bis zum Beginn der zweiten Halbzeit musste das Kölner Publikum warten, dann kam der Liebling, der „Poldi“, doch noch zum Einsatz. Ein extra lauter Applaus brandete auf, als Bundestrainer Joachim Löw Podolski auf das Spielfeld schickte, das der Spieler in einem Interview mit dem DFB-Magazin gerade erst sein „Wohnzimmer“ genannt hatte. Ob dem 124. Podolski-Länderspiel noch viele folgen werden? Der Kölner Fußballprinz trug zwar die Kapitänsbinde, muss sich intern aber immer stärkerer Konkurrenz erwehren. Podolskis Langzeit-Perspektive ist fraglich.

Fest steht dagegen: Zum Saisonabschluss im eigenen Land war den Zuschauern gute Unterhaltung geboten worden. Es gab Tore, Chancen für noch mehr Tore und ein zumindest phasenweise überraschend flottes Fußballspiel, das aus deutscher Sicht nicht unverdient mit 1:2 (1:1) verloren ging. Kurz vor Schluss erzielte Bobby Wood, der sonst das Trikot des Zweitliga-Absteigers Erzgebirge Aue trägt, das Siegtor für die starken US-Boys.

Bundestrainer Joachim Löw hatte im Vorfeld der Partie erzählt, dass er seine Spieler, die zum Teil schon einen Kurzurlaub hinter sich hatten, daran erinnern musste, eine der Aufgabe angemessene Spannung aufzubauen. Die Urlaubsunterbrecher hatten damit eine Halbzeit lang keine großen Probleme – erst nach der Pause bauten die deutschen Spieler merklich ab.

Zunächst war alles flott: Es dauerte nur zwei Minuten, da gab’s den ersten Eckball für die deutsche Elf. Einen Hackentrick von Andre Schürrle und einen Kopfball von Antonio Rüdiger später folgte schon die erste Großchance nach schöner Kombination über Patrick Herrmann, Mario Götze und Mesut Özil.

Das sah nicht nach lästiger Pflichterfüllung, sondern nach Spielfreude aus. Vor allem in der zwölften Minute: Da zeigte der Gladbacher Länderspieldebütant Patrick Herrmann, weshalb er in den Planungen des Bundestrainers demnächst womöglich eine richtig große Rolle spielen wird. Kurzer Antritt, schnelle Ballannahme und wenige Augenblicke später lag der von Herrmann gepasste Ball bei Mario Götze, der überlegt zur deutschen Führung abschließen konnte – 1:0.

In dem Tempo ging es zwar nicht weiter, aber wer konnte das nach einem harten Nach-WM-Jahr auch erwarten. Nur zwölf Weltmeister standen in Köln in Löws Kader. Für ein paar gute Kombinationen, meist unter Beteiligung von Herrmann, sowie zwei Top-Chancen für Götze (31., 33.) reichte es trotzdem.

Vorne ließ Löws Team gute Chancen aus, hinten fing es plötzlich an, bedenklich zu wackeln. Dort spielte eine Viererkette, die der Boulevard „Baby-Abwehr“ getauft hatte. Gerade einmal die Erfahrung aus 22 Länderspielen versammelte das Quartett Sebastian Rudy, Shkodran Mustafi, Antonio Rüdiger und Jonas Hector bei einem Durchschnittsalter von rund 23 Jahren.

Schürrle aktiv – aber unglücklich

Wenigstens 40 Minuten lang stand die Abwehr um Mustafi, hinter dem eine starke Saison beim FC Valencia liegt, so sicher, dass die Amerikaner meist nur über Fernschüsse dem deutschen Tor nahe kamen. Oder über lange Bälle gefährlich wurden, wie kurz vor der Pause: Da reichte ein langer Diagonalpass von Ex-Bundesliga-Profi Michael Bradley und ein kurzes Zögern von Sebastian Rudy, damit Mix Diskerud freie Bahn hatte – schon stand es 1:1 (41.). Gyasi Zardes hätte wenig später um ein Haar sogar noch das 2:1 für die Gäste gemacht, zielte aber zu hoch.

Und sonst? Über den vom FC Barcelona angeblich heiß begehrten Ilkay Gündogan lief zunächst fast jeder deutsche Angriff, ehe der Noch-Dortmunder etwas abtauchte. Andre Schürrle, nach seiner Rückkehr aus England mit einem persönlich enttäuschenden Halbjahr beim VfL Wolfsburg, war sehr aktiv, forderte viele Bälle, lief sich gut frei – ihm glückte aber wie so oft zuletzt nicht alles. Jonas Hector schließlich, neben Podolski der zweite Lokalmatador des Abends, hatte offensiv gute Szenen.

Und die Amerikaner? Fünf Tage nach ihrem 4:3-Sieg gegen Holland lieferten die Spieler von Jürgen Klinsmann die erwartete Gegenwehr. Sie rücken der Weltspitze näher. Robust im Zweikampf und stets gefährlich im Angriff traten die US-Boys auf, die sich auf den Gold-Cup, die Nord- und Mittelamerika-Meisterschaft, vorbereiten. Für die Klinsmänner wird es damit erst noch ernst. Löws Mannschaft muss am Sonnabend noch einmal gegen Gibraltar ran. Dann ist Urlaub. So richtig.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+