Im zweiten Jahr bei Ferrari steigt der Druck auf Sebastian Vettel – er braucht sofort Top-Ergebnisse

Besser, besser und nochmals besser

Melbourne. Ein Mythos kommt nicht von ungefähr – er will genährt werden. Die Scuderia Ferrari ist solch ein Mythos: ein weltbekanntes Markenprodukt, der Formel-1-Rennstall schlechthin.
19.03.2016, 00:00
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Von Martin Moravec

Ein Mythos kommt nicht von ungefähr – er will genährt werden. Die Scuderia Ferrari ist solch ein Mythos: ein weltbekanntes Markenprodukt, der Formel-1-Rennstall schlechthin. Damit das so bleibt, braucht es Erfolge, besser noch Titel. Sergio Marchionne, als Fiat-Boss auch Herrscher über Ferrari, weiß das – und fordert diese Erfolge. Der Adressat ist Sebastian Vettel: Auf dem deutschen Star-Piloten lastet mit dem Auftakt der Formel-1-Saison 2016 der Druck, den Ruhm der Scuderia zu mehren. Und das mehr denn je. Vettel muss liefern – am besten schon an diesem Wochenende in Melbourne.

Marchionnes Vorgabe ist deutlich. Das Team sei bereit für eine Erfolgsserie, ließ er seine Truppe in Australien wissen. „Wenn wir zehn Jahre lang keinen Titel holen sollten, wäre das eine Tragödie“, hatte Marchionne verkündet. Es erfordert keine großen Rechenkünste, um die Botschaft dahinter zu entschlüsseln. 2007 wurde in Vettels aktuellem Teamkollegen Kimi Räikkönen letztmals ein Ferrari-Pilot Weltmeister, 2008 holte die Scuderia noch einmal die Konstrukteurs-WM. Und seither: nichts. Marchionne will den ganz großen Erfolg – und er will ihn in diesem Jahr. Was er denn von dieser Vorgabe halte, wurde Vettels Teamchef Maurizio Arrivabene in Melbourne gefragt. „Es ist doch ganz normal, dass der Präsident von dir verlangt, im zweiten Jahr nicht weniger zu leisten als im ersten“, sagte Arrivabene, „er ist dafür da, seine Leute anzutreiben, es besser, besser und nochmals besser zu machen.“

Man hätte das sicher sachlicher formulieren können. Aber das wäre eben nicht Ferrari. Die Scuderia ist vielleicht der komplizierteste, launischste und anstrengendste aller Formel-1-Rennställe. Das hat zunächst mal nichts mit einem Chef wie Marchionne zu tun. Es ist in erster Linie der Geschichte der Scuderia geschuldet. Kein anderes Team ist in der Königsklasse des Motorsports schon so lange dabei: seit dem ersten WM-Jahr 1950. 16 Konstrukteurs- und 15 Fahrer-Titel gewann die Truppe aus Maranello in dieser Zeit, mehr als jeder andere Rennstall. „Ferrari ist die Formel 1 – und die Formel 1 ist Ferrari“, sagte einmal Chefvermarkter Bernie Ecclestone. Wohl wahr.

Vettel soll diese Gleichung fortführen. Ein Jahr wurde ihm, dem Vierfach-Weltmeister mit Red Bull, zum Neuaufbau gewährt. Und mit drei Grand-Prix-Siegen funktionierte das bisher auch gut. 2016 aber wäre das nicht mehr genug. „Wir wollen uns in Australien als das Team präsentieren, das es zu schlagen gilt“, gab Marchionne seiner Formel-1-Belegschaft mit auf den Weg. Das ist der Anspruch.

Fast alle großen Piloten fuhren für Ferrari. Ob Juan Manuel Fangio, Niki Lauda, Alain Prost oder natürlich Rekord-Weltmeister Michael Schumacher – die Historie dieses Rennstalls zog sie alle an. Dahinter verbirgt sich aber die Notwendigkeit extrem harter Arbeit. Sonst lassen sich nicht die erwarteten Erfolge erzielen, um auch die verwöhnten Tifosi glücklich zu machen. „Druck ist Teil unseres Jobs“, sagt Teamchef Arrivabene, „das gehört einfach dazu.“

Zum Auftakt des Rennwochenendes in Melbourne am Freitag wurde Vettel in den Trainingssitzungen übrigens 21. und später Achter. Nur Achter. Der Druck ist da.

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