Diskussion mit Landrat

Sportvereine fordern gemeinsame Lösungen

Bei einem virtuellen Austausch mit Landrat Carsten Harings haben diverse Vereinsvertreter aus dem Landkreis Oldenburg ihren Sorgen Ausdruck verliehen und sich für Zusammenarbeit mit der Politik stark gemacht.
16.03.2021, 13:41
Lesedauer: 3 Min
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Sportvereine fordern gemeinsame Lösungen
Von Justus Seebade
Sportvereine fordern gemeinsame Lösungen

Jörg Skatulla ist Vorsitzender des Kreissportbundes und fordert von der Politik Perspektiven.

INGO MÖLLERS

Über die aktuelle Situation in den Sportvereinen und Unterstützungsmöglichkeiten seitens der Politik haben kürzlich 60 Teilnehmer, darunter viele Vertreter der Klubs, mit Landrat Carsten Harings diskutiert. Zudem ging es bei dem virtuellen Austausch darum, welche Perspektiven der Landkreis Oldenburg in diesem Zusammenhang geben kann.

Anders als in anderen niedersächsischen Landkreisen und Städten waren die Sporthallen der Kommunen im Landkreis Oldenburg auch für den in der niedersächsischen Corona-Verordnung ausdrücklich zugelassenen Individualsport in den vergangenen Monaten geschlossen. Das hat sich inzwischen geändert, die Sporthallen und Außenplätze der Gemeinden sind im Rahmen der Verordnung für die Sportvereine nun wieder geöffnet. Zudem können die Sporthallen des Landkreises seit vergangenem Montag wieder genutzt werden. Lediglich die Samtgemeinde Harpstedt verfährt anders und lässt ihre Sporthallen vorerst geschlossen. Die Außenanlagen sind jedoch in allen Gemeinden geöffnet.

Laut der aktuellen Verordnung und der Bestätigung von Carsten Harings ist derzeit bei einer Inzidenz unter 100 und über 35 Kontaktsport mit zwei Haushalten und maximal fünf Personen in den Hallen und auf Außenanlagen erlaubt. Kinder bis 14 Jahre dürfen in einer festen Gruppe von maximal 20 Personen mit zwei Betreuern draußen Sport treiben.

Öffnung auch bei Inzidenz über 100

Eine Öffnung der gemeindeeigenen Hallen sei ein erster wichtiger Schritt, damit die Vereine Licht am Ende des Tunnels sehen, äußerte sich Dirk Wintermann, Vorsitzender des TSV Großenkneten, laut eines Berichts zur Veranstaltung, der auf der Internetseite des Kreissportbundes veröffentlicht wurde. Wie es in dem Bericht weiter heißt, gab der Landrat die Zusage, dass die Hallen auch bei einem Inzidenzwert über 100 geöffnet bleiben. In diesem Fall würde die Individualsportregel angewandt. Dies gilt vorerst bis zum 28. März. Die Hallenöffnung und die Zusage böten den Vereinen somit ein wenig mehr Planungssicherheit, heißt es.

Jörg Skatulla, Vorsitzender des Kreissportbundes, forderte von der Politik ebenjene Planungssicherheit, Perspektiven und das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen. Tim Gersner, Vorsitzender des TV Neerstedt, schloss sich diesen Forderungen an: „Wir brauchen feste Zusagen, um unseren Mitgliedern Hoffnung zu geben und diese halten zu können.“ Ingo Kühling, Vorstandsmitglied der TSG Hatten-Sandkrug, verlangte eine rechtzeitige Unterstützung der Politik, da der Sport leide. Die Sportvereine würden Übungsleiter und Ehrenamtliche verlieren, der Nachwuchs bleibe aus und die wirtschaftlichen Einbußen seien noch nicht absehbar. „Daher müssen wir jetzt zusammenarbeiten, um Ehrenamtliche und Vereine jeglicher Größe zu unterstützen und gemeinsam bereits die nächsten Schritte für Öffnungen zu planen. Der Sport braucht Planungszeit und diese müssen wir jetzt nutzen, sodass wir für unsere Mitglieder da sind, sobald es wieder losgehen kann“, sagte Kühling.

Besonders schwierig gestaltet sich die aktuelle Lage für die Schwimmvereine, denn die Schwimmhallen sind laut der Verordnung weiterhin geschlossen. Eine Schwimmausbildung ist somit nicht möglich. Thorsten Groothoff von der DLRG Hatten richtete daher einen Appell an die Politik. Er forderte dabei eine Strategie für die Ausbildung von Rettungsschwimmern und machte auf die „prekäre sowie alarmierende Situation“ der Schwimmausbildung aufmerksam: „Wenn wir nicht baldmöglichst Rettungsschwimmer ausbilden, um die Sicherheit im Sommer in freien Gewässern sicherzustellen, sterben die Menschen nicht an Corona, sondern ertrinken“, wählte Groothoff deutliche Worte.

Regelmäßiger Austausch geplant

Themen wie die Nutzung einer App und Schnelltests kamen bei der Diskussion ebenfalls zur Sprache. Im Kreistag und verschiedenen Gemeinderäten wird aktuell über diverse Kontaktverfolgungs-Apps, etwa Staysio und Luca, diskutiert. In diesem Zusammenhang wollen die Vereinsvertreter und die Politik eine schnelle und gemeinsame Lösung finden, die den Klubs genügend Zeit zur Vorbereitung der Einführung ermöglicht. Auch der Einsatz von Schnelltests sei rechtzeitig zu diskutieren, von der Politik mit den Vereinen zusammen abzustimmen und gegebenenfalls zu unterstützen.

Der Kreissportbund möchte nun gemeinsam mit der Politik einen Übergang in Veranstaltungen oder Kontaktsport in Gruppen reibungslos vorbereiten – und zwar für Vereine aller Größen. Dazu solle das Ehrenamt entlastet, dem Mitgliederschwund entgegengewirkt und die Bewegung aller Menschen gefördert werden. Carsten Harings stimmte dabei dem Vorschlag Jörg Skatullas zu, jetzt ein „Kompetenz-Team-Sport“ zu schaffen, das aus Vertretern der Kreisverwaltung, des Kreissportbundes und der Vereine bestehen soll. Außerdem sollen Treffen wie der jüngste virtuelle Austausch künftig in einem regelmäßigen Rhythmus stattfinden, damit die Vereine ihre Sorgen mitteilen können und die Zusammenarbeit gefördert wird. Auch anwesende Bürgermeister sprachen sich dafür aus und sagten ihre Unterstützung für die Vereine zu. „Jetzt ist es wichtig, nach vorne zu schauen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Die Kräfte zu bündeln, schafft für alle Beteiligten die erforderlichen Freiräume, um situationsbedingt schnell und sicher handeln zu können“, meinte Jörg Skatulla.

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