Felix Eikmeier tritt mit der U21-Kanupolo-Nationalmannschaft im polnischen Posen an

Berner will Weltmeister werden

Vize-Europameister ist er bereits, jetzt will er auch Weltmeister werden: Felix Eikmeier vom TuS Warfleth gehört zum Kanupolo-Team der deutschen U-21-Nationalmannschaft, die bei den Championships im polnischen Poznan (Posen) von heute bis kommenden Sonntag zu den Favoriten zählt.
05.09.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Klaus Grunewald
Berner will Weltmeister werden

Stolz präsentiert Felix Eikmeier die Silbermedaille, die er bei der Europameisterschaft gewonnen hat. Jetzt will der 21-jährige Kanupolospieler mit der U21-Nationalmannschaft auch bei der WM im polnischen Posen für eine Überraschung sorgen.

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Vize-Europameister ist er bereits, jetzt will er auch Weltmeister werden: Felix Eikmeier vom TuS Warfleth gehört zum Kanupolo-Team der deutschen U-21-Nationalmannschaft, die bei den Championships im polnischen Poznan (Posen) von heute bis kommenden Sonntag zu den Favoriten zählt.

Berne. Natürlich steigt die Spannung im Schwarzen Weg in Berne, wo der 20-jährige Felix Eikmeier noch bei seinen Eltern wohnt, ebenfalls begeisterte Kanupolosportler. Am vergangenen Sonnabend startete die Familie ins Weltmeisterschafts-Abenteuer. Mit dem Auto ging es zunächst nach Berlin, von dort in rund zweistündiger Fahrt weiter nach Poznan.

Auf dem Malta-See, 2009 bereits Austragungsort der Ruder-Weltmeisterschaften, findet das Weltchampionat in einer Sportart statt, die zu den sogenannten World Games zählt und weltweit bekannt, aber noch nicht olympisch ist. Felix Eikmeier hat kürzlich die Gesellenprüfung als Tischler bestanden und den erhofften Job bei seiner Ausbildungsfirma in Lemwerder erhalten. Das macht den Kopf frei, um sich auf die größte Herausforderung in seiner sportlichen Karriere konzentrieren zu können.

Kanupolo, wie geht das? Bei einer Tasse Kaffee in der geräumigen Küche des Elternhauses klärt der junge Mann auf. Beim Kanupolo spielen zwei Mannschaften mit jeweils fünf Akteuren in Kajaks auf einem 23 mal 35 Meter großen und stillen Gewässer gegeneinander. Sie versuchen einen "griffigen" Ball per Hand oder Paddel in einem ein Meter mal 1,50 Meter großen Tor unterzubringen, das zwei Meter (Latte) über der Wasseroberfläche angebracht ist. Dauer eines Spiel: zweimal zehn Minuten.

Felix Eikmeier ist Leichtathlet, Fußball- und Handballspieler, als Freunde ihn überreden, doch einmal mit zum Kanupolo beim TuS Warfleth zu kommen. Der "Trainingsplatz" liegt einen Steinwurf weg vom Elternhaus; auf der Ollen, einem 17 Kilometer langen Flüsschen in der Wesermarsch, das durch Entwässerungsgräben gespeist wird und zwischen Motzen und Katjenbüttel durch einen Kanal mit der Weser verbunden ist.

Der 14-jährige Felix Eikmeier lernt schnell. Nach zwei Monaten beherrscht er die "Rolle", also nach dem Kentern sofort wieder an die Oberfläche und in die Senkrechte zu kommen. "Vor allem eine Kopfsache", sagt Felix. Denn Panik dürfe beim Kanupolo nicht aufkommen.

Inzwischen spielt der Berner in der Bundesliga. In der höchsten deutschen Kanupolo-Klasse also, in die der TuS Warfleth vor gut einem Jahr aufgestiegen ist. Mit einem Felix Eikmeier als herausragenden Akteur, der letztlich wegen seiner Wurftechnik, seines taktischen Geschicks und seiner Wendigkeit mit dem Einerkajak in den Kader der U21-Nationalmannschaft berufen wurde. Und mit der er im vergangenen Jahr in der spanischen Hauptstadt Madrid Vize-Europameister geworden ist.

