Thomas Müller hat eine hervorragende Torbilanz / In Bremen könnte er weiter daran feilen

Bayerns Bester

München. Es ist etwas untergegangen in der Aufregung um Arjen Robbens Verletzung und Matthias Sammers Kritik an der Dominanz-Debatte, aber der FC Bayern hat ja noch Thomas Müller. Gewiss, das verletzungsbedingte und voraussichtlich sechs Wochen lange Fehlen Robbens ist bitter.
07.12.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Maik Rosner

Es ist etwas untergegangen in der Aufregung um Arjen Robbens Verletzung und Matthias Sammers Kritik an der Dominanz-Debatte, aber der FC Bayern hat ja noch Thomas Müller. Gewiss, das verletzungsbedingte und voraussichtlich sechs Wochen lange Fehlen Robbens ist bitter. Aber es ist nicht anzunehmen, dass die Münchner nun das Toreschießen einstellen werden, auch nicht im Bundesligaspiel beim SV Werder Bremen heute.

Eher stellt sich die Frage, wer anstelle von Robben die Rekordbilanzen weiter aufbessern und die womöglich vorzeitige Herbstmeisterschaft herbeiführen wird. Kandidaten gibt es reichlich: Franck Ribéry, Mario Götze, Mario Mandzukic oder Toni Kroos; oder auch Thiago Alcántara, Javier Martínez, David Alaba, Jérôme Boateng, Xherdan Shaqiri oder den gerade wieder genesenen ehemaligen Bremer Angreifer Claudio Pizarro. Oder Thomas Müller. Es könnte am 15. Spieltag beim SV Werder durchaus etwas werden mit Münchens Ligator Nummer 33 in der laufenden Saison.

Wie das so gehen kann beim FC Bayern, das hat der Nationalspieler im Pokalachtelfinale beim FC Augsburg vorgeführt: Der eine Torschütze, Robben, fällt aus, der nächste, Thomas Müller, wird eingewechselt. Tor zum 2:0, abhaken, weitertreffen. „Das ist ja im Moment unsere große Stärke, dass der breite Kader Verletzungen gut auffangen kann“, sagt Müller. In Bremen müssten „halt wieder andere in die Bresche springen“. Der 24-Jährige ist aktuell der beste Torschütze der Münchner.

Sechs Tore in der Liga (vier Vorlagen), sechs im Pokal (drei), zwei in der Champions League (eine) – Müllers Bilanz dieser Saison von 14/8 liest sich nicht, als habe er unter Guardiolas technisch geprägtem Ballbesitzfußball gelitten. Im Gegenteil: Die anderen hauptamtlichen Torschützen und Vorlagengeber Robben (11/10), Mandzukic (10/2) und Ribéry (8/7) kommen nicht an Müllers Ertrag heran. „Ja, es läuft ganz gut“, sagt der und lacht.

Das war nicht unbedingt zu erwarten unter dem Ästheten Guardiola. Müller ist kein Feinfuß, eher der unkonventionelle und unberechenbare Frechdachs unter den Hochbegabten. „Irgendwie“, gab er in Augsburg an, habe er sein Tor erzielt, mit einer Mischung aus Kopf und Schulter. Ein typischer Müller eben, und weiterhin ein so prägendes wie anachronistisches Element im Ballett der Stilisten, wie schon unter Louis van Gaal und Jupp Heynckes.

In Bremen will Müller seine besondere Qualität wieder einbringen. Für alle, die auf ein Nachlassen des Tabellenführers hoffen, hat er schlechte Nachrichten. „Wir fahren da nicht als Bruder Leichtfuß hin, es geht schon irgendwie“, sagt Müller, Bayerns Bruder Dreistfuß, wenn man so will. „Wir wissen, wir sind nicht mehr bei 100 Prozent. Wir müssen einfach auf die Zähne beißen.“ Dass die ganz große Kunst wegen des Kräfte- und Personalverschleißes derzeit nur selten vorgeführt wird, kann gerade Müller nicht irritieren. Er sieht‘s pragmatisch, ganz so, wie seinen eigenen Stil. Er findet: „Das perfekte Spiel gibt‘s nun mal nicht, auch wenn man danach strebt.“

Nur eine Verletzung Müllers sollte den FC Bayern besser nicht auch noch ereilen, dann könnte es vielleicht wirklich langsam enger werden mit dem Toreschießen. Ob er schon auf Holz geklopft habe, dass es ihn noch nicht erwischt hat, wurde Müller gefragt. Der frechste Fuß der Liga antwortete in etwa so keck und zielorientiert, wie er kickt: „Nee, so ein Typ bin ich eigentlich nicht. Wenn‘s passiert, passiert‘s. Ob ich vorher auf Holz geklopft habe – das würde mir dann auch nicht helfen.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+