Die Slowaken gehen tiefenentspannt ins Spiel gegen Weltmeister Deutschland – weil ihr EM-Ziel mit dem Achtelfinale bereits abgehakt ist

Befreit von jedem Druck

Vichy·Lille. Mit ihrer Außenseiterrolle können die Slowaken um ihren Schlüsselspieler Marek Hamšík bestens leben. Ganz Fußball-Europa wird am Sonntag (18 Uhr/ZDF) auf das EM-Duell mit Weltmeister Deutschland schauen – und nur die wenigsten trauen dem Underdog wohl tatsächlich eine Sensation zu.
25.06.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Michael Brehme und Christoph Thanei
Befreit von jedem Druck

Pflicht erledigt, was jetzt noch kommt, ist die Zugabe: Nationaltrainer Ján Kozák herzt Bundesliga-Profi Peter Pekarík nach dem Achtelfinaleinzug der Slowakei.

YURI KOCHETKOV, dpa

Vichy·Lille. Mit ihrer Außenseiterrolle können die Slowaken um ihren Schlüsselspieler Marek Hamšík bestens leben. Ganz Fußball-Europa wird am Sonntag (18 Uhr/ZDF) auf das EM-Duell mit Weltmeister Deutschland schauen – und nur die wenigsten trauen dem Underdog wohl tatsächlich eine Sensation zu. Was die Ausgangslage für die Mannschaft um die beiden angeschlagenen Bundesligaprofis Peter Pekarík von Hertha BSC und Dušan Švento vom 1. FC Köln eher noch angenehmer macht.

„Wir spielen seit mehr als zehn Jahren zusammen und haben schon oft bewiesen, dass wir hervorragend sein können“, sagt Kapitän Martin Škrtel. Er nimmt in der Nationalmannschaft eine Führungsrolle ein, auch wenn er beim FC Liverpool unter Trainer Jürgen Klopp zuletzt eher selten berücksichtigt wurde. „Unsere Freundschaft macht uns stark“, glaubt der slowakische Abwehrchef und kündigt wagemutig an: „Das Spiel gegen Deutschland wird nicht unser letztes im Turnier sein.“

Dass der Weltmeister für sie schlagbar ist, haben die Slowaken schließlich erst vor knapp vier Wochen bewiesen, als ihnen in der EM-Vorbereitung ein 3:1-Sieg gelang – wenn auch gegen eine deutsche B-Auswahl. Dass damals viele deutsche Stammspieler fehlten und der starke Regen für nahezu irreguläre Platzverhältnisse sorgte, blendet der eine oder andere da gerne aus. Stattdessen bemerkt Ex-Zweitligaprofi Adam Nemec, der nach Stationen in Aue, Ingolstadt, Kaiserslautern und bei Union Berlin inzwischen in den Niederlanden spielt: „Bisher haben die Deutschen bei diesem Turnier noch kein Tor kassiert. Jetzt ist es höchste Zeit dafür!“

Am Sonntag dürfte Offensiv-Joker Nemec allerdings zu Beginn des Spiels gegen die DFB-Elf nur auf der Bank sitzen. Dort könnten zunächst auch Herthas Peter Pekarík sowie der Ex-Nürnberger Róbert Mak Platz nehmen – sie waren zuletzt angeschlagen, haben sich am Freitag aber einsatzbereit gemeldet. Rechtsverteidiger Pekarík hat sich zwar die Nase gebrochen, will aber mit einer Spezialmaske spielen. „Vielleicht wird sein Aussehen die Gegner ein bisschen erschrecken“, scherzte Mannschaftsarzt Jan Batalik.

Mak wiederum habe seine Oberschenkelprobleme weitgehend auskuriert – im Gegensatz zu Dusan Svento vom 1. FC Köln, der ebenfalls unter muskulären Beschwerden litt. „Ich würde empfehlen, ihn nicht spielen zu lassen. Wir wollen keine schwerere Verletzung riskieren“, sagte Batalik. Fraglich für die Partie in Lille sind obendrein Verteidiger Tomáš Hubočan wegen einer Fersenblessur und der erkrankte Mittelfeldprofi Miroslav Stoch.

Abseits aller Personalfragen setzt Trainer Ján Kozák darauf, dass seine Mannschaft gegen den Weltmeister völlig befreit aufspielen kann. „Wir haben diesmal den Vorteil, dass auf uns kein Druck mehr lastet, nachdem wir unser Ziel, das Achtelfinale, schon erreicht haben“, sagt der Coach. Der slowakische Verbandschef Ján Kováčik tat es Kozák gleich – und erklärte das DFB-Team am Freitag dann auch kurzerhand zum Titelanwärter Nummer eins.

Erwartet wird, dass Kozák seine Elf wie schon zum Vorrunden-Abschluss beim 0:0 gegen England enorm defensiv einstellt und offensiv alle Hoffnungen auf Superstar Hamšík setzt. Der 28-Jährige glänzte schon beim Testspielsieg gegen Deutschland in Augsburg mit einem Kunstschuss ins Tor. Vielleicht ein gutes Omen?

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