Fußball-Bezirksliga A-Junioren Bedrohliche Halbzeitbilanz

Für die hiesigen Teams in der Bezirksliga der A-Junioren läuft es nicht gut. Die Delmenhorster Teams TV Jahn und TuS Heidkrug stecken tief im Tabellenkeller. Lediglich Harpstedt ist zufrieden
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Von Ralf Kilian

Das Fazit der verantwortlichen Fußball-Trainer für den bisherigen Saisonverlauf in der A-Jugend-Bezirksliga fällt nicht gerade positiv aus. Am besten lief es noch bei der SG DHI Harpstedt („alles in allem zufrieden“), der TV Jahn enttäuschte („Katastrophe“) und der TuS Heidkrug ist schon zur Halbzeit kaum noch zu retten. Für das Trio sprechen nur zehn Siege in 33 Spielen eine klare Sprache. Allerdings muss man auch konstatieren, dass die Bezirksliga durch die Gebietsreform stärker geworden ist.

Bei der Neustrukturierung ist im vergangenen Sommer der komplette – ebenfalls erst vor eineinhalb Jahren neu gebildete – Kreis Jade-Weser-Hunte aus der Bezirksliga herausgefallen. Dafür ist der Kreis Vechta neben dem Kreis Cloppenburg zur Bezirksliga II hinzugefügt worden. Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, kann sicher noch nicht abschließend beurteilt werden. Besonders klimafreundlich ist es eher nicht, wenn man statt nach Oldenburg (GVO), Rastede oder Friedrichsfehn – dieses Trio spielt jetzt in der Staffel I und darf sich im hohen Norden in Ostfriesland austoben – weite Fahrten bis hinter Cloppenburg auf sich nehmen muss. Zudem scheinen die Clubs im Süden des Bezirks leistungsstärker zu sein. Angeführt von Rot-Weiß Damme, dem Herbstmeister der Liga.

Jahn-Trainer René Rohaczynski war schon ziemlich beeindruckt, als seine Elf im November zum Gastspiel in Damme eintraf. Dort hat man ein paar Millionen in die Hand genommen und ein schickes Trainingszentrum mit zwei nagelneuen Kunstrasenplätzen hingestellt. Bedingungen, von denen die Delmenhorster nur träumen können, die aber in der Kleinstadt Damme mit 17000 Einwohnern vorhanden sind. Fast folgerichtig die Ergebnisse: Jahn wurde in Damme mit 1:13 abgefertigt, Heidkrug mit 0:8 und selbst Harpstedt musste eine 2:7-Klatsche akzeptieren. Trotzdem sind die Rot-Weißen mit 28 Punkten noch längst nicht enteilt, der VfL Oythe (25) und besonders die JSG Emstek/Höltinghausen (25 plus zwei Nachholspiele) sitzen Damme im Nacken.

Abstiegskampf in Delmenhorst

Aber das interessiert hierzulande wenig, der Blick geht zuerst nach unten. Bei vier Abstiegsplätzen in der 13er-Liga gilt das auch für die SG DHI Harpstedt, obwohl sich das Team von Alexander Geisler mit 17 Zählern aus elf Partien schon ein sechs-Punkte-Polster zum ersten Abstiegsplatz verschafft hat. „Leider haben wir in der Hinrunde ein paar Punkte liegen gelassen, die uns ein besseres Abschneiden ermöglicht hätten. Aber mit Platz sieben stehen wir ganz gut da“, bilanziert Geisler. Besonders unnötig: die 0:1-Heimpleite gegen die JSG Wardenburg und ein 1:1 in Heidkrug. „Wir haben aber gezeigt, dass wir durchaus das Potenzial haben, um oben mitzuspielen. Leider haben wir es nicht immer voll ausgeschöpft. Daran werden wir arbeiten, um in der Rückrunde unser Saisonziel Top sechs zu erreichen“, blickt Geisler voraus. Mannschaftlich präsentierten sich die Harpstedter sehr geschlossen, besonders die (viertbeste) Defensive mit 19 Gegentreffern stand weitgehend stabil.

