EM Bayerische Polizei als Coach für Fußball-EM 2012

Kiew. Ein Jahr vor der Fußball-Europameisterschaft setzt Gastgeber Ukraine auf das Knowhow und die Erfahrung der bayerischen Polizei. Nach dem Sicherheitsdienst von Meisterclub Schachtjor Donezk drücken nun Führungskräfte der Ex-Sowjetrepublik die Schulbank.
09.06.2011, 12:50
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Kiew. Ein Jahr vor der Fußball-Europameisterschaft setzt Gastgeber Ukraine auf das Knowhow und die Erfahrung der bayerischen Polizei. Nach dem Sicherheitsdienst von Meisterclub Schachtjor Donezk drücken nun Führungskräfte der Ex-Sowjetrepublik die Schulbank.

Tatort Fußballstadion: In der Donbass-Arena der ostukrainischen Stadt Donezk feinden sich die Fans von Gastgeber Schachtjor und dem Rivalen aus Dnjepropetrowsk durch Gitterstäbe an. Interessiert beobachtet Michael Ratzek das wilde Treiben auf den Rängen. "Ein sehr aggressives Spiel, aber der Sicherheitsdienst von Schachtjor hat das hochprofessionell gemanagt", lobt der Hauptkommissar beim Psychologischen Dienst der bayerischen Polizei. Seit zwei Jahren trainiert der 53-Jährige Führungskräfte der ukrainischen Sicherheitsorgane. Ein Jahr vor der Fußball- Europameisterschaft kommt seiner Arbeit besondere Bedeutung zu.

Durch die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung sind Ratzek und sein Kollege, der Verhaltenstrainer Michael Geisreiter, ins Kohle- und Stahlrevier Donezk gekommen, einem der Spielorte der EM 2012. Zunächst sollte Ratzek nur den Sicherheitsdienst der Donbass-Arena reformieren, dem modernsten Fußballstadion der Ex-Sowjetrepublik. Die Gastgeber sind froh über die Hilfe aus dem Freistaat. "Die Kollegen haben viel Erfahrung. Schon bei der WM 2006 und der EM 2008 war ihr Konzept erfolgreich", sagt Viktor Bestschnik vom Innenministerium.

Das für die Fußball-WM 2006 in Deutschland entwickelte Programm "Überall am Ball" ist seit Jahren europaweit im Einsatz. Kern ist die Deeskalation - auch außerhalb des Stadions. In Donezk drücken nun die Führungskräfte aus Polizei, Innenministerium und Katastrophenschutz wieder die Schulbank. Der Unterricht gilt nicht nur inhaltlich als Herausforderung: Auch das eher lockere Sitzen im Kreis sowie interaktive Rollenspiele sind für viele Beamte ungewohnt. "Zuerst herrscht immer eine gewisse Skepsis. Doch dann setzen sich die Leute mit dem Gelernten auseinander und wenden es an", sagt Ratzek.

Zur EM erwartet die Ukraine, die das Turnier gemeinsam mit Polen veranstaltet, bis zu einer Million Touristen vor allem aus dem Ausland. Kein Krawall soll den Betrieb in den Spielorten Donezk, Kiew, Lwiw (Lemberg) und Charkow stören. "Das bewährteste Mittel, Streit zu vermeiden, ist Deeskalation", betont Ratzek, der seit über zehn Jahren Fußballvereine und Verbände berät. Einer seiner "Schüler" ist Ivan Baschta vom Innenministerium. Er hält den Tipp der deutschen Kollegen, mehr weibliche Beamte zur Deeskalation einzusetzen, für besonders bemerkenswert. "Frauen können im persönlichen Gespräch besser vermitteln", meint Baschta.

Auch Ratzek weiß, dass alles Büffeln nichts nützt, wenn die Motivation fehlt. Vor allem die geringe Bezahlung wirke oft als Hindernis, erzählt der Hauptkommissar. Für Ratzek ist das ein bedeutender Faktor, der aber überwunden werden kann. Man müsse jedem einzelnen Polizisten vermitteln, dass er ein wichtiger Teil zum Gelingen des Turniers sei. "Im Vergleich zu dem, was ich hier vor zwei Jahren vorgefunden habe, sind wir ein ganzes Stück weiter." (dpa)

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