Basketball-Bundesliga Bei den Eisbären Bremerhaven entsteht etwas

Nach dem gelungenen Saisonstart will Sebastian Machowski aus den Eisbären Bremerhaven in der Basketball-Bundesliga ein Playoff-Team formen.
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Bei den Eisbären Bremerhaven entsteht etwas
Von Nico Schnurr

Nach dem gelungenen Saisonstart will Sebastian Machowski aus den Eisbären Bremerhaven in der Basketball-Bundesliga ein Playoff-Team formen.

Er lacht wieder, mehr noch, Jan Rathjen strahlt, wenn er über seinen Klub, die Eisbären Bremerhaven, spricht. Nicht sonderlich bemerkenswert, könnte man meinen. Schließlich ist er, der Geschäftsführer des Basketball-Bundesligisten, an diesem Tag unterwegs in Sachen Bremen-Gastspiel der Eisbären, das beworben werden will. Und dennoch ist es die vielleicht symbolträchtigste Neuigkeit dieser ersten Wochen der neuen Saison, wenn die Eisbären ihrem Geschäftsführer ein Lächeln ins Gesicht schreiben.

Das war nicht immer so. Zuletzt ziemlich selten, genau genommen. Im Mai, dem Abstieg zum dritten Mal in Folge gerade so entkommen, hatte Rathjen angekündigt, alles im Verein hinterfragen zu wollen, Strukturen, eingeschliffene Prinzipien, sich selbst, alles eben. „So kann und wird es nicht weitergehen”, lautete seine Botschaft nach drei weitgehend spaßbefreiten Jahren. Er hatte recht: So geht es nicht weiter – es hat sich einiges geändert bei den Eisbären. Zum Guten. So viel lässt sich nach sechs Spieltagen in der neuen Saison bereits sagen.

„Spaß, Spaß, Spaß”, bricht es aus Rathjen fast schon ein wenig euphorisch heraus. „Es macht Spaß, mit diesen Jungs zusammenzuarbeiten.” So oft hatten die Eisbären unter den ständigen Umbrüchen, dem längst Routine gewordenen Gesichtertausch am Ende einer Saison, gelitten. In diesem Sommer aber scheint er ihnen gutgetan zu haben, der Neuanfang. Und das liegt vor allem an Sebastian Machowski.

Als vierter Cheftrainer binnen 13 Monaten übernahm Machowski im März dieses Jahres das Amt. Es ging um nicht weniger, als die Existenz des Klubs zu wahren. Das ungewohnte Unterfangen als Retter glückte ihm. Der neue Vertrag, zwei Jahre plus Option, und die neue Rolle folgten alsbald: Seit diesem Sommer kann Machowski wieder so arbeiten, wie er es in Braunschweig und Oldenburg gewohnt war. Als Konzepttrainer, der sich auch als Planer und Entwickler des Vereins versteht. Als jemand, der immer auch die langfristigen Ziele des Klubs im Blick hat. Genau das hatte den Eisbären in den vergangenen Jahren gefehlt.

In drei Jahren Dauerkrise waren die Eisbären so sehr damit beschäftigt, aktuelle Probleme zu lösen, dass sie vergaßen, über den Moment hinaus zu planen. Die Gedanken des Klubs reichten nicht viel weiter als bis zum Saisonende. Worstcase abwenden, Schreckensszenario Abstieg verhindern. Irgendwie. Und dann wieder von vorn, Jahr für Jahr. Unter Machowski ist das anders. Auch, weil er im Sommer eine junge Mannschaft zusammengestellt hat, die den Verantwortlichen derzeit sorgenfreie Momente schenkt. Die drei Siege zu Saisonbeginn garantieren zwar noch keine besseren Zeiten, aber sie sind zumindest ein großes Versprechen. Sie lassen erahnen, dass diese neuen Eisbären nicht bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt bangen werden müssen. Sie vermitteln den Eindruck: Da entsteht wieder etwas in Bremerhaven. Da wächst etwas zusammen, was es so schon länger nicht mehr gegeben hat bei den Eisbären.

„Wir spielen mit sehr viel Teamgeist, Einsatz, Herz – alles das, was in der Vergangenheit gefehlt hat”, fasst Rathjen den Wandel zusammen. Und er ist sich sicher: „Das ist gerade erst der Anfang.” Schon jetzt sind die Eisbären die besten Dreier-Schützen der Liga. Überhaupt erzielt kaum ein Team derzeit so viele Punkte und kommt auf so viele Assists wie die Bremerhavener. „Team-Basketball” nennt Machowski das und sagt: „Wir spielen einfach attraktiv.” Dass den Eisbären genau das in der Offensive zuletzt über weite Strecken auch gegen die Topteams aus Bamberg und Ulm gelang, zeigt Rathjen: „Dieses Jahr ist einiges drin.” Auch Machowski verspricht: „Wir haben noch sehr viel Entwicklungspotenzial.”

Bewusste Entscheidung für ein junges Team

Machowski hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Potenzial offenzulegen und auszuschöpfen. Er hat sich im Sommer bewusst für ein junges Team entschieden. Neben US-Amerikanern mit Bundesliga- oder Europa-Erfahrung räumt er jungen deutschen Talenten, aus der Region oder der eigenen Nachwuchsabteilung, eine große Bedeutung ein. Seit Machowskis Neuausrichtung profitieren Spieler wie der erst 17-jährige Bo Meister, Adrian Breitlauch oder Fabian Bleck „davon, dass die Notwendigkeit da ist.” Sie sind Machowskis Versuch, den Eisbären Bremerhaven wieder ein Gesicht zu geben, eine neue Identität als Ausbildungsverein. Sie sind sein Ansatz für eine Existenzberechtigung des Klubs in der rasant wachsenden Bundesliga. „Wir müssen aus der Not eine Tugend machen”, sagt Machowski. Es sei klar, dass sich die Bremerhavener auch in Zukunft keine Nationalspieler leisten könnten. „Also müssen wir unsere eigenen Nationalspieler ausbilden.”

Und selbst wenn das in diesem Jahr noch nicht gelingen sollte: Bislang geht sie auf, Machowskis Idee der neuen Eisbären. Bislang nähren die Auftritte seiner Mannschaft die Hoffnung, dass diese Spielzeit tatsächlich der Beginn von etwas Neuem in Bremerhaven werden könnte. Vor dem Auswärtsspiel bei der BG Göttingen (Sa., 18 Uhr) steht die Mannschaft auf Playoff-Platz acht. Noch will der Eisbären-Trainer sie nicht als Saisonziel ausrufen, mittelfristig aber will er aus den neuen Eisbären wieder ein Team für die Playoffs formen. „Wenn wir uns weiter so entwickeln, wie wir es in den ersten Wochen gezeigt haben”, sagt Machowski, „dann sind wir auf einem guten Weg dahin.”

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