Der FC Bayern geht ohne viele Stammspieler auf seine USA-Tour – und muss einen Spagat zwischen New York und Lederhose finden Ausflug in die weite Welt

München. Carlo Ancelotti hat nicht einen Hauch von Klagen über die Agenda erkennen lassen. Gut finde er die strapaziöse PR-Reise des FC Bayern durch die USA mitten in der Vorbereitung, sagte der neue Trainer.
25.07.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maik Rosner

München. Carlo Ancelotti hat nicht einen Hauch von Klagen über die Agenda erkennen lassen. Gut finde er die strapaziöse PR-Reise des FC Bayern durch die USA mitten in der Vorbereitung, sagte der neue Trainer. Verwundern konnte diese Gelassenheit über die elftägige Tour höchstens auf den ersten Blick. Denn Ancelotti, 57, wäre nicht nur schlecht beraten, wenn er sich gleich kritisch seinem neuen Arbeitgeber gegenüber äußern würde.

Der Coach weiß zudem von seinen vorherigen Stationen Real Madrid, Paris Saint-Germain, FC Chelsea, AC Mailand und Juventus Turin genau, dass es für die europäischen Topklubs nicht mehr allein ums nationale Wirtschaften geht, sondern um weltweite Auftritte im Ringen um Marktanteile und Marketingerlöse. Am Sonnabend ein 3:0-Sieg im Testkick beim Landesligisten SpVgg. Landshut, an diesem Montag Abflug nach Chicago. Für Ancelotti die übliche Terminhatz, der ein Trainer bei einer internationalen Branchengröße ausgesetzt ist.

Sichtbar wird im Fall des FC Bayern allerdings, wie knifflig es für den Verein ist, die eigenen Wurzeln mit den Anforderungen der Internationalisierung zu vereinen. Dass die Münchner, wie den Test in Landshut, die USA-Tour ohne zahlreiche Stammspieler und dafür mit mehreren Nachwuchskräften bestreiten werden, erzählt ebenso vom schwierigen Spagat der zweigleisigen Strategie. Für Big Apple und Lederhose will der Verein gleichzeitig stehen. „Wir tragen das ‚Mia san Mia‘ in die Welt hinaus“, nennt das der für die Internationalisierung zuständige Vorstand Jörg Wacker.

Mia are Mia, wenn man so will, jedenfalls auf den Reisestationen Chicago, Charlotte und New York mit den Spielen gegen AC Mailand (27. Juli), Inter Mailand (30. Juli) und Real Madrid (3. August). Die Partien sind Teil des International Champions Cup. Als zweiter deutscher Verein ist Borussia Dortmund durch die Spiele gegen Manchester United (4:1) und Manchester City (28.7.) in China involviert. Zudem sind in diesem Sommer noch der FC Schalke und FSV Mainz in China und den USA. Ein wichtiger Beitrag der nationalen Konkurrenz, die internationale Bundesligavermarktung zu stärken.

Ebenso wie für die Konkurrenz geht für die Münchner sportlich darum, in der kommenden Saison in den Pflichtspielen erfolgreich zu sein. Weshalb man sich zu einem Kompromiss der Vernunft entschieden hat: Die bei der EM geforderten Nationalspieler Manuel Neuer, Mats Hummels, Thomas Müller, Joshua Kimmich, Robert Lewandowski, Renato Sanches und Kingsley Coman werden nicht mitreisen, ebenso wie die verletzten Jérôme Boateng, Arjen Robben und Douglas Costa. Boateng wird allerdings in New York für PR-Auftritte erwartet. Der Innenverteidiger urlaubt in den USA und verfolgt dort eigene PR-Interessen.

Die Münchner verweisen darauf, dass diese Strategie nicht nur erforderlich ist, sondern auch Erfolge verzeichnet. „Die Internationalisierung ist alternativlos“, sagt Wacker, „als großer Klub muss man global denken und handeln.“ Er räumt ein, dass der FC Bayern besonders im Vergleich zu Vereinen aus der englischen Premier League Nachholbedarf habe. Aber er glaubt, dass der Vorsprung der Konkurrenz geringer werden wird, da die eigenen Konzepte in den beiden „Fokusmärkten“ (Wacker) USA und China auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit ausgelegt seien.

Seit 2014 unterhält der FC Bayern in Manhattan unweit der 5th Avenue ein eigenes Büro. Am 1. September soll in Shanghais Wirtschaftszentrum Pudong eine zweite Außenstelle des Vereins mit sechs Mitarbeitern in Betrieb gehen. „Wer mit den Großen spielen will, muss in die Welt“, sagt Wacker und verweist auf das enorme Potenzial der Märkte USA und China. Erste Sponsorenverträge wurden mit einem Autoreifen- und einem Kopfhörerhersteller (jeweils USA) sowie einem Mineralwasserkonzern (China) geschlossen, eine weitere Partnerschaft soll in den USA folgen. Dort ist laut Wacker in zwei Jahren die Zahl der FC-Bayern-Fanklubs von neun auf 102 gestiegen. Um Merchandisingerlöse geht es auch in China. Dorthin werden die Münchner wie zuletzt 2015 auch 2017 reisen, womöglich mit einem Abstecher in ein weiteres asiatisches Land. Ancelotti wird das klaglos mitmachen. Sofern er bis dahin sportlich erfolgreich genug war.

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