Damals, erinnert sich der 20-Jährige und blickt auf das große Poster in seinem Zimmer in der zweiten Etage des vor 25 Jahren erbauten Einfamilienhauses, sei man nur knapp an der Goldmedaille vorbeigeschrammt. Auf dem Foto ist der Berner inmitten seiner jubelnden Mannschaftskameraden zu sehen.

Und diese Szene möchte er nun in Posen natürlich toppen, wo insgesamt 15 Nationen um den U21-WM-Titel kämpfen. Deutschland trifft mit Eikmeier in der Vorrunde auf Dänemark, Russland und Tschechien. Zu den Favoriten zählt der Berner neben dem eigenen Team Italien, England und Frankreich. Zeitgleich von heute bis Sonntag ermitteln auf dem Malta-See auch die U21-Frauenteams sowie die Nationalmannschaften der Männer und Frauen ihre Weltmeister.

Um mit einem solchen Titel aus der historischen Hauptstadt der Provinz Großpolen, zwei Autostunden von Berlin entfernt, an die Ollen zurückzukehren, hat der 1,86 Meter große Athlet aus der Wesermarsch hart trainiert. Meistens viermal in der Woche auf dem Wasser; dazu, vor allem in den Wintermonaten, mit Hanteln und Langläufen. Entspannung mit Freundin im Freundeskreis macht denn auch vor allem die Freizeitbeschäftigung des Nationalspielers nach Arbeit und Sport aus.

Kanupolo wird in Deutschland seit 1927 gespielt. Damals noch mit elf Akteuren pro Team. Auf einer Wasserfläche so groß wie ein Fußballfeld, über zweimal 45 Minuten. Kein Wunder, dass den Handballern im Kajak die Puste ausging und Leerlauf entstand. Und so entwickelte sich "Hallenhandball" im Boot. Es ist der wichtigste und teuerste Ausrüstungsgegenstand des Spielers.

Felix Eikmeier hat für seinen Wasserflitzer 1800 Euro ausgegeben. Überhaupt müssen Kanupolospieler ihren Sport fast ausschließlich aus eigener Tasche finanzieren. Auch die Reisen durch die gesamte Republik zu den Bundesligabegegnungen. " Da kommen im Jahr leicht 2000 Euro zusammen", rechnet Felix Eikmeier vor.

Erst vor drei Monaten hat er erfahren, dass er zum deutschen WM-Kader gehört. Die Auslese fand nach einigen Trainingslagern statt, neun Kanupolospieler stehen einschließlich Felix Eikmeier auf dem offiziellen Meldebogen: acht als Mannschaftsspieler, einer als Ersatzmann, der bei einer Verletzung einspringen soll. Was nach den Worten des Berners angesichts der Klasse der Akteure in einer Nationalmannschaft nur selten vorkommt. Zumal die Spieler Schwimmwesten und einen Helm mit Schutzgitter tragen.

Welt- und Europameisterschaften im Kanupolo gibt es erst seit 1993. Im selben Jahr wurde die Kanupolo-Abteilung des TuS Warfleth gegründet. Heute sind vier Mannschaften für den offiziellen Spielbetrieb gemeldet.

Der freilich ohne das enorme Engagement von Trainern, Betreuern und Helfern, zu denen auch Felix Eikmeiers Eltern gehören, nicht funktionieren würde. Und auch deren Arbeit erführe eine besondere Belohnung, könnte der derzeit herausragende Wesermarsch-Spitzensportler einen Weltmeistertitel mit an die Ollen bringen.

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Felix Eikmeier tritt mit der U21-Kanupolo-Nationalmannschaft im polnischen Posen an

Zitat:

"Da kommen im Jahr leicht 2000 Euro zusammen."

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