Ex-Eisbären-Trainer Arne Woltmann

Gebürtiger Bremerhavener coacht bei litauischem Basketball-Topteam

Eigentlich hatte Trainer Arne Woltmann bereits einen Zweijahresvertrag beim Basketball-Bundesligisten Rasta Vechta unterschrieben. Doch dann verschlug es den gebürtigen Bremerhavener unverhofft nach Litauen.
08.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Gebürtiger Bremerhavener coacht bei litauischem Basketball-Topteam
Von Frank Büter
Gebürtiger Bremerhavener coacht bei litauischem Basketball-Topteam

Zweijahresvertrag in Litauen: Der frühere Eisbären-Geschäftsführer und -Trainer Arne Woltmann arbeitet jetzt als Assistenz-Coach beim Topklub Zalgiris Kaunas.

Frank Thomas Koch

Da saßen sie nun zusammen am Tisch und überlegten, was zu tun ist: Mama Melanie, Papa Arne und die Kinder Mats (16) und Frida (15). Der Familienrat Woltmann tagte – und hatte eine wichtige Entscheidung zu treffen. Gemeinsam natürlich. Aber in gewisser Weise auch wieder nicht, denn eigentlich war die Entscheidung längst gefallen. Papa Arne wird wegziehen aus Quakenbrück, das war irgendwie klar. Er zieht für längere Zeit nach Litauen, genauer gesagt: Arne Woltmann, der frühere Geschäftsführer und Headcoach der Eisbären Bremerhaven, wird Assistenz-Trainer beim litauischen Basketballklub Zalgiris Kaunas.

„Alle wussten, was dieses Angebot für mich bedeutet“, sagt Arne Woltmann. Es ging deshalb bei dieser Tischrunde gar nicht mehr um das Ob, es ging um das Wie. Kaunas ist eine der Top-Adressen im europäischen Basketball. National die Nummer eins, Rekordmeister und ständiger Vertreter in der Euro League, was vergleichbar ist mit der Champions League im Fußball. Die Zalgirio-Arena fasst 15. 500 Zuschauer – und ist bei jedem Heimspiel ausverkauft. Kaunas hat reichlich Tradition, eine herausragende Organisation und Möglichkeiten, die viele Vereine vor Neid erblassen lassen. „So etwas“, sagt Woltmann, „findet man ganz selten in Europa“.

Kurze Auslandserfahrung in Oklahoma

Der noch 45-jährige Woltmann hatte immer schon mal damit geliebäugelt, ins Ausland zu gehen. Er hatte als Co-Trainer bei den Artland Dragons in Quakenbrück gearbeitet und bei den Baskets in Bamberg, letzteres mit diversen Titelgewinnen überdies sehr erfolgreich. Woltmann war als Assistenz-Trainer der deutschen A-Nationalmannschaft und als Headcoach bei den Rhein-Stars in Köln und den Eisbären in seiner Geburtsstadt Bremerhaven tätig. Seine Auslandserfahrung beschränkte sich derweil auf ein kurzes Intermezzo bei den Oklahoma City Thunder, bei denen er 2012 während der NBA-Summerleague zum Trainerstab gehörte.

Nun also kam dieses Angebot aus Kaunas, zu einem Zeitpunkt allerdings, der unglücklicher nicht hätte sein können. Im Dezember 2018 hatte Woltmann seinen Trainerstuhl in Bremerhaven räumen müssen und war zuletzt eineinhalb Jahre ohne Verein gewesen, ehe er im Juli einen Zweijahresvertrag als Co-Trainer beim Bundesligisten Rasta Vechta unterschrieb. Die Tinte unter diesem Vertrag war kaum getrocknet, die Verpflichtung kaum vermeldet, da meldete sich ein alter Bekannter aus Nationalmannschaftstagen bei Arne Woltmann. Es war Martin Schiller, der neue Chefcoach von Zalgiris Kaunas. Der Basketballtrainer mit österreichisch-britischen Wurzeln fragte an, ob Arne Woltmann ihn nicht als „First Assistent“, als erster Assistenz-Trainer also, nach Litauen begleiten wolle.

