Deutschlands Kapitän Philipp Lahm wird bei der WM wohl im zentralen defensiven Mittelfeld spielen – und will endlich den Titel holen Beinahe makellos

Santo Andre. Die deutschen Nationalspieler hatten am Dienstagvormittag Besuch. Der Extremsportler Mike Horn aus Südafrika war zu Gast im Quartier.
11.06.2014, 00:00
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Beinahe makellos
Von Marc Hagedorn

Die deutschen Nationalspieler hatten am Dienstagvormittag Besuch. Der Extremsportler Mike Horn aus Südafrika war zu Gast im Quartier. Horn referierte über seine Nordpol-Expedition, zeigte Fotos. Es fielen Begriffe wie Aufopferung und Abenteuer. Einer, der dabei ganz genau zugehört hat, war Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm. Aufopferung, Abenteuer – das hat Lahm beeindruckt. Denn er, 30 Jahre alt, mit 106 Länderspielen und fünf großen Turnieren in den Beinen, hat Großes vor bei dieser WM, die vielleicht seine letzte ist: Er will endlich den Titel gewinnen.

Philipp Lahm soll dabei ein Anführer sein. Auf welcher Position er diese Rolle ausfüllt, weiß man zwar immer noch nicht mit letzter Gewissheit. Aber vieles deutet darauf hin, dass er im zentralen defensiven Mittelfeld eingesetzt wird. Im Grunde ist das aber auch egal. „Ich brauche fünf bis zehn Minuten, um mich auf eine Position einzustellen“, sagt Lahm. Bundestrainer Joachim Löw hat kürzlich erklärt, dass er Philipp Lahm am liebsten klonen würde.

Lahm ist ballsicher auf engstem Raum, uneigennützig, spielt vorausschauend, ist gedanklich wie körperlich ungemein flink, sein Spiel beinahe makellos. Mit einer Ausnahme: Die Rolle des Chefs nehmen ihm viele Kritiker nicht ab. Dafür wirkt Philipp Lahm, Spitzname als Kind: Fipsi, viel zu sehr wie ein Musterschüler. Tattoos: Fehlanzeige. Brillis: Fehlanzeige. Ausgefallene Frisuren und Klamotten: auch nicht. Viele finden das langweilig.

Bei Philipp Lahm paaren sich gewissermaßen Langeweile und Weltklasse. Linker Verteidiger, rechter Verteidiger, Sechser – es gibt auf diesem Globus kaum bessere Fußballer als ihn. Wer über Philipp Lahm spricht, gerät leicht ins Schwärmen. Sein aktueller Trainer beim FC Bayern München, Pep Guardiola, sagte kürzlich: „Lahm ist der intelligenteste Spieler, mit dem ich je zusammengearbeitet habe. Ich bin froh, hier zu sein, nur weil ich mit ihm arbeiten darf.“ Sein alter Trainer beim FC Bayern, Jupp Heynckes, sagte einmal: „Er ist der beste Außenverteidiger der Bundesliga-Historie.“ Und vom Dauer-Assistenten des FC Bayern, Hermann Gerland, ist folgender Satz überliefert: „Philipp Lahm kann gar nicht schlecht spielen.“

Hilfe beim Wendemanöver

Mehrfacher Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger ist er, auch die Champions League hat Philipp Lahm schon gewonnen. Trotzdem droht ihm, dass man seine Karriere irgendwann als unvollendet einstuft. Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm könnten bald das für Deutschland werden, was Luis Figo, Rui Costa und Nuno Gomes für Portugal sind: die goldene, aber titellose Generation.

Nach dem Vortrag von Mike Horn kreuzten die deutschen Fußball-Nationalspieler bis zum Mittag noch mit einem Segelschiff vor der Küste Santo Andres. Die Profis packten an beim Segelsetzen, sie halfen mit bei Wendemanövern und holten gemeinsam den Anker ein. „Da haben wir erlebt, wie man als Crew zusammenarbeitet“, sagt Lahm. Die Mannschaft kam sicher wieder im Hafen an, die Aktion war ein Erfolg. Das möchte Philipp Lahm nur zu gern auch am 13. Juli gegen Mitternacht sagen können, denn in dem Fall wäre er Weltmeister.

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