Hausbesuch beim Delmenhorster Schiedsrichtertalent Kevin Körner Besonnen aber konsequent

Delmenhorst. Als Zwölfjähriger ältere Jugendliche nach seiner Pfeife tanzen lassen - kein Problem für Kevin Körner. Die Schiedsrichterkarriere des Delmenhorsters begann bereits früh mit der Pfeiferei.
13.07.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gunnar Schäfer

Delmenhorst. Als Zwölfjähriger ältere Jugendliche nach seiner Pfeife tanzen lassen - kein Problem für Kevin Körner. Die Schiedsrichterkarriere des Delmenhorsters begann bereits früh, als er die Spiele der von seinem Vater Thorsten trainierten Fußballmannschaft pfiff, wenn der angesetzte Unparteiische nicht erschienen war. Es habe ihm einfach großen Spaß gemacht, sagt der 17-Jährige. Diesen Spaß am Pfeifen hat er sich bis heute erhalten.

Die Begeisterung für den Sport ist für Kevin Körner Familiensache. Vater Thorsten, selbstständiger Gas- und Wasserinstallateur, trainiert in seiner Freizeit beim TV Jahn die B-Junioren. Mutter Evelyn war früher Turnerin und macht heute noch regelmäßig das Sportabzeichen. Auch zwei seiner drei Geschwister betätigen sich sportlich. Kevins fast zwei Jahre jüngerer Bruder Steven spielt erfolgreich Tischtennis beim Delmenhorster TV und ist sowohl als Aktiver als auch als Schiedsrichter im Fußball unterwegs. Jacqueline, das zehnjährige Pflegekind und Nesthäkchen der Familie, spielt ebenfalls Tischtennis. Früher waren Steven und Kevin auch noch im Delmenhorster Schwimm-Verein. Nur der ältere Bruder Sascha hat nichts mit Sport am Hut, er rappt lieber.

Zusammen lebt die Großfamilie Körner in einem Einfamilienhaus an der Jasminstraße im Delmenhorster Stadtteil Adelheide. Während sich das Reich der Eltern im Untergeschoss befindet, teilen sich die vier Geschwister das Obergeschoss. An den Wänden von Kevins Zimmer hängen Fotos von seiner Freundin Tassja und von anderen Freunden, mit denen er sich in seiner knapp bemessenen Freizeit gern trifft. Dazu bleibt aber neben Schule, fast 80 Einsätzen als Schiedsrichter pro Saison und einem Nebenjob nur wenig Zeit. Weiterhin gehören zum 1996 gekauften Haus der Familie ein Keller und ein Dachboden. Solche Ablageflächen braucht man eben, wenn so viele Menschen zusammenleben. Der Garten dient Familie Körner nicht etwa zur Zier, sondern vor allem zur sportlichen Betätigung. Ein Tor und ein Swimmingpool stehen auf der Freifläche hinter dem Haus.

Im Alter von sieben Jahren kam Kevin Körner durch seinen Vater zum Fußball. Beim TV Jahn kickte er in verschiedenen Jugendmannschaften, bevor er 2007 zum TuS Heidkrug ging, um höherklassig zu spielen. Doch das Engagement als Spieler passte nicht mit Kevins Einsätzen als Schiedsrichter zusammen. Mit 14 Jahren machte er bereits seinen Schiri-Schein und pfiff hauptsächlich Spiele der F- und G-Junioren. Bei einem Einsatz in der B-Junioren-Kreisliga beim DTB beobachtete die bekannte Delmenhorster Schiedsrichterin Nicole Fink den jungen Unparteiischen im Jahr 2008. "Nach dem Spiel gab sie mir ein paar wertvolle Tipps", erinnert sich Kevin. So machte er nach dieser Partie seinen ersten Karrieresprung, denn in der folgenden Saison durfte er bei Fink an der Linie stehen. Außerdem wechselte Kevin Körner in dieser Zeit den Verein und ging zum Delmenhorster TB an die Seestraße, wo er fortan von Michael Zoll trainiert wurde. Die beiden verbindet nicht nur das gemeinsame Hobby Fußball, sondern auch die Liebe zum VfB Stuttgart. Kevin ist großer VfB-Fan und war auch schon in Stuttgart im Stadion.

Schon einige Rote Karten verteilt

Nach den ersten Erfahrungen als Assistent von Nicole Fink ging es für Kevin Körner als Schiedsrichter stetig nach oben. Während er zunächst als 16-Jähriger zusammen mit Phil Meurer in der Bezirksliga bei Jan Ripke an der Linie assistierte, war er in der abgelaufenen Saison schon selbst als Unparteiischer in dieser Klasse dabei. Besonders in Erinnerung ist ihm dabei sein erster Einsatz in Wildeshausen beim Spiel des VfL gegen die Reserve des VfL Oldenburg geblieben. "Ich war sehr nervös. Aber ich muss wohl nicht so schlecht gewesen sein, denn nach dem Spiel bekam ich ein Lob vom Bezirksobmann Georg Winter." Auch bei den Spielern, egal ob Junioren oder Herren, kommt Kevin Körners besonnene Art gut an. Dennoch kann er auch konsequent durchgreifen und hat schon die ein oder andere Rote Karte gezeigt.

In der kommenden Saison wird der Schulsprecher der Integrierten Gesamtschule Delmenhorst bei Jan Ripke in der Landesliga an der Linie stehen und selbst in der Bezirksliga pfeifen. Dabei muss er aber auf seinen Bruder Steven als Assistenten verzichten. "In der letzten Saison gab es oft Stress mit meinem Vater. Der brauchte ihn als Spieler für Jahn und ich ihn als Assistenten", erzählt Kevin und lacht. Doch Kompromisse zu finden fällt dem 17-Jährigen leicht. Er liebt den Umgang mit Menschen und gibt daher auch Lehrer als seinen Berufswunsch an. Pädagogische Erfahrungen hat er, von der Schiedsrichterei einmal abgesehen, auch schon als Jugendbetreuer beim TV Jahn oder in den Sommerferienfreizeiten der St.-Christopherus-Gemeinde gesammelt. Bevor Kevin Körner jedoch Klassen unterrichtet, hat er erst einmal noch andere Ziele: Er will sein Abitur machen und auch als Schiedsrichter weiter aufsteigen. Das Talent dazu hat er allemal.

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