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„Ein blödes Timing“, sagt Arne Woltmann. Natürlich wollte er Martin Schiller begleiten, keine Frage. Doch da gab es vorher ja noch dieses nicht ganz unwichtige Detail zu klären: die Vertragsaufhebung mit Rasta Vechta. „Die Nachricht ist dort nicht gerade auf große Freude gestoßen“, schildert Woltmann mit belegter Stimme. Dieser Rückzieher nach mehrtägiger Bedenkzeit ist ihm unangenehm – das hört man. Und eigentlich, betont er, entspreche es auch so gar nicht seiner Art. Doch die Alternative lautete Zalgiris Kaunas, „und das ist mehr als nur ein Job“, sagt Arne Woltmann. „Das ist eine Riesen-Adresse in meinem Lebenslauf.“ Deshalb sei er den Verantwortlichen in Vechta sehr, sehr dankbar, dass sie so verständnisvoll reagiert und den Vertrag letztlich aufgelöst hätten.

Seit Monatsbeginn arbeitet Arne Woltmann nun also nicht für Rasta Vechta, sondern für Zalgiris Kaunas. Er hat beim litauischen Traditionsklub einen Zweijahresvertrag unterschrieben – mit voller Rückendeckung seiner Familie. „In Quakenbrück werden jetzt einige Dinge anders laufen“, sagt Woltmann. Unter anderem wird sich jemand anderes um Labrador-Hündin Tilda und die regelmäßigen Besuche in der Hundeschule kümmern müssen. Die Familie hatte Oberhaupt Arne Woltmann vor nicht allzu langer Zeit überredet, einen Hund anzuschaffen, und dann sei er es gewesen, der letztlich die meiste Zeit mit Tilda verbracht habe, „das hat mir gut gefallen“, sagt Woltmann.

Kaum Zeit nach Hause zu kommen

An diesem Mittwoch ist der gebürtige Bremerhavener in Kaunas eingetroffen und zunächst einmal in ein Hotel gezogen, ohne Hund, aber mit ganz vielen Taschen voller Klamotten. Auch die Winterpullover habe er schon dabei, sagt Woltmann. Er glaube nicht, dass er absehbar mal eine Gelegenheit haben werde, für einen Kurzbesuch nach Hause zu fliegen. Immer vorausgesetzt, die Corona-Situation lässt es zu, ist der Trainingsstart für den 16. August terminiert. National startet der Ligabetrieb am 20. September, Anfang Oktober beginnt die Euro League – „bei zwei bis drei Spielen pro Woche bleibt dann wenig Zeit für andere Dinge“, sagt Woltmann. Weihnachten in Quakenbrück? Der Gedanke ist utopisch, eher käme die Familie zu ihm nach Litauen, sagt Arne Woltmann. „Wir haben schon mal die Ferientermine gecheckt.“

Nach seinem unglücklichen Aus als Headcoach in Bremerhaven und der langen Pause ist Arne Woltmann voller Tatendrang. Die Champions League kennt er noch aus seiner Bamberger Zeit, „das war eine tolle Erfahrung“, sagt Woltmann. International wolle der Klub so weit wie möglich kommen, national strebt Zalgiris Kaunas das Double aus Meisterschaft und Pokal an. Der einzig ernsthafte Konkurrent ist der Hauptstadtverein BC Rytas aus Vilnius, weiß Woltmann. Er ist gerade dabei, sich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen. Während sich der direkt aus den USA eingereiste Cheftrainer Martin Schiller im Hotel noch in der Quarantäne-Ebene befindet und festsitzt, kann sich Arne Woltmann in Kaunas nämlich frei bewegen. Er hat sich bereits einen Überblick verschafft über die Spiel- und Trainingsstätten, eine erste Wohnungsbesichtigung stand für ihn auch schon an. Möbliert soll sie sein, die Wohnung, und Platz bieten, falls Melanie und die Kinder ihn mal besuchen kommen.

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