Gegen den TV Jahn gewann Harpstedt in dieser Saison schon zweimal, dem 5:1 im Pokal folgte ein 3:1 im Punktspiel. Mit gerade einmal zwölf Punkten aus zehn Partien rangieren die Violetten nur ein Pünktchen vor den bedrohten Plätzen. Der Unterschied zu Harpstedt liegt größtenteils im fehlenden Teamgeist. Rohaczynski klagt: „Die Jungs stellen sich selbst in den Vordergrund, statt an die Mannschaft zu denken. Die Trainingsbeteiligung war eine Katastrophe, wenn es hoch kommt, haben wir hochgerechnet einmal pro Woche trainiert.“ Und das lag selten an gesperrten Plätzen, sondern einfach an mangelhafter Beteiligung. Nicht hilfreich ist zudem, dass einige Spieler ein Zweitspielrecht für Herrenmannschaften haben. Dazu kommen kurzfristige Absagen, vor dem Damme-Debakel erreichten Rohaczynski und seinen Co Sean Gradtke noch drei Absagen kurz vor der Abfahrt. „Unsere 22 Mann kriegen es nicht geschlossen auf die Reihe, ganz im Gegensatz zu Damme oder Oythe“, sagt der Jahn-Trainer. Positiv ist nur, dass die Jahner ihre vier Siege gegen die momentanen Inhaber der Abstiegsplätze einfuhren. Souverän gegen Lutten (6:0) und Cloppenburg-Süd (3:0), knapp in Wardenburg (5:4) und gegen Heidkrug.

Abgeschlagenes Heidkrug

Im Stadtderby behaupteten sich die Violetten mit 2:1 gegen den TuS. Während gerade elf Unentwegte die Reise nach Damme antraten, hatte Rohaczynski gegen Heidkrug sechs Mann auf der Bank. Auch das spricht eher dafür, dass die Spieler sich nur für die Highlights begeistern können und nicht in der Lage sind, eine Saison geschlossen durchzuziehen.

In punkto Talent hinkt Heidkrug dem TV Jahn meilenweit hinterher, dafür können Coach Ralf Sager und sein Assistent Yannick Oestmann immerhin auf einen vergleichsweise geschlossenen Kader setzen. Doch der Erhalt der Liga wird bei acht Punkten Rückstand relativ utopisch sein, wenn im Winter-Transferfenster kein neuer Stürmer präsentiert werden kann, der mindestens 15 Tore für die Rückrunde garantiert. Schon im Sommer hatte Sager einen großen Aderlass beklagt. Allein mit dem Trio aus dem älteren Jahrgang (Marcel Marquardt, Ole Stolle, Malcolm Jumpertz), welches sich nahezu auf Anhieb Stammplätze beim Landesligisten VfL Stenum erkämpfte, wären die Heidkruger kein Abstiegskandidat. Dazu gab es Abgänge nach Bremen und zum Regionalligisten JFV Rehden, die man in dieser Summe nicht kompensieren kann.„Die Tabelle zeigt ein katastrophales Ergebnis der Hinrunde. Wir haben lange gebraucht, um uns aneinander zu gewöhnen, weil wir ein völlig neu zusammengewürfeltes Team sind. In den Spielen, wo wir gute Leistungen gezeigt haben, haben wir uns nicht belohnt“, gesteht Sager ein. Die weiße Fahne hissen will er noch nicht: „Es wird unheimlich schwer, den Anschluss an die Nicht-Abstiegsplätze herzustellen, es ist aber nicht unmöglich. Trotz der schlechten Ergebnisse haben wir eine gute Trainingsbeteiligung.“ Zu wünschen wäre dieses Fußballwunder den Jungs vom Bürgerkampweg. Aber es droht auch ein ungemütliches Szenario mit Delmenhorst als Fußballstadt ohne Bezirksligamannschaft im A-Jugend-Bereich, wenn auch Jahn runtergeht. Im Gespräch ist auch eine Spielgemeinschaft von Heidkrug und Jahn. Aber das ist Zukunftsmusik.

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