Nach der 2:3-Niederlage gegen den BVB wird es für Hannovers Trainer Korkut eng Bangen um den Job

Hannover. Sie waren mit dem Schlusspfiff kollektiv zu Boden gesunken. Und der Applaus, den es trotz der nächsten Niederlage für Hannover 96 gab, konnte keinen der entkräfteten und unglücklichen Spieler so richtig trösten.
22.03.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Otto

Sie waren mit dem Schlusspfiff kollektiv zu Boden gesunken. Und der Applaus, den es trotz der nächsten Niederlage für Hannover 96 gab, konnte keinen der entkräfteten und unglücklichen Spieler so richtig trösten. Mit der 2:3 (1:1)-Heimniederlage gegen Borussia Dortmund sind der Mannschaft um Kapitän Lars Stindl zwei höchst unterschiedliche Dinge gelungen. Sie hat bewiesen, dass sie gut Fußball spielen kann. Aber sie hat auch ihren Trainer Tayfun Korkut, der in die Schusslinie geraten ist, in große Verlegenheit gebracht. Korkut, seit Ende 2013 in Hannover in der Verantwortung, ist von einer Entlassung nicht mehr weit entfernt. „Ich spüre noch das Vertrauen. Aber ich kann die Ergebnisse nicht ignorieren“, sagte jener Übungsleiter, der mit den Niedersachsen in diesem Jahr noch kein Spiel gewonnen hat. Einer Partie mit fünf Toren, die 49 000 Zuschauern äußerst gut unterhalten hatte, waren bohrende Fragen gefolgt. Sie betrafen mehrheitlich Korkut.

Für die siegreichen Dortmunder kam das wie eine willkommene Abwechslung daher. Sie hatten drei Tage nach ihrem Aus in der Champions League und dem bitten 0:3 gegen Juventus Turin wahrlich keine überragende Leistung gezeigt. Trotz einer 3:1-Führung, die Pierre-Emerick Aubameyang (19. und 61. Minute) und Shinji Kagawa (57.) herausgeschossen beziehungsweise geköpft hatten, war es der Borussia nicht gelungen, die Partie überzeugend zu Ende zu spielen. „Ich habe meiner Mannschaft in der Halbzeit gesagt: Es wäre echt ganz cool, wenn wir anfangen, Fußball zu spielen“, sagte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp in gewohnt süffisantem Tonfall. Ihn hatten das zwischenzeitliche 1:1 (31.) und das 2:3 (82.) durch Hannovers starken Kapitän Stindl erheblich gestört. Denn sein Team ließ einen Rivalen noch einmal ins Spiel kommen, der nach dem 3:1 und einem Platzverweis im Grunde schon zum Abschuss freigegeben war.

Die Mehrheit der Hauptdarsteller druckste nicht lange herum, als die entscheidende Szene dieser Partie gesucht wurde. Leonardo Bittencourt, im Sommer 2013 von Borussia Dortmund zu Hannover 96 gewechselt, hatte gegen seinen ehemaligen Klub ein überragendes Spiel gemacht. Und doch entpuppte sich sein hohes Maß an Motivation am Ende als folgenschweres Eigentor. Bittencourt sah in der 55. Minute wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte. Nach dieser Szene rissen die Dortmunder das Geschehen an sich und ebneten den Weg zum Sieg. „Wir hatten ein paar wunderschöne und ein paar dumme Momente“, gestand BVB-Boss Klopp. Schön war, wie schnell Aubameyang seinem Gegenspieler Felipe immer wieder davonlief und welche Pässe Marco Reus spielte. Als dumm bleibt einzustufen, mit welcher Leichtigkeit und Lässigkeit die Dortmunder ihren Vorsprung noch aufs Spiel setzten.

Für die gescholtene Borussia, deren jüngste Niederlage in der Champions League mit einem bundesweiten Abgesang von einer wunderbaren Zeit verbunden war, dürfte die Dienstreise nach Hannover als Wellness-Ausflug zu Ende gegangen sein. Dortmund robbt sich in der Tabelle Stück für Stück nach vorne. Und an diesem 26. Spieltag fragte angesichts der Not des Gegners kaum noch jemand nach, wie es beim BVB eigentlich weitergehen soll. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Klopps Kollege Korkut gerät immer mehr in Erklärungsnot, weil Hannover 96 nur noch zwei Punkte von den Abstiegsrängen entfernt ist. Der 40-Jährige trat nach einer couragierten Leistung seines Teams die Flucht nach vorne an. Korkut will das Gespräch mit der Vereinsführung suchen und selbstlos ergründen, ob er noch der richtige Mann am richtigen Platz ist. „Es geht um die Zukunft von Hannover 96. Wir müssen uns zusammensetzen. Ich weiß nicht, ob dabei die Personalie Korkut die wichtigste ist“, sagte der bemitleidenswerte Cheftrainer. Als Hannovers mächtiger Präsident Martin Kind das Stadion verließ, bestätigte er der Mannschaft einen Auftritt mit Charakter, verweigerte aber jeden Kommentar zur Zukunft von Korkut. Eine starke erste Halbzeit und das Aufbäumen gegen Borussia Dortmund waren Argumente für den Verbleib eines Trainers. Die sportliche Bilanz spricht eindeutig gegen ihn.

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