Der DFB-Tross geht mit einer gewissen Ungewissheit aus dem Turnier – und Jérôme Boateng mit einem Muskelbündelriss Aushalten, auskurieren, abwarten

Marseille. Jérôme Boateng steht ein harter Sommer bevor. Seine Verletzung im Halbfinale gegen Frankreich hat sich inzwischen als Muskelbündelriss im rechten Oberschenkel herausgestellt.
10.07.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Bergmann, Jens Mende und Christian Kunz

Marseille. Jérôme Boateng steht ein harter Sommer bevor. Seine Verletzung im Halbfinale gegen Frankreich hat sich inzwischen als Muskelbündelriss im rechten Oberschenkel herausgestellt. Der deutsche Abwehrchef hat nun die Rehabilitation vor sich. Der 27-Jährige solle zum Start in die neue Spielzeit aber wieder zur Verfügung stehen, teilte der FC Bayern mit. Was aus Bremer Sicht bedeuten würde: Gegen Werder kann Boateng wieder spielen. Am 26. August tritt Werder zum Eröffnungsspiel der neuen Bundesliga-Saison in München an.

Auch ohne die Verletzung wäre es im Moment ziemlich hart für Boateng. Das Final-Erlebnis am TV ruft bei ihm, bei Thomas Müller und den anderen keine größere Begeisterung hervor. Statt selbst auf dem Rasen des Stade de France zu stehen, bleibt den deutschen Nationalspielern beim Endspiel an diesem Sonntag in Saint-Denis nur die leidvolle Zuschauerrolle. Für Bundestrainer Joachim Löw steht der neue Europameister ohnehin schon fest: „Ich denke, dass Frankreich gegen Portugal gewinnt. Die Portugiesen haben bisher noch nicht überzeugt“, sagte der Bundestrainer nach dem bitteren Halbfinal-Aus in Marseille.

Wie lange das 0:2 gegen den Gastgeber bei Löw und seinen Spielern noch nachwirken wird, ist unklar. „Das ist schwierig zu beantworten“, sagte Löw. Seine Zurückhaltung bei den Fragen um seine eigene Zukunft hat Fans, Spieler und auch die DFB-Spitze etwas irritiert. Und auch die Aussagen von Verbandspräsident Reinhard Grindel sorgten nicht weiter für Klarheit. „Ich persönlich und wir alle beim DFB sind zuversichtlich, dass das geschehen wird“, sagte der DFB-Boss zum erhofften Verbleib.

Löw brauche eine gewisse Auszeit, bevor er das Turnier insgesamt und auch seine eigene Situation analysieren werde, meinte Grindel: „Es gibt nichts zu spekulieren und nichts zu interpretieren, sondern nur zu akzeptieren, dass der Bundestrainer bittet, ein paar Tage Ruhe zugebilligt zu bekommen.“ Das Szenario ist nicht neu: Nach dem Halbfinal-K.o. vor vier Jahren, der von einer heftigen Debatte um die Fehler des Bundestrainers begleitet war, brauchte Löw einige Zeit bis zum klaren Bekenntnis. Und auch nach dem WM-Triumph vor zwei Jahren in Brasilien hatte der Freiburger einige Tage verstreichen lassen, bevor er offiziell den Verbleib in seinem Job bestätigte.

Insofern ist das Warten auf das aktuelle Signal von Löw keinerlei Hinweis, dass er seinen bis zur Weltmeisterschaft 2018 laufenden Vertrag entgegen aller Erwartungen nicht erfüllen könnte. Während der langen Frankreich-Tour hatte Verbandsboss Grindel sogar mehrfach betont, dass er Löw auch über die bisherige Vertragslaufzeit hinaus für den am besten geeigneten Mann hält. „Ich erlebe, dass er sich mit seinem Stab intensiv austauscht und immer wieder einzelne Dinge entwickelt. Er arbeitet gerne im Team und ist alles andere als beratungsresistent“, hatte der DFB-Präsident als enger Begleiter des Teams in Frankreich betont.

Bis zum Start in die neue Länderspielsaison am 31. August in Mönchengladbach gegen Finnland ist noch Zeit. Die Qualifikation für die WM 2018 in Russland startet für die Weltmeister vier Tage später in Oslo gegen Norwegen.

Erst in den kommenden Wochen wird sich auch entscheiden, ob Kapitän Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski (beide 31) einen neuen Titel-Anlauf mit der DFB-Auswahl starten. „Wir haben mit den Spielern über so was noch nicht gesprochen. Es ist immer nach so nach einer intensiven Phase, da braucht jeder erst mal Zeit und Abstand. Dann schauen wir weiter“, erklärte Teammanager Oliver Bierhoff.

Mittelfeldspieler Toni Kroos sieht auch nach dem verpassten Finale keine Gründe, an den Möglichkeiten und der Stärke der deutschen Nationalmannschaft zu zweifeln. „Wir haben uns auch in Frankreich als Mannschaft gut gesteigert, aber leider müssen wir nach dem besten Spiel von uns nach Hause fahren. Das ist halt Fußball“, sagte der Champions-League-Sieger von Real Madrid.

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