Mit Mäzen und Vaterfigur

Bremen-Liga-Aufsteiger OSC Bremerhaven plant die Zukunft

Der Hamburger Kaufmann Bernd Günther leitete rund 30 Jahre lang die Geschicke beim FC Bremerhaven. Heute ist er beim OSC an Bord. Der Bremen-Liga-Aufsteiger will nun in die Regionalliga durchstarten.
12.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Mario Nagel
Bremen-Liga-Aufsteiger OSC Bremerhaven plant die Zukunft

Immer dicht dran an der Mannschaft: Bremerhavens Mäzen Bernd Günther, klassisch in seinem Trenchcoat.

Lothar Scheschonka

Wer an die erfolgreichen Zeiten des Bremerhavener Amateurfußballs denkt, bringt sie vor allem mit einem Namen in Verbindung: Bernd Günther. Rund 30 Jahre lang leitete der Hamburger Kaufmann, dessen Trenchcoat und Regenschirm zu seinem Markenzeichen wurden, die Geschicke beim FC Bremerhaven und verhalf dem Klub so zu ungeahnten Erfolgen. Heute ist Günther beim OSC an Bord, der gerade von der Landesliga in die Bremen-Liga aufstieg.

Zwei Mal spielte der im Stadtteil Lehe angesiedelte FC Bremerhaven in der Regionalliga Nord, nahm 1996, 2006 und 2007 am DFB-Pokal teil. Doch seit der Bremen-Liga-Meisterschaft im Jahr 2008, dem letzten Höhepunkt in der Vereinsgeschichte des FC Bremerhaven, war es vorbei mit den sportlichen Glanzstücken. Dem Bremen-Liga-Meister war 2008 seitens des Deutschen Fußball-Bundes der Aufstieg in die Regionalliga Nord verwehrt worden. Sowohl das inzwischen abgerissene Zollinlandstadion als auch das Nordsee-Stadion hätten nicht den Ansprüchen genügt. Utopische 200.000 Euro hätte der FC Bremerhaven für eine Sanierung des Nordsee-Stadions bezahlen müssen. „Die geforderte Professionalität kann kein Amateurverein mehr leisten“, hatte Bernd Günther deshalb vor zehn Jahren im Gespräch mit dem WESER-­KURIER gewettert.

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Zudem unterstellte der Fußballfunktionär auch der Stadt Bremerhaven, den Verein in seinem Bestreben nicht ausreichend unterstützt zu haben. „Hier in Bremerhaven baut man lieber eine Eishalle“, kritisierte Bernd Günther damals. 2012 stellte der FC Bremerhaven das Fußball spielen schließlich gänzlich ein. „Weil der SC Sparta seine Fusionsverabredungen nicht einhielt“, kritisiert Günther. Bernd Günther hatte eigentlich eine Fusion der beiden Vereine angepeilt. Die Tätigkeiten als Funktionär beim FC Bremerhaven wären aus Hamburg, wo er seit über 50 Jahren wohnt, einfach nicht mehr zu bewältigen gewesen.

Doch die Fusion scheiterte, und Günther zog sich in der Folge zurück. Bis Björn Böning, damaliger Trainer des OSC Bremerhaven, den einstigen Mäzen im Dezember 2018 zu einem erneuten Engagement überreden konnte. „Anderthalb Jahre hat er mich bearbeitet“, sagt Bernd Günther und lacht. Neben der Hartnäckigkeit des damaligen OSC-Trainers, der heute als Teammanager bei den „Olympischen“ tätig ist, macht der Hamburger aber auch den Bremerhavener Oberbürgermeister Melf Grantz für seine erneute Tätigkeit verantwortlich.

Das Blatt hat sich gewendet

Beim „Sommerfest der BLG 2018“ in Bremen hatte sich der SPD-Politiker mit einer Bitte an Bernd Günther gewandt. „Ob ich nicht doch wieder etwas im Amateurfußball machen könne“, erzählt der heute 79-Jährige. Es dauerte zwar noch ein halbes Jahr, ehe Günther tatsächlich auf die Bühne des Bremerhavener Amateurfußballs zurückkehrte, doch sein erneutes Engagement sollte wohl überlegt sein. Warum sollte er sich den ganzen Stress noch einmal antun? Hatte sich überhaupt etwas verändert? „Ja, das Blatt hat sich gewendet“, bekräftigt Bernd Günther heute. Das macht der Hamburger Kaufmann an einem für ihn sehr wichtigen Punkt fest: Die Stadt Bremerhaven beteiligt sich an der Sanierung des Nordsee-Stadions.

