Kreisfachverband Badminton Badminton-Sport am Boden

Delmenhorst. Der Kreisfachverband Badminton schlägt in seinem Jahresbericht Alarm: Im Landkreis Oldenburg gibt es ein Nachwuchsproblem. Immer weniger Jugendliche betreiben den Sport, und die Erwachsenenteams sind oft überaltert.
28.09.2013, 00:00
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Badminton-Sport am Boden
Von Christoph Bähr

Der Kreisfachverband Badminton schlägt in seinem Jahresbericht Alarm: Im Landkreis Oldenburg gibt es ein Nachwuchsproblem. Immer weniger Jugendliche betreiben den Sport, und die Erwachsenenteams sind oft überaltert.

„Die Lage ist problematisch“, fasst Ralf Strehl vom SC Wildeshausen zusammen. Ganz anders sieht es beim Delmenhorster FC aus: Gegen den bundesweiten Trend spielen dort immer mehr Menschen Badminton.

Neulich betrat Ralf Strehl vor einem Badminton-Kreisliga-Spiel seines Vereins SC Wildeshausen die Halle, und ein gegnerischer Akteur schaute ihn ungläubig an. „Was! Du spielst immer noch?“, fragte der. Strehl, 51 Jahre alt, lachte und erwiderte: „Ja, und ich bin in meiner Mannschaft sogar der Jüngste.“ Die lustige Episode hat einen ernsten Hintergrund: Den Badmintonvereinen im Landkreis Oldenburg fehlt der Nachwuchs. Es gebe immer weniger Schüler- und Jugendmannschaften, berichtet Strehl. Auch die Inhaber von ehrenamtlichen Posten in den Klubs werden immer älter. „Die Lage ist problematisch“, unterstreicht Strehl.

Strehl ist Jugendwart des SC Wildeshausen und hat im Vorfeld des Kreissporttages am Donnerstagabend den Jahresbericht des Kreisfachverbands Badminton verfasst. Darin findet er klare Worte: „Langfristig ist der Zusammenbruch des Systems zu befürchten.“ In den Kreisen Oldenburg und Cloppenburg sowie der Stadt Delmenhorst gibt es in den Altersklassen U13, U15 und U19 nur insgesamt zwölf Teams. „In guten Zeiten, also vor über 20 Jahren, hatten wir allein in der U19-Klasse diese Anzahl von Mannschaften“, blickt Strehl zurück.

Die Gesamtzahlen im Landkreis Oldenburg sehen ebenfalls düster aus: Vor zwei Jahren wies die Statistik des Kreissportbundes 849 Badminton-Spieler aus, jetzt sind es nur noch 665. „Das Problem besteht aber nicht nur bei uns, niedersachsenweit gehen die Zahlen zurück“, betont Strehl. Auch der Deutsche Badminton-Verband verzeichnete bei seiner Mitgliedererhebung im Jahr 2012 einen Rückgang um 3,8 Prozent auf 205215 Menschen.

„Es gibt ein verändertes Freizeitverhalten bei den Jugendlichen. Sie gehen früher in die Disko oder lieber in die Muckibude“, vermutet Ralf Strehl. Darunter leide nicht nur der Badminton-Sport. „Auch in anderen Sportarten gibt es Nachwuchsprobleme. Warum entstehen denn immer mehr Spielgemeinschaften? Nur benennen nicht alle Fachverbände die Missstände in ihren Berichten so klar wie ich“, sagt der 51-Jährige.

Der SC Wildeshausen versucht, den Trend dadurch zu stoppen, dass er immer mehr Jugendliche zu Trainern ausbildet. „An den Schulen müssen wir aber noch aktiver um Mitglieder werben“, weiß Strehl. Das gestalte sich jedoch schwierig, weil den meisten Vereinsvertretern aus beruflichen Gründen die Zeit fehle, um Kurse in Ganztagsschulen zu geben. Folglich sei es schwierig, die Aufmerksamkeit auf eine Randsportart wie Badminton zu lenken, die oft im Schatten von Fußball stehe, schildert Strehl.

Und so bringt die sinkende Anzahl der Badminton-Spieler im Landkreis Oldenburg ein weiteres Problem mit sich: Die Teams schaffen es nicht mehr in höhere Klassen, was es wiederum erschwert, talentierte Nachwuchsakteure zu halten. „Wir schaffen es durchaus, Jugendliche auf die Niedersachsenebene zu bringen. Für diese Talente haben wir dann aber keine Mannschaften mehr, in denen sie ausreichend gefordert werden“, verdeutlicht Strehl das Dilemma. Die Badminton-Mannschaft des Gymnasiums Wildeshausen belegte beim Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ Platz zwei in Niedersachsen. Der Wildeshauser Simon Bittner agiert sogar auf norddeutscher Ebene und gehört als 16-Jähriger schon zum Herrenteam. „Aber wo sollen Spieler wie Simon spielen, wenn sie die Schule beendet haben? Kann man sie dann noch mit der Bezirksliga locken?“, fragt Strehl.

Der Schulabschluss ist der kritische Zeitpunkt: Entweder die jungen Badminton-Spieler verlassen Wildeshausen dann zum Studieren oder sie hören auf, weil ihnen im Erwachsenenbereich die Perspektiven fehlen. Ein Patentrezept, um dem schleichenden Niedergang des Badmintonsports entgegenzuwirken, hat auch Ralf Strehl nicht. Verstärkte Kooperationen mit Schulen oder Spielgemeinschaften seien Möglichkeiten, sagt er.

An derartige Schritte denken die Verantwortlichen des Delmenhorster FC derzeit überhaupt nicht. „Völlig gegen den Trend haben wir einen Mega-Zuwachs“, berichtet der Vorsitzende Mario Kubenka. In den vergangenen zwei Jahren verzeichnete der Klub ein Plus von 40 Mitgliedern. 108 Menschen gehören dem DFC nun an. „Wir sind selbst etwas überrascht darüber“, gibt Kubenka zu.

Als wichtigen Grund für den Zuwachs sieht er die überarbeitete Internetseite des Vereins, die seit rund einem Jahr existiert. „Viele Zugereiste informieren sich zuerst online, wo man Badminton spielen kann“, sagt Kubenka. Auch über Mund-zu-Mund-Propaganda kämen viele Mitglieder zum DFC. Zudem habe das neue Graffito im Eingangsbereich der Halle an der Rosenstraße einen großen Werbeeffekt, glaubt der Vereinsvorsitzende. Ganz sorgenfrei ist aber auch der Delmenhorster FC nicht. „Wenn der große Zulauf anhält, brauchen wir in Kürze mehr Hallenkapazitäten“, sagt Kubenka. „Wo die herkommen sollen, wissen wir im Moment noch nicht.“

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