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Safi krönt Brinkums Aufholjagd

In der vergangenen Woche verspielte Brinkum in Vegesack eine 2:0-Führung und musste sich mit einem 2:2 begnügen. Gegen die BTS Neustadt drehte die Elf von Mike Gabel ein 0:2 noch einen Sieg.
13.09.2020, 18:03
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Von Thorin Mentrup
Safi krönt Brinkums Aufholjagd

Die Brinkumer Freude entlud sich nach dem Siegtor. Mittendrin: der oberkörperfreie Torschütze Ramien Safi.

Thorin Mentrup

Brinkum. Ramien Safi riss sich das Trikot vom Leib. Als wollte er all den Druck abstreifen, der von ihm und seinen Mitspielern abfiel nach der irren Aufholjagd gegen die BTS Neustadt. 0:2 lag der Bremen-Ligist Brinkumer SV kurz nach dem Seitenwechsel zurück und stand nach dem 2:2 gegen die SG Aumund-Vegesack vor einem sehr dürftigen Start in die Saison. Doch der Favorit wendete durch die Treffer von Herman Mulweme, Kevin Artmann und Safi das Blatt noch. So stand am Ende der erste Saisonsieg – und vier Zähler auf dem Punktekonto. Das liest sich aus Brinkumer Sicht doch besser als einer oder zwei.

„Wir haben es erzwungen“, atmete BSV-Trainer Mike Gabel nach dem Schlusspfiff auf. Natürlich sei er erleichtert, sagte er. Aus sich herausgegangen war er nach den drei Toren seiner Mannschaft allerdings nicht. „Weil es mich geärgert hat, dass wir so wenig aus unseren Möglichkeiten machen“, hatte er nicht die Chancen vermisst, sondern die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss. Vier klare Gelegenheiten hatte er allein im ersten Durchgang gesehen. „Dann reicht es, wenn du zwei Tore machst und mit einer Führung in die Kabine gehst“, hätte es seine Elf seiner Meinung nach deutlich einfacher haben können.

Doch leicht fiel den Gastgebern sehr wenig. Selbst einen Elfmeter verschossen sie: Nicolai Gräplers Versuch war ganz schwach (31.), aber er passte in das Bild, das Brinkum im ersten Durchgang abgab. Etwas lasch wirkte der Auftritt phasenweise. Fußballerisch sei er gar nicht so unzufrieden gewesen, meinte Gabel. Teilweise habe sich seine Mannschaft den tiefstehenden Gegner gut zurechtgelegt. Unter dem Strich kam dabei jedoch nichts Zählbares heraus.

In Sachen Effektivität waren die Neustädter, die aufopferungsvoll verteidigten und darum bemüht waren, das Zentrum dicht zu machen, den Gastgebern deutlich voraus. Rigo Ehresmann per tollem Lupfer (44.) und der Ex-Brinkumer Hassan Sleiman, der wenige Sekunden nach Wiederbeginn den BSV-Sekundenschlaf nutzte (46.), schossen die Gäste in Front. „Auf einmal steht es 0:2“, verstand Gabel die Welt nicht mehr.

Doch er sah auch, dass sich seine Mannschaft, die kurz vor dem Fehlstart in die Liga stand, nicht aufgab. Im Gegenteil: Brinkum war nun wütend, streifte die Lethargie, „die mir gewaltig auf den Keks ging“, wie Gabel sagte, ab. Vor allem Hyoung-bin Park, im ersten Durchgang noch unter seinen Möglichkeiten, drehte nun auf, riss das Spiel an sich, agierte im Zentrum wesentlich mutiger. Auch Gräpler wollte seinen Fehlschuss vom Punkt offensichtlich wiedergutmachen und trieb über die linke Seite immer wieder an.

Herman Mulwemes schneller Anschlusstreffer pushte die Gastgeber nur noch mehr (48.). Für Neustadt fiel der Gegentreffer dagegen zur Unzeit. Der Nackenschlag, den sie Brinkum gerade verpasst hatten, hatte seine Wirkung noch gar nicht richtig entfalten können. Jetzt wurde die Partie endgültig zum Sturmlauf der Gastgeber. Neustadt wehrte sich, nahm Zeit von der Uhr und warf sich in jeden Zweikampf. Doch Brinkums Druck wuchs und wuchs. Kevin Artmann markierte nach einer Gräpler-Flanke den Ausgleich – per Kopf wohlgemerkt (63.). „Das letzte Kopfballtor habe ich vielleicht in der A-Jugend gemacht“, bestätigte der Edeltechniker, dass so ein Treffer auch für ihn alles andere als alltäglich ist.

Doch alltäglich kam auch das Spiel nicht daher. Brinkum rannte weiter an, doch in der Schlussphase bot sich den Gästen die Top-Chance zur erneuten Führung. Sleiman hätte seinem Ex-Klub richtig weh tun können, jagte den Ball nach einem Konter aber über das Tor (85.). Brinkum wandelte auf einem äußerst schmalen Grat, belohnte sich aber in der Nachspielzeit dafür. Der eingewechselte Hamudi Taha tankte sich auf der linken Seite durch, ließ sich auch von Ali Hoxha nicht mehr stoppen und legte den Ball von der Grundlinie zurück ins Zentrum. Dort lauerte Safi und schloss mit links erfolgreich ab (90.+2). „Er trifft den gar nicht richtig“, stellte Gabel etwas ungläubig fest. Aber genau das hatte er gemeint, als er von dem erzwungenen Sieg sprach. Brinkum erarbeitete sich die Punkte und damit einen ganz wertvollen Erfolg. „So ein Sieg schweißt dich zusammen. Das macht dich zur Mannschaft“, hoffte der Trainer auf einen Dreier mit Langzeitwirkung.

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