Für rund fünf Millionen Euro soll die ehrwürdige Heimstätte des OSC Bremerhaven modernisiert werden. 4,4 Millionen Euro werden aus Bundesmitteln zur Verfügung gestellt, weil sich die Stadt mit einem hohen sechsstelligen Betrag beteiligt. Die Rahmenbedingungen für höherklassigen Fußball sind damit also hergestellt, denn den strebt Bernd Günther nach wie vor an. „Eine Stadt wie Bremerhaven muss überregional auf der Fußball-Landkarte zu finden sein“, sagt der 79-Jährige. Deshalb haben sich die Verantwortlichen beim OSC Bremerhaven ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: den Regionalliga-Aufstieg.

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Der erste Schritt auf diesem Weg ist bereits gemacht. Durch den Abbruch der Saison 2019/20 sind die „Olympischen“ als Meister der Landesliga Bremen in die Fünftklassigkeit zurückgekehrt. Das bekräftigt auch Bernd Günther: „Wir wollen den Bremerhavener Fußball wiederbeleben. Ich habe viele gute Kontakte.“ Diese Kontakte sollen nun auch dem OSC Bremerhaven helfen, in der kommenden Saison zu den Spitzenteams der Bremen-Liga zu gehören. Mit dem ehemaligen Werder-Sponsor QSC, der Hamburger Getreide-Lagerhaus AG sowie dem Bremerhavener Hafen hat Bernd Günther gleich drei große Sponsoren an Land gezogen. Dazu besorgt er den Spielern des OSC Bremerhaven Jobs oder leiht ihnen bei privaten Problemen sein Ohr.

„Ich bin wie eine Vaterfigur für die Jungs“, sagt der 79-Jährige, der sein Engagement nicht nur von finanzieller Natur verstehen will. Natürlich, etwas Geld würden die Spieler auch erhalten, aber längst nicht so viel wie bei anderen Vereinen. In der letzten Meister-Saison des FC Bremerhaven im Jahr 2008 musste Bernd Günther bis zu 30.000 Euro aufwenden, jetzt sei der Etat etwas höher. „Aber das ist vor allem den Ablösesummen geschuldet“, so der Hamburger Kaufmann.

Probleme mit dem Stadtrivalen

Einige Vereine würden nämlich unverhältnismäßig hohe Ablösesummen fordern, sagt Bernd Günther. Für Justin Sauermilch habe der FC Hagen/Uthlede im Sommer 2019 zum Beispiel satte 3000 Euro gefordert, der 79-Jährige machte ein Angebot über 1000 Euro, doch der Deal scheiterte. Auch mit dem Stadtrivalen ESC Geestemünde habe es einige Probleme gegeben, berichtet Bernd Günther, ­wobei das Wort „Probleme“ noch untertrieben sei. „Das war eine Kriegserklärung“, sagt der Mäzen über den Fall Steffen Rohwedder, der schließlich vor dem Arbeitsgericht Cuxhaven landete.

Steffen Rohwedder, als angestellter Vertragsamateur für den ESC Geestemünde tätig, wollte im Sommer 2019 zum OSC Bremerhaven wechseln. Dazu löste der 23-Jährige seinen Vertrag mit dem Bremen-Ligisten auf, doch die Geestemünder erteilten dem Stürmer keine Freigabe. „Der ESC war ganz unglücklich mit dem Wechsel“, sagt Bernd Günther, der als Entschädigung eine Ablöse von 4000 Euro anbot. Doch Geestemünde lehnte ab.

Der Fall landete erst vor einem Zivil-, dann vor einem Arbeitsgericht. Dort einigten sich die Parteien schließlich auf eine Lösung: Der ESC erhielt vom OSC Bremerhaven eine Ablöse in Höhe von 2000 Euro und bekam zudem die Anwaltskosten erstattet, Steffen Rohwedder wurde dafür eine Freigabe erteilt, wenn er bis zum 30. Juni 2020 nicht zu einem Bremer Verein wechselt. Der 23-jährige Stürmer läuft deshalb für den FC Eintracht Cuxhaven auf.

„Der ESC-Vorsitzende hat ganz klar zu uns gesagt: Ich will nicht, dass der OSC aufsteigt“, sagt Bernd Günther. Die Rückkehr ins Bremer Oberhaus gelang dem OSC auch ohne den Angreifer. Sehr zur Freude von Bernd Günther, der immer, wenn es die Zeit zulässt, die Spiele seines Klubs verfolgt. „Mit Herz und Seele“, versichert der 79-Jährige und fügt lachend an: „Trenchcoat und Regenschirm sind nach wie vor dabei